Das Landratsamt Aschaffenburg hatte von der Verurteilung wegen nicht abgeführter Sozialversicherungsbeiträge in der Firma des Jägers erfahren und ihm daraufhin die rote Karte gezeigt: Die Entscheidung - Jagdschein weg und Erlaubnis zum Besitz von Waffen und Munition widerrufen - war nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Würzburg juristisch korrekt, die Klage des Jägers ( "... die Jagd ist Teil meines Lebens") wurde als unbegründet abgewiesen.

Fehlende Chrakterfestigkeit


Nach dem Waffengesetz, so das Verwaltungsgericht, sei bei einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 20 Euro ohne Spielraum davon auszugehen, dass der Betroffene "waffenrechtlich unzuverlässig" ist. Dabei müsse die Straftat überhaupt nicht mit Waffen oder Munition in Zusammenhang stehen. Eine vorsätzliche Straftat allein lasse als "Missachtung der Rechtsordnung" bereits den Schluss zu, dass bei dem Jäger Defizite vorliegen und die Charakterfestigkeit fehlt, die beim Umgang mit Schusswaffen ständig zu fordern ist.

Die für den Jäger harte Entscheidung sei vom Waffengesetz vorgegeben: Es komme dabei auch überhaupt nicht darauf an, ob ein weiteres Fehlverhalten in Zukunft sehr wahrscheinlich sei. Dass der Kläger einen tadellosen Leumund hat, könne die waffenrechtliche Unzuverlässigkeit nicht ausräumen. Maßgebend sei die strafgerichtliche Verurteilung, auch wenn es sich um ein voraussichtlich einmaliges Fehlverhalten handelt. Von waffenrechtlicher Unzuverlässigkeit ausgehen bedeute nicht, dass dem Betroffenen generell Unzuverlässigkeit oder Charakterlosigkeit vorgeworfen werde.

Angeklagter jagt auch aus wirtschaftlichen Gründen


Die finanziellen Unregelmäßigkeiten beim Abführen von Arbeitsentgelt in 18 Fällen hatte der Kläger nicht bestritten, aber im Zusammenhang gesehen mit der Buchführung durch seine damalige Ehefrau und die familiäre Krisensituation, die er auch für den Untergang seiner Firma verantwortlich machte. Ebenfalls ohne Erfolg wies er darauf hin, dass er auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten am Jagdschein interessiert sei. Er handle nebenbei mit Wild und das sei für ihn wichtig, um nach Ehescheidung und beruflichem Neuanfang seiner Unterhaltsverpflichtung gegenüber den Kindern ordnungsgemäß weiter nachkommen zu können.

Sechs Jahre sei er alt gewesen, als der Vater ihn zum ersten Mal auf die Jagd mit nahm und bereits seit seinem 16. Lebensjahr habe er die Berechtigung zum Führen einer Waffe besessen.

Gegen den Kläger spreche, so das Gericht, dass er Arbeitsentgelt in beachtlicher Höhe vorenthalten und veruntreut hat. Das sei mehr als nur ein Bagatelldelikt, das auch nachträglich nicht in einem milderen Licht gesehen werden könne. Sinn und Zweck der waffen- und jagdrechtlichen Zuverlässigkeitsregelungen sei es, das mit jedem Waffenbesitz verbundene Sicherheitsrisiko für die Allgemeinheit möglichst gering zu halten und dieses nur bei Personen hinzunehmen, die nach ihrem Verhalten Vertrauen verdienen.

Selbst wenn die Ehefrau des Klägers im Zeitraum der Tatbegehung die Buchführung im Betrieb geführt haben sollte und wenn aufgrund der familiären Auseinandersetzungen Unregelmäßigkeiten vorgekommen sein sollten, entlaste dies den Kläger nicht, betonte das Gericht.