Volkach

Das Schelfenhaus feierte 300. Geburtstag

Der Bau des Bürgerhauses in der Schelfengasse wurde 1719 beauftragt. Seit 1956 ist es im Eigentum der Stadt Volkach und erzählt noch immer viel über die damalige Zeit.
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Vor der prächtig illuminierten Fassade des Volkacher Schelfenhauses ging Susanne Holst-Steppat auf die einzigartige Gestaltung der Tür- und Torsituation ein. Foto: Peter Pfannes
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Bei den fast täglich stattfindenden Führungen durch die Volkacher Altstadt ist das Schelfenhaus das Glanzlicht. Volkachs schönstes Bürgerhaus feiert in diesem Jahr seinen 300. Geburtstag. Am Freitag kamen etwa 80 Geburtstagsgäste in den Festsaal des Schelfenhauses, um gemeinsam den runden Geburtstag zu begehen. Kurzführungen durch die historische Schmucktruhe der Kleinstadt durften natürlich nicht fehlen.

Die Geschichte des Gebäudes, das seit 1956 im Eigentum der Stadt ist, fassten die Organisatorinnen Claudia Binzenhöfer, Susanne Holst-Steppat und Margit Hofmann zusammen: 1719 erteilte Johann Georg Adam Schelf, Weinhändler und bedeutender Bürger der Stadt, den Auftrag für den Bau des Wohn- und Geschäftshauses, das 1721 fertig gestellt wurde. Seither zählt das denkmalgeschützte Schelfenhaus zu den prächtigsten Bürgerhäusern Mainfrankens.

Gehobener Geschmack des Bauherrn

Bürgermeister Peter Kornell erinnerte an die Gründerjahre: "Volkach war damals ein Ackerbaustädtchen." Das Stadtoberhaupt spannte einen Bogen zur heutigen Zeit: "Schönes und Nachhaltiges zu schaffen war damals wie heute oberstes Ziel." Die Stadt habe schon viel Geld in den Erhalt des Schelfenhauses investiert, darunter die energetische Sanierung oder die Reparatur des undichten Daches. Der Festsaal, in dem die Feier stattfand und die Stadt Ehrungsabende abhält, sei auf dem Grund einer alten Scheune entstanden. Er dankte den Organisatorinnen, die die Geburtstagsfeier ins Rollen brachten.

In drei Gruppen unternahmen die Gästeführerinnen mit den Besuchern spannende Ausflüge in die Vergangenheit des illuminierten Bürgerhauses. Fassade und Portal erläuterte Susanne Holst-Steppat. Durch die repräsentativen Wohnräume führte Margit Hofmann. Auf die Neubauten und die heutige Nutzung ging Claudia Binzenhöfer ein.

Das barocke Gebäude war das Wohn- und Geschäftshaus des Volkacher Weinhändlers Johann Georg Adam Schelf (1688-1745). Schelf war ein gebildeter Mann. In seinen letzten vier Lebensjahren war er Bürgermeister. Der stattliche Bau gab der rechtwinklig zur Hauptstraße liegenden Gasse schon früh ihren Namen. Seit 1833 ist sie im Kataster mit "Schelfer-Gasse" verzeichnet. "Das Gebäude hebt sich deutlich von den Volkacher Bürgerhäusern ab", sagte Holst-Steppat. Ausdehnung und Schmuckformen seien repräsentativ. Fassade, Innendekorationen wie Deckengemälde und Stuck verweisen auf die hohe gesellschaftliche Stellung des Hausherrn, seine Bildung und seinen gehobenen Geschmack.

Stadtbücherei im Schelfenhaus

Eine Besonderheit im Kontext der Volkacher Häuser stellt das Nebeneinander zweier Hauszugänge auf. Wenn das typische fränkische Ackerbürgerhaus lediglich eine große Toreinfahrt hat, besitzt das Schelfenhaus zwei Zugänge: eine Toreinfahrt und ein repräsentatives Portal über vier Stufen, das mit den Wappen der Familien Schelf und Balbus geschmückt ist.

Das Schelfenhaus beherbergt heute auch die Stadtbücherei und die Akademie für Kinder- und Jugendliteratur. Junge Musiker der Musikschule Volkach verschönten das Festprogramm mit klassischen Klängen.

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