Kitzingen

Das Problem mit der Diagnose

Der Landesverband Osteoporose Bayern wird 25. Vorsitzende ist die Kitzingerin Barbara Ettinger. Ein Gespräch über eine Erkrankung, die häufig unentdeckt bleibt.
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Über Knochenbrüche bei Patienten mit Osteoporose informiert regelmäßig die Klinik Kitzinger Land. Foto: Foto: Klinik Kitzinger Land
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Der Landesverband Osteoporose Bayern feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Vorsitzende ist die Kitzingerin Barbara Ettinger. Ein Gespräch über eine Erkrankung, die häufig unentdeckt bleibt.

Frage: Wie viele Menschen leiden in Deutschland an Osteoporose?

Barbara Ettinger: Aktuell haben in Deutschland schätzungsweise 5,2 Millionen Frauen und 1,1 Millionen Männer ab 50 Jahren eine Osteoporose. Eine von vier Frauen und einer von 17 Männern über 50 Jahre ist betroffen. Jedes Jahr erkranken 885 000 Menschen neu.

Wie erkennt man die Krankheit?

Ettinger: Leider häufig erst nach dem ersten Knochenbruch. Der Goldstandard zur Diagnostik ist die Knochendichtemessung. Manchmal dauert es Jahre, bis ein Arzt Osteoporose diagnostiziert. Weniger als 25 Prozent aller Fälle werden rechtzeitig erkannt und adäquat behandelt. Ein großes Problem, denn je früher der Knochenschwund bemerkt wird, desto effektiver kann man gegen ihn vorgehen und schmerzhafte Knochenbrüche vermeiden.

Wie wird sie behandelt? Lässt sie sich stoppen?

Ettinger: Eine medikamentöse Behandlung erfolgt nach den Leitlinien der DVO – dem Dachverband der der Osteologen. Ausreichend Bewegung ist das A und O der Osteoporose-Prävention. Knochen müssen beansprucht werden, damit sie sich nicht überflüssig fühlen. Zu wenig Bewegung führt dazu, dass Knochenmasse abgebaut wird. Auch eine ausgewogene, kalziumreiche Ernährung ist wichtig. Und Funktionstraining: Das gemeinsame Training mit der Gruppe motiviert, am Ball zu bleiben. Das Ergebnis: Häufig kann der Knochenabbau verlangsamt oder sogar gestoppt werden, die Anzahl der Knochenbrüche sinkt. Die Gesetzlichen Krankenkassen fördern das Funktionstraining und erstatten die Kosten. Voraussetzung ist eine ärztliche Verordnung.

Welche Risikofaktoren gibt es?

Ettinger: Lebensstil, Alter, Geschlecht und Veranlagung – das sind auf einen Nenner gebracht die Risikofaktoren für Osteoporose. Rund 90 Prozent aller Osteoporose-Erkrankungen sind hormonell bedingt. Seltener ist eine Osteoporose aufgrund anderer Krankheiten oder deren Behandlung.

Es gibt bestimmte Risikofaktoren, die die Entwicklung einer Osteoporose begünstigen, Magersucht oder chronische Darmerkrankungen. Medikamente wie Kortison erhöhen das Osteoporose-Risiko. Tumorerkrankungen gehen häufig mit Osteoporose einher. Bestimmte Medikamente gegen Brustkrebs, Depressionen, Diabetes und Epilepsie, einige Blutverdünner oder eine Überdosierung von Schilddrüsenhormonen gehen mit einer Osteoporose einher. Prävention: Je früher man auf seine Knochen achtet, desto besser. Denn bereits in der Kindheit und Jugend werden die Grundsteine für starke Knochen im Alter gelegt. Viel Bewegung und gesunde Ernährung mit Calcium und Vitamin D. Mehr Infos gibt's unter www.bayern.osteoporose-deutschland.de.

Wie kamen Sie zu dem Selbsthilfeverband?

Ettinger: Ich wurde selbst aktiv bei der Suche nach einer Selbsthilfegruppe und fand diese über das Internet vor sechs Jahren in meinem Wohnort Kitzingen. Chronisch krank – diese Nachricht musste ich erst mal verarbeiten und beschloss: Die Krankheit nicht bestimmen lassen, sondern die Zügel selbst in die Hand nehmen und aktiv werden. Dieser Wunsch führte dazu, Mitglied in BfO-Selbsthilfegruppen zu werden.

Wie ging es dann weiter?

Ettinger: Ich habe mich bereit erklärt, im Landesverband mitzuarbeiten. Zunächst angedacht als Beisitzer. Jedoch war rasch klar, dass ich den Vorsitz übernehmen soll.

Wie hoch ist die Zahl der Mitglieder?

Ettinger: In Bayern liegt sie bei 2200, in 33 Selbsthilfegruppen bundesweit 15000 in 250 Selbsthilfegruppen.

Welches Angebot gibt es im Landkreis Kitzingen?

Ettinger: Im Landkreis Kitzingen gibt es zwei Osteoporose- Selbsthilfegruppen. Ansprechpartner in Kitzingen ist Hannelore Eger und in Rüdenhausen Udo Laxa.

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