Kitzingen
Generationen

Das Miteinander von Alt und Jung pflegen

Nicht nur die Senioren genießen es, mit ihren Kindern und Enkelkindern unter einem Dach zu leben - sie können gegenseitig voneinander lernen.
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Wie schön es ist, wenn verschiedene Generationen miteinander ins Gespräch kommen, konnten die Besucherinnen am Samstag beim "Tag der Frauen" im Kitzinger Paul-Eber-Haus erfahren. Fotos: Ludwig
Wie schön es ist, wenn verschiedene Generationen miteinander ins Gespräch kommen, konnten die Besucherinnen am Samstag beim "Tag der Frauen" im Kitzinger Paul-Eber-Haus erfahren. Fotos: Ludwig
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Als ihr Enkel noch klein war, hat Maria Ziegler ihm öfters das Buch vom "Alten Elefanten" vorgelesen. "So kann´s der Oma auch mal gehen", hat sie ihm erklärt. Inzwischen ist der Enkel erwachsen. Aber das Buch vom "Alten Elefanten" hat die 78-jährige Obernbreiterin immer noch. Es erinnert sie an ihren Enkelsohn und an die schönen Stunden, die sie mit ihm verbracht hat.
Eine Großmutter, die Geschichten vorliest und dem Enkel die Welt erklärt - welches Kind wünscht sich das nicht? Doch die Realität sieht oft anders aus. Nur noch selten leben mehrere Generationen unter einem Dach. Kinder und Enkel wohnen weit entfernt in einer anderen Stadt. Oder Beruf, Schule und Hobbys nehmen sie ganz in Anspruch, so dass kaum noch Zeit für gegenseitige Besuche bleibt.
Wie viel dadurch verloren geht und wie sehr sich Jung und Alt bereichern könnten - darum ging es am Samstag beim "Tag der Frauen", zu dem das evangelische Dekanat Kitzingen in das Paul-Eber-Haus eingeladen hatte.

Alt werden gehört dazu

Als Gastrednerin war Pfarrerin Heidi Wolfsgruber aus Uffenheim gekommen. In ihrem Vortrag sprach sie über den Prozess des Alterns und den Wert alter Menschen für unsere Gesellschaft. Zu Beginn regte sie die Zuhörerinnen an, über "den Sinn des Lebens" nachzudenken. "Zum menschlichen Leben gehört es, alt werden", erklärte die Referentin. Zwar bringe das Alter mancherlei Beschwernisse. Jedoch könne es auch eine große Bereicherung sein. So eröffne es Lebensweisheiten, die in jungen Jahren oftmals verborgen blieben. Dieser Meinung waren auch die Zuhörerinnen. Auf die Frage, was "das Schöne am Alter" sei, fielen ihnen viele Vorzüge ein, wie etwa "mehr Zeit", "Gelassenheit", "Zufriedenheit", "mehr Lebenserfahrung" oder die Fähigkeit, "über den Dingen zu stehen".
Doch worin zeigt sich echte "Altersweisheit"? "Hierzu gehört vor allem auch die Erkenntnis, dass man im Leben nicht alles selbst bestimmen kann", erläuterte die Referentin. "Altersweise Menschen haben es geschafft, schwere Erlebnisse zu verarbeiten und in ihr Leben zu integrieren" - so wie Maria Ziegler. Mit fünf Jahren verlor die gebürtige Langensteinacherin ihre Mutter, ihr Ehemann starb mit 42 Jahren an Krebs. Dass sie nicht daran verzweifelt ist, verdankt die 78-Jährige nicht nur der liebevollen Unterstützung durch Verwandte und Freunde. Auch der Glaube hat ihr sehr geholfen: "Gott hat mir die Kraft gegeben, die Schicksalsschläge zu ertragen", sagt sie.

Von den Älteren lernen

Menschen wie Maria Ziegler können auch jungen Menschen Halt und Orientierung geben. Wie sehr sie von den Älteren profitieren können - das verdeutlichte Petra Dlugosch. Als Leiterin des "Mehrgenerationen-Projektes" im Kitzinger Altenheim "St. Elisabeth" koordiniert und begleitet sie eine Vielzahl von Aktionen, bei denen alte und junge Menschen miteinander in Kontakt kommen. Dabei wird nicht nur gemeinsam gespielt, gemalt und gebastelt. Unter anderen gibt es auch eine Gruppe, in der ältere Damen Kindern und Jugendlichen das Stricken beibringen. Umgekehrt zeigen die Jüngeren den Älteren, wie sie das Internet nutzen können, gehen mit ihnen spazieren oder lesen ihnen etwas vor. "Die gemeinsame Zeit ist für beide Seiten eine riesengroße Bereicherung. Alt und Jung können viel voneinander lernen", schilderte Petra Dlugosch ihre Erfahrungen. Gerade Kinder mit Handicaps seien sehr stolz, wenn sie von den Altenheimbewohnern gelobt werden. Jugendliche seien "wahnsinnig beeindruckt", wenn die Älteren von ihren Kriegserlebnissen oder anderen Lebenserfahrungen erzählten. Den Senioren wiederum bereite der Umgang mit den jungen Besuchern große Freude: "Wenn die Kinder da waren, wissen sie noch nach drei Tagen alles genau." Zudem hätten sie das Gefühl, noch immer "gebraucht zu werden". Gerade dies sei für ältere Menschen "sehr wichtig". Wie schön es ist, die Liebe und Fürsorge der Großmutter zu erleben - das hat auch Anja Saukel erfahren. "Als Kind war ich oft bei meiner Oma, weil meine Eltern berufstätig waren", erzählte sie. Von ihr habe sie für ihr späteres Leben viel gelernt. Aus ihrer schulischen Arbeit weiß die Heilpädagogin, dass vielen Kindern und Jugendlichen heute Vorbilder fehlen. Gerade ältere Menschen könnten hier eine wichtige Funktion einnehmen, indem sie ihre Erfahrungen an die junge Generation weiter geben. Dies bekräftigte auch Pfarrerin Wolfsgruber in ihrem Vortrag: "Werden Sie altersweise", riet sie den Zuhörerinnen, "es lohnt sich für Sie und für die anderen.


Kommentar zum Thema:

Der Schatz
der Alten

Von Waltraud Ludwig

Da sitzen sie, die zwei alten Damen, und sie können so viel erzählen. Von guten und von schlechten Zeiten. Von schweren Schicksalsschlägen und davon, dass es doch immer wieder weitergeht. Von der Kraft des Glaubens und dass Gott immer wieder geholfen hat. Ja, alte Menschen haben oft viel erlebt. Sie wissen, "wie es in der Welt zugeht". Sie wissen, welche Höhen und Tiefen das Leben bereithält. Sie haben gelernt, wie man mit Krisen und anderen Widrigkeiten des Lebens umgehen, sie aushalten und auch bewältigen kann. Wie in einer großen Schatztruhe haben sie im Laufe der Jahre viele Erfahrungen gesammelt.
Der Wert eines Menschen hängt eben nicht von seinem Äußeren, von Schönheit oder körperlicher Fitness ab. Auch alte Menschen haben einen wichtigen Platz in unserer Gemeinschaft.
Wie sehr Jung und Alt voneinander profitieren können, wurde beim "Tag der Frauen" im Kitzinger Paul-Eber-Haus deutlich: Jede Generation hat ihre besonderen Schätze. Erst das Miteinander macht das Leben zu einem wertvollen Ganzen. Diesen Schatz gilt es zu heben, zu bewahren und weiter zu geben.

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