Wenn der Lieblingwein nicht in der gewohnten Menge verfügbar ist, dann bekommen die Weinliebhaber jetzt die Folgen der Frostnacht zum 4. Mai des vergangenen Jahres zu spüren. Punktuell hatte die Minustemperaturen knospende Reben erfrieren lassen und die Erntemengen der Winzer geschmälert. Anlass genug für die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) einen Schwerpunkt ihrer 54. Veitshöchheimer Weinbautage, die am 15. und 16. Februar in Volkach stattfanden, dem Thema „Frost und Weinbau“ zu widmen.

Zweifelsohne sind die Schäden im Weinbau aus dieser Nacht eine, wenn auch indirekte Folge des Klimawandels. Frostschäden hat es im fränkischen Weinbau schon immer gegeben. Erinnert sei an die Probleme der Jahre 1979 bis 1981 und auch 1985, als sowohl strenge Winterfröste und Spätfröste massive Ertragseinbußen zur Folge hatten, wie Ulrike Maaß von der LWG feststellte. Der Frosteinbruch im Mai 2011 zeige, dass die Gefährdung des Weinbaus durch Frostschäden kein Thema der Vergangenheit ist, auch wenn es ähnlich tiefe Temperaturen wie im Mai letztmals 1979 gegeben habe.

Die Auswertung langjähriger Messreihen zeigt aber ein anderes Phänomen: Die Gesamterwärmug steigt und besonders betroffen davon sind die Monate April bis Juni. Die Folge ist ein immer früherer Rebenaustrieb, mit einem Vegetationsvorsprung von mehr als 14 Tagen. Die Reben konnten also in einem sehr frostsensiblen Stadium „kalt erwischt“ werden.

Bezeichnend war dabei, dass verschiedene Lagen von den Schäden unterschiedlich betroffen waren. Das Beispiel Iphofen zeigt, dass die höheren Lagen weniger Einbußen zeigten, als die tiefer gelegenen. Auch an Steilhängen, die einen Luftabfluss beschleunigen, waren die Schäden geringer. Maaß geht davon aus, dass „gute“ Lagen in der Regel weniger von Frostereignissen betroffen werden. Zudem kann hier auch mit Rebsorten, die später austreiben, gegengesteuert werden.

Konkrete Vorkehrungen zur Vorbeugung gegen Spätfröste stellte Peter Schwappach vom Sachgebiet Rebschutz der LWG vor. Neben der oben bereits erwähnten Standort- und Sortenwahl empfiehlt der Fachmann den späten Rebenschnitt, das Stehenlassen einer Frostrute, kurz gehaltene Begrünung, um den Boden schneller zu erwärmen und keine Bodenbearbeitung im Frühjahr, um das Auskühlen zu verhindern.

Abzuwägen sei der Abschluss einer Frostversicherung: Bei Jahrestarifen von etwa 1000 Euro pro Hektar und einem Frosteinbruch alle 20 Jahre sei mit dem alternativ angelegten Geld auch die Neuanlage eines Weinbergs möglich. Überlegenswert sei eher ein Solidaritätsfonds.

Schutz vor Auskühlung könnten auch Schattenbäume bieten, um die Wärmeabgaben des Bodens zu vermindern. Erfolge damit werden aus Kalifornien gemeldet, wo Dattelpalmen Zitronenbäume schützen. Ob Schwappachs Vorschlag, die Zeder zum Weinbergsbaum des Jahres 2012 zu machen ernst gemeint war, wurde nicht ganz klar.

Effektiven Schutz bietet auch die Frostberegnung der Weinberge. Das Prinzip dabei: Beim Gefrieren des Wassers wird die Wärme freigesetzt, welche die Temperatur nahe dem Gefrierpunkt hält und somit die Pflanzen und Blüten schützt. Abhängig von der Art der Beregnung ist sie aber sehr wasserintensiv und braucht pro Hektar zwischen zehn und 400 Kubikmeter. Außerdem müsste für diese Vorgehensweise erst einmal die Infrastruktur geschaffen werden. Denkbar sei dieses Verfahren in den Beregnungsgebieten der Mainschleife. In eine ähnliche Richtung geht die vorbeugende Beregnung des Bodens – feuchter Boden speichert bis zu 30 Prozent mehr an Wärme als trockener.

Sehr aufwändig dagegen ist ein Verfahren, das noch aus den 70er Jahren bekannt ist: Der Weinberg wird etwa durch Olfässer eingeräuchert, um die Wärme unten zu halten. Neben dem hohen Aufwand ist heute auch die Frage nach dem Immissionsschutz zu stellen, die sicher negativ beantwortet wird.

Vernebeln könnte eine weitere Möglichkeit des Frostschutzes sein. Effektive „Nebelgranaten“ sind zwar vom Militär her bekannt, es stellt sich aber auch hier die Frage nach den Inhaltsstoffen. Getestet wird der Einsatz von Nebelmaschinen, wie sie aus Diskotheken bekannt sind. Allerdings sind auch hier die Kosten mit rund 2000 Euro pro Hektar, wenn neben der Anschaffung noch die Personal- und Betriebskosten eingerechnet werden, sehr hoch. Getestet und möglich sind auch Propangasheizungen, Heizdrähte, die um die Reben gewickelt werden und ähnliche Verfahren, die aber auch alle negative Seiten haben.

Sinnvoll kann der Einsatz von Hubschraubern sein, um die Luft im Frostfall zu verwirbeln und so die Temperatur nicht zu sehr sinken zu lassen. Die hohen Stundenkosten von etwa 1500 Euro relativieren sich durch den großen Einsatzbereich von 30 bis 50 Hektar pro Hubschrauber. Zu bedenken ist dabei die Lärm- und Lichtbelästigung der Anlieger. Luftverwirbelung kann auch durch Windräder erfolgreich erfolgen. „Der Wusch, damit Geld zu verdienen, bleibt aber Wunsch“, sagte Schwappach, da die Windräder mit einer Höhe von zehn bis 15 Meter keine nennenswerte Energieproduktion erreichen.

Schwappachs Fazit: Vorsorge vor Frostschäden ist sinnvoll und notwendig. Geforscht werden sollte an Verfahren, die für Franken sinnvoll sind und auch die Kosten und den Aufwand im Auge behalten.