Kitzingen

CSU-Landratskandidat: Markert möchte das "Flaggschiff" steuern

93 Prozent der Stimmen – mit dieser Rückendeckung der CSU fordert Timo Markert die Kitzinger Landrätin Tamara Bischof heraus. Er setzt auf einen Trumpf.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die wohl schönste Gratulation zu seiner Wahl als CSU-Landratskandidat nahm Timo Markert von seiner Frau Nina entgegen – in Form eines Kusses. Foto: Michael Mößlein
+3 Bilder

Einen Monat, nachdem die Freien Wähler Landrätin Tamara Bischof (56)  erneut ins Rennen geschickt hatten,  um ihr Amt bei der Kommunalwahl im März 2020 zu verteidigen, hat die CSU am Freitagabend nachgezogen. 80 von 86 stimmberechtigten Kreisdelegierten im Kitzinger Stadtteilzentrum Siedlung schenkten Timo Markert aus Repperndorf das Vertrauen, Bischof als Landratskandidat herauszufordern und – das wäre der Traum der CSU – dieser eine vierte Amtszeit zu vermasseln.

Dass der Weg ins Landratsamt ein steiniger wird, dürfte allen klar sein, und das spricht der 42-jährige Markert in seiner Bewerbungsrede offen an. Sein Wunsch, die Delegierten mögen ihm mit möglichst vielen Stimmen den Rücken hierfür stärken, wurde ihm zumindest schon mal erfüllt. 93 Prozent Unterstützer – das ist für gegenwärtige CSU-Verhältnisse ein persönlicher Erfolg für Markert.

Markert stellt sich als erfolgreicher Unternehmer vor

Er präsentiert sich an diesem Abend hoch motiviert. "Ich bin bereit, meine ganze Kraft einzusetzen", sagt er. Er legt merklich Wert darauf, sich als erfolgreicher Unternehmer darzustellen, der seinen Dachdecker- und Zimmereibetrieb "von null auf hundert" gebracht hat. "Ich muss mich vor niemandem in der Region verstecken", behauptet er selbstsicher.

Mehrmals erweckt der Kandidat den Eindruck, das Landratsamt wie ein florierendes Unternehmen führen zu wollen, in dem er als Chef den Rahmen setzt und auf das Können seiner Mitarbeiter vertraut, diese aber kontrolliert. "Ich bin kein Jurist", sagt Markert – doch als Unternehmer wisse er durchaus, wie er einen Laden am Laufen hält.

Sein politisches Programm für den Landkreis, das er umreißt, bewegt sich zunächst auf weiten Feldern, mit wenig konkreten Ansätzen: Arbeitsplätze, Wirtschaft, Natur – solche Schlagworte kommen recht beliebig daher und sind in vielen Wahlprogrammen zu finden. Auch für Markerts Ansatz, er könne sein Programm in zwei Worte fassen: "Heimat und Zukunft" gibt's keinen Beifallssturm.

Der Kandidat möchte Zusammenarbeit der Kommunen fördern

Mehr Applaus findet Markerts tiefer gehender Blick auf den Landkreis, der zugleich das größte Problem, mit dem er zu kämpfen hat, offenbart: "Die Pflichtaufgaben sind erfüllt." Doch mit einem (nur) gut bestellten Feld möchte er sich nicht zufriedengeben. Er sieht Herausforderungen auf die Region zukommen (Stichwort: drohender Rückgang der Wirtschaft) und fordert mehr Alleinstellungsmerkmale für den Landkreis, der zwar vieles gut mache, aber nirgends wirklich an der Spitze stehe. Doch genau dort sieht er den Landkreis. Er möchte diesen zum "Flaggschiff Nordbayerns" machen. Hierzu möchte Markert die Zusammenarbeit der Kommunen fördern. Oder: den Naturpark Steigerwald besser vermarkten, so, dass Naturschutz und Ökonomie im Einklang sind. Zudem möchte er Dorfläden und Grundschulen erhalten. – Doch auch hier drängt sich die Frage auf: Wer möchte das nicht?

Ein persönliches Markenzeichen setzt Markert dann noch mit einem Appell: Seine Parteikollegen sollen nicht von "Wahlkampf" sprechen. "Ich muss und möchte Frau Bischof nicht bekämpfen", stellt Markert fest.

Vor Markerts Rede hatte CSU-Kreisvorsitzende Barbara Becker die Entscheidung der Partei, nach 20 Jahren wieder einen Landratskandidaten aufzustellen, folgendermaßen erklärt: "Als letzte verbliebene Volkspartei erheben wir Anspruch auf dieses Amt." Auf Markert sei eine Findungskommission deshalb gestoßen, weil dieser das vorgegebene Anforderungsprofil bestens erfüllt habe. Markert sei lebenserfahren, standfest in wirtschaftlichen Herausforderungen, zeige Teamgeist und sei in der Lage, einen neuen Geist ins Landratsamt zu bringen.

Zudem hat Markert den Bonus, ein Mann zu sein – nicht allein, um sich von Landrätin Bischof abzusetzen. Auch innerhalb des Wahlkreises sind die höchsten Mandatsträger der CSU allesamt weiblich: Anja Weisgerber als Bundestagsabgeordnete, Barbara Becker im Landtag und Gerlinde Martin als Bezirksrätin. "Eine 25-prozentige Männerquote sollten wir uns gönnen", sagte die CSU-Kreisvorsitzende.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren