KIRCHSCHÖNBACH

Das Gefühl für die richtige Richtung

Ein lebendiges Haus soll es werden. Ein Haus, in dem sich Künstler und Zuschauer gleichermaßen wohlfühlen. Herbert Löw, Markus Grimm und Schwester Margit haben eine klare Vorstellung von der Zukunft des Schlosses in Kirchschönbach.
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Neues Leben
(lrd) Im Schloss Kirchschönbach tut sich was. Das Nutzungskonzept kristallisiert sich heraus, Renovierungsarbeiten starten – es soll ein lebendiges Haus werden, in dem sich Künstler und Zuschauer gleichermaßen wohlfühlen. Foto: Foto: Artcon
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Gräfliches Anwesen, Kinderbewahranstalt, Krankenpflegestation, Mädchenheim: Das Schloss hat seit seiner Errichtung Anfang des 18. Jahrhunderts bewegte Zeiten erlebt. Die nahe Zukunft soll nicht weniger spannend sein. Im Frühjahr 2015 haben Löw und Grimm die Zusage des Ordens bekommen: Sie dürfen ein Nutzungskonzept entwickeln, eine Zielgruppenanalyse durchführen. Bis 2017 soll das Leitbild stehen. Dann beginnt das nächste Kapitel der Oberzeller Franziskanerinnen, die das Schloss 1922 vom Grafen von Schönborn geschenkt bekamen. Dann wird eine erste Bilanz gezogen.

„Wir haben im letzten halben Jahr sehr viele wertvolle Erfahrungen gesammelt“, sagt der Theologe und Künstler Markus Grimm. Dutzende Veranstaltungen fanden statt, unter anderem ein Open-Air-Wochenende. Aus den Erlebnissen haben die Verantwortlichen ihre Schlüsse gezogen. Das Profil konnte geschärft werden, der Blick in die Zukunft ist klarer geworden.

Auf drei Modulen baut das Konzept auf: Workshops sollen durchgeführt werden, außerdem eigene Veranstaltungsreihen zu bestimmten Themen. Und dann sollen verschiedene Künstlergruppen beherbergt werden. „Idealerweise ist das Schloss in den kommenden Jahren durchgehend belegt von ganz unterschiedlichen Menschen“, sagt Grimm. Maler, Musiker, Schriftsteller und andere Kreative sollen dort proben und ausprobieren können. Im Idealfall gibt es Schnittstellen – treffen sich beispielsweise Literaten und Musiker – und geben gemeinsam öffentliche Auftritte. Der Bedarf ist auf jeden Fall da, versichert Grimm. Er erwartet in der Zukunft nationale und internationale Gäste in Schloss Kirchschönbach.

„Wir halten alles weiterhin sehr einfach.“
Herbert Löw über die Renovierungspläne

Schwester Margit freut sich auf diese Begegnungen. „Die Künstler sollen im Schloss kreativ sein dürfen“, sagt sie. Ein freies Schaffen ohne straffe Tagesordnung schwebt ihr vor. Zehn Übernachtungsplätze gibt es, eine Küche zur Selbstversorgung. Die örtliche Gastronomie soll einbezogen werden. Ohne Veränderungen am Status quo wird es aber nicht gehen. Erste Renovierungsarbeiten hat es schon gegeben. Die Toilettenanlage ist schon erneuert worden, bald wird auch der Büroraum für Tanja Haas fertiggestellt sein. Sie komplettiert das Team, wird sich um die Organisation der Veranstaltungen und Workshops kümmern.

Im Januar werden die Renovierungsarbeiten fortgesetzt. „Wir werden sehr feinfühlig mit dem Thema umgehen“, verspricht Löw. Die Substanz des Schlosses soll erhalten bleiben, Böden und Wände werden teilweise neu gestaltet, das Mobiliar umgestellt. „In den letzten Jahren war das hier ein funktionelles Haus“, erinnert Schwester Margit. „Jetzt soll es den Charakter eines Schlosses zurückerhalten. Luxus wird deshalb nicht in die Gemäuer einziehen. „Wir halten alles weiterhin sehr einfach.“

Anfragen für Familien- und andere private Feiern, die in den letzten Jahren mitunter im Schloss abgehalten wurden, werden vorerst abgesagt. „Wir können nicht alle Erwartungen erfüllen“, bedauert Löw. Ihm geht es darum, das beschlossene Profil zu schärfen. Ein Open-Air – in diesem Jahr trat unter anderem Reinhold Beckmann mit Band auf – soll es auch 2016 wieder geben, allerdings in kleinerem Rahmen. „Klein und fein passt einfach besser in unser Konzept“, erklärt Grimm. Auch das ist eine Lehre aus dem letzten Halbjahr. „Wir haben jetzt ein Gefühl für die richtige Richtung bekommen.“

Veranstaltungen mit Substanz wollen Löw und Grimm deshalb anbieten. Menschen ins Schloss bringen, die einen Sinn für die Lebendigkeit des Lebens haben, für Werte wie Kreativität, Offenheit, Ästhetik, aber auch Einfachheit. Zielgruppe sind nicht nur die Besucher von verschiedenen Veranstaltungen, zu denen auch klassische Konzerte im Kaminzimmer gehören können, sondern die Künstler selbst, die im Schloss in Ruhe und in einem kreativen Umfeld ihre eigenen Projekte entwickeln können. „Das Schloss wird kein Hotel“, verdeutlicht Grimm. „Sondern eine Begegnungsstätte.“

Für Schwester Margit ist das genau der richtige Ansatz, der dem Wirken ihres Ordens in keinster Weise widerspricht. „Das hier ist auch eine Art von Seelsorge“, sagt sie. Konzerte, Lesungen oder Theateraufführungen bewegen die Menschen in ihrer Seele. „Unser Orden bekommt so einen weiteren, neuen Zugang zur Gesellschaft.“

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