Kitzingen

CSU will mit Timo Markert Landrätin Bischof herausfordern

Mit dem designierten Landratskandidaten für die Wahl 2020 setzt die CSU im Landkreis Kitzingen auf einen weitgehend unbeleckten Quereinsteiger. Wer ist Timo Markert?
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Der Repperndorfer Unternehmer Timo Markert (42) will Landratskandidat der CSU im Landkreis Kitzingen werden.

Foto: Andreas Brachs

Es ist eine doppelte Überraschung: Erstens stellt die CSU nach 20 Jahren der Abstinenz wieder einen Landratskandidaten. Zweitens kommt er nicht aus dem Kreis der möglichen Favoriten. Für beides ist Kreisvorsitzende Barbara Becker (MdL) maßgeblich verantwortlich. Timo Markert, selbstständiger Unternehmer aus Repperndorf, will Landrätin Tamara Bischof (Freie Wähler) herausfordern. Am Freitag, 25. Oktober, soll er ab 19 Uhr im Stadtteilzentrum Kitzingen-Siedlung in einer Kreis-Versammlung der CSU nominiert werden.

Becker: Die CSU ist wieder auf dem Markt

Im Gespräch mit der Landtagsabgeordneten Becker und dem designierten Landratskandidaten Markert erklären beide den Weg bis zur Kandidatenkür. Für Becker ist klar: Die CSU müsse wieder einen Kandidaten stellen und zeigen, dass sie "auf dem Markt" sei. Dazu hat eine Landratskandidaten-Findungskommission getagt, der neben der Kreisvorsitzenden Becker die weiteren Vorstandsmitglieder Tibor Brumme, Marcel Hannweber, Bent Hanel, Isabell Strohofer, Geschäftsführerin Gerlinde Martin, JU-Vorsitzende Sabrina Stemplowski, Senioren-Union-Vorsitzender Otto Hünnerkopf und Dettelsbachs Ex-Bürgermeister Reinhold Kuhn angehören.

Nachdem die CSU bei den Mandaten in Bundestag, Landtag und Bezirkstag mit Frauen vertreten ist, soll diesmal ein männlicher Kandidat den Gegenpol zur Landrätin bilden, erklärt Becker. Wichtig sei ein Kandidat aus dem Landkreis, mit dem sich auch die "kleinen Leute" identifizieren könnten. Als Hauptthema hat die CSU-Kommission das Thema "Wirtschaft" auserkoren. Auch damit stellt der Dackdeckermeister, der einen eigenen Betrieb leitet, eine Alternative zur Juristin Bischof dar. Ein "Ähnlichkeitsprinzip" wäre "für die Leute eher langweilig" gewesen, erklärt Becker, warum die CSU-Spitze nicht auch auf einen Juristen oder einen Verwaltungsfachmann setzt.

Es habe intern durchaus andere Bewerber gegeben, sagt die Kreisvorsitzende, aber am Ende habe sich die Kommission auf den 42-jährigen Markert geeinigt und ihn gefragt, ob er kandidieren wolle. Und das, obwohl Markert erst seit 2015 CSU-Mitglied ist, nur Schatzmeister des Ortsverbands Kitzingen ist und ansonsten weder Ehrenämter bekleidet noch je ein Mandat errungen hat.

"Normalbürger, wie Handwerker, bekommen selten die Chance, so einen Posten zu bekleiden."
Timo Markert, designierter CSU-Landratskandidat

Becker stellt auf Nachfrage klar, dass die Wahl am 15. März 2020 kein Warmlaufen für die Wahl im Jahr 2026 sein soll. Zu diesem Zeitpunkt könnte Bischof möglicherweise ihre Karriere beenden. Dass sich ein CSU-Kandidat also jetzt bekannt macht, um es 2026 in einem zweiten Anlauf auf den Landratssessel zu schaffen, habe in der Kommission keine Rolle gespielt. Die CSU stelle 2020 "keinen Zählkandidaten aus taktischen Überlegungen" auf, sondern "eine echte Alternative", betont Becker. Deshalb werde es auch keine Basiswahl über mehrere Kandidaten geben, sondern eine Nominierungsversammlung, in der die CSU-Spitze mit Markert ihren Favoriten vorschlägt.

