Kitzingen
Tourismus

Bunte Überraschung in der Kitzinger Kälte

Bei eisigen Temperaturen eröffnet "Hofrat" Jürgen Reitmeier die Saison. Gegen die Kälte gibt es österliche Überraschungen, frühlingshafte Musik und zwei Einladungen: Eine aufs Schiff und die zur Gegendemonstration.
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Weinprinzessin Mona I .aus Neuses am Berg verteilt bunte Ostereier.
Weinprinzessin Mona I .aus Neuses am Berg verteilt bunte Ostereier.
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"Wo ist der Bahnhof, bitte?" Elfi und Harry Schruers waren ja eigentlich aus Essen angereist, um Freunde in Wiesentheid zu besuchen. Dass sie als die zwei ersten Touristen nach der offiziellen Eröffnung der Saisonauf dem Kitzinger Marktplatz gezählt wurden, reichte ihnen aber offenbar nicht. Als Oberbürgermeister Siegfried Müller alle Bürger einlud, sich den aufmarschierenden Neonazis in den Weg zu stellen, waren sie gleich Feuer und Flamme - ein bisschen Wärme konnte bei eisigen Temperaturen, sowohl in Gedanken als auch durch ein paar Schritte in Richtung Bahnhof erzeugt, nicht schaden.
Viele Kitzinger und eben die ersten Touristen hatten die bittere Kälte nämlich nicht gescheut und waren am Ostersamstag auf den Marktplatz gekommen. Der Kolping Musikkorps spielte unverdrossen ein Stück nach dem anderen, als wäre es schon Frühling und viel wärmer. Die Fränkische Trachten-Tanzgruppe hatte noch mit der Grippewelle Probleme gehabt. Zu viele weibliche Ausfälle verhinderten die Aufführung ihrer beliebten Volkstänze. Nur eine kleine Gruppe hatte sich versammeln können und bildete mit ihren Trachten einen bunt-historischen Rahmen.

Drei Damen im Hofstaat

"Hofrat" Jürgen Reitmeier begleitete den Hofstaat zur Eröffnung der Tourismussaison und vertrat damit den verhinderten Walter Vierrether. 18 Hoheiten waren erschienen. Darunter viele Weinprinzessinnen und Gärtnerköniginnen, die Zuckