Sechs Bildhauer aus ganz Europa sind seit einer Woche an der Mainlände in Dettelbach im Einsatz. Alle haben ein Ziel: Riesige Muschelkalk-Brocken mit Winkelschleifer, Hammer und Meißel in „Fluss“ bringen. „Panta rhei“ (Alles fließt) lautet das Thema des Internationalen Bildhauersymposiums.

Einer der Künstler ist die Schweizerin Nadja Iseli. Wir begleiten die 60-jährige Bildhauerin aus Luzern in den kommenden Wochen auf ihrem steinernen und schweißtreibenden Weg von der Urform des sieben Tonnen schweren fränkischen Muschelkalksteins hin zum filigranen Kunstwerk.

Dass in diesen Tagen die Sonne scheint, ist für Iseli erst einmal das Wichtigste. Zu Beginn ihrer Arbeit hatte sie wie ihre Bildhauerkollegen mit heftigem Regen und unangenehmer Kälte zu kämpfen. „Da macht das Arbeiten halt nicht so Spaß“, sagt sie. Seit sie sich ihren Quader in einem Steinbruch im südlichen Landkreis ausgesucht hat, herrscht in ihr eine große Spannung.

„Da begann in mir ein Prozess“, erzählt sie. In den ersten Tagen hat sie sich in den Stein „heftig eingefühlt“. Es entstanden konkrete Vorstellungen im Einklang mit Wasser und Fluss. „Ich habe großen Respekt vor dem Material und vor der Zeit, die der Stein schon existiert. Und ich selbst habe eigentlich wenig Zeit.“

„Ich befreie den Stein von seinen Unsicherheiten.“
Nadja Iseli, Schweizer Bildhauerin

Viel Staub musste die Künstlerin in den folgenden Tagen schlucken, als sie den Stein mit der „Flex“ schnitt und schliff. Reibungslos verliefen die ersten Tage nicht gerade. Nicht alle Steinschichten sind gleich hart.

„Da war so ein Buckel, den ich für mein Konzept nicht brauchen konnte, und es war eine Schicht, die sich bei Frost lösen würde“, schildert die Bildhauerin ihre Probleme. Also musste der Buckel weg, und auch die frostgefährdete Schicht. „Ich bin jetzt in einer schwierigen Phase“, so Iseli.

Ihre geplante Endform hat sie mittlerweile definiert und auf dem Stein aufgezeichnet. Doch immer wieder serviert ihr der Muschelkalk Überraschungen. „Heute habe ich festgestellt, dass ich mit der Oberfläche noch weiter in die Tiefe gehen muss. Da ist noch eine Schicht, die weg muss.“ Mit Wasser abgespritzt, tauchen die Linien im Stein exakt auf. „Ich befreie den Stein von seinen Unsicherheiten.“

Auf sicherem Fundament fließen bereits die Wellen, die Iseli großflächig in den Stein geschlagen hat. Sie zeigen schon heute die Geschichte, die die gebürtige Züricherin mit dem Stein verbindet.

Bis sie ihr Ziel erreicht hat, wird sie weiter täglich bis zu acht Stunden hämmern und polieren – vier Wochen lang.