Wenn sich eine Königin etwas wünscht, geht es in Erfüllung: Im Märchen schon, im wirklichen Leben nicht immer. „Ich hatte heuer nur einen Tag Zeit, bei der Weinlese zu helfen“, sagt Christin Ungemach – und macht eine Handbewegung, als müsste sie sich eine Träne aus dem Gesicht wischen. „Ich vermisse das, es ist mein Beruf. Und es ist die schönste Arbeit des Jahres.“

Dass die Natur launisch sein kann, bekamen die Fränkische Weinkönigin und der Autor dieses Beitrags zu spüren: Der anvisierte Lesetermin in Volkach, beim Weingut Max Müller, fiel im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser – da hilft leider auch die schönste Planung nichts.

Tja, der Regen: Im September hat er die Aussicht auf einen absoluten Spitzenjahrgang hinweggespült. „Die wichtigen Rebsorten haben es aber ganz gut überstanden“, findet Christin. „Die Menge passt, die Weine werden vielleicht nicht herausragend, aber guter Durchschnitt.“ Die 22-Jährige hält ohnehin nichts davon, ein Drama aus dem Wetterpech zu machen. „Es ist oft gar kein Fehler, wenn die Weine durch die fehlende Sonne etwas weniger Alkohol haben.“

Die Lese der familieneigenen drei Hektar ist längst beendet, jetzt gibt es für die Weinkönigin im Keller einiges zu tun. „Was mir in diesem Jahr richtig gut gefallen hat, waren die Spaziergänge im Weinberg mit meiner Mutter und Opa Roman. Jeder hat seine Sicht der Dinge eingebracht, wann wo was gelesen werden sollte – und letztlich sind alle drei Generationen auf einen gemeinsamen Nenner gekommen.“

Fest steht, dass es diesmal keinen Nachfolger für Christins Krönungswein (vinum ferum) geben wird, den sie ganz nach ihren Vorstellungen ausgebaut hatte. „Erstens ist es eine Zeitfrage. Und hinzu kommt das Risiko bei der Spontangärung – wenn da etwas schief ginge, würde es für unseren Betrieb einen nennenswerten Verlust bedeuten.“

Kein allzu schmerzlicher Verlust war für Christin das verpasste Finale bei der Wahl zur Deutschen Weinkönigin – schließlich war sie als Jurymitglied beim Sieg von Janina Huhn (24) aus der Pfalz mitten im Geschehen. „Es hat mich gefreut, dass Janina gewonnen hat. Es waren richtig schwere Fragen, und sie war überzeugend.“ Wann sich Christin und ihre Freundin aus Bad Dürkheim wieder sehen, ist noch ungewiss. „Ich konnte ihr ja nicht mal richtig gratulieren, Janina war total umlagert. Und natürlich wird sie jetzt stark in Beschlag genommen.“

Das Finale sei wie eine Show aufgezogen worden und ziemlich spannend gewesen. „Es gab einen Film über den Riesling, in den drei Fehler eingebaut waren. Oder die Kandidatinnen mussten vier schwierige Begriffe in eine Rede von 60 Sekunden einbauen: Hut ab, wie sie das gelöst haben“, fand Christin.

Cool fand die Fränkische Weinkönigin den Saison-Auftakt der Würzburg Baskets in der s.Oliver-Arena. „In der Schule war Basketball mein Lieblingsfach, ich habe es als Grundkurs gewählt. Die Handzeichen der Schiedsrichter haben mich voll an die Schulzeit erinnert.“

Normalerweise wird Christin oft verwöhnt – neulich bei TV-Touring stand sie am Herd, hat gekocht. „Das Rinderfilet war rosa, genau richtig“, strahlte die 22-Jährige. Gesendet werden soll der Beitrag am 1. November ab 19 Uhr.