Und wie sieht Markert seine fehlende Verwaltungserfahrung? Er habe als Firmenchef viel mit Behörden zu tun, sagt er einerseits. Andererseits sieht er einen besonderen Reiz darin, als "Unbefleckter" quer zu denken und Dinge aus unternehmerischer Sicht zu bewerten. Als die CSU ihn um die Kandidatur gebeten habe, sei sein erster Impuls gewesen: "Super!" Allerdings habe er erst mit seiner Familie und seinen Betriebsangehörigen über die Kandidatur beraten. Der Betrieb könne auch ohne ihn weiterlaufen, ist Markert überzeugt. Und mit Blick auf die Zukunft seiner drei Kinder und aller Familien im Landkreis glaubt er, dass er im "politischen Apparat Spuren hinterlassen" könne.

Markert stellt Familie in den Mittelpunkt

Die Herausforderung seiner Kandidatur sieht er so: "Normalbürger, wie Handwerker, bekommen selten die Chance, so einen Posten zu bekleiden." Oft seien Beamte oder Akademiker wie Juristen Landräte. Der Dachdecker-Meister möchte zeigen: "Du kannst auch etwas erreichen, wenn du diesen Weg gegangen bist." Markert selbst sieht sich als Organisations- und Verwaltungstalent. Deswegen habe er auch keine Angst davor, sich der anspruchsvollen Doppelaufgabe als Leiter einer staatlichen und kommunalen Verwaltung zu stellen.

Markerts Themen stellt er im Kurzdurchgang vor: Die Familie beziehungsweise der Lebensmittelpunkt im Landkreis stehen für ihn an erster Stelle. Als passionierter Jäger sieht er sich auch als "aktiver Umweltschützer".

Themen des designierten Kandidaten

Die Bildung und die Wirtschaft möchte Markert stärken. Beides, räumt er ein, habe im Landkreis bereits ein hohes Niveau. Der designierte Kandidat würde aber als Landrat gern eine Koordinierungsrolle einnehmen. Bei Themen wie Schwimmbädern, Tierheim oder Gewerbegebieten wünscht sich Markert unabhängig von Zuständigkeiten mehr Zusammenarbeit über die Gemeindegrenzen hinweg.  

Er kann sich auch vorstellen, Teile einer Universität oder Fachhochschule in den Landkreis zu holen. Ebenso solle Klimaforschung in derjenigen Region betrieben werden, die stark vom Klimawandel betroffen ist. Mehr Start-up-Unternehmen sind dem Firmenchef ebenso ein Anliegen wie ein flächendeckendes Internet- und Handynetz im Landkreis. 

Lesen Sie den Kommentar zur Landratskandidaten-Kür.

Timo Markert
Der designierte Landratskandidat der CSU ist am 9. September 1977 in Dettelbach geboren und in den Kitzinger Stadtteilen Etwashausen und Siedlung aufgewachsen. Nach der Mittleren Reife, die er auf dem zweiten Bildungsweg absolvierte, lernte Markert den Beruf des Dachdeckers, machte seine Meisterprüfung und schloss eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann an.
Seit 2007 ist der Handwerker mit der Firma Timo Markert Dach- und Holzbau in Albertshofen selbstständig. 
Seit 2011 ist er verheiratet mit seiner Frau Nina, geborene Hemmerlein aus Großlangheim. Gemeinsam hat das Paar drei Kinder im Alter von drei bis acht Jahren. 
Der 42-Jährige war Handballer in mehreren Sportvereinen im Landkreis, ist Cross-Country- und Triathlon-Läufer. Markert ist passionierter Jäger.

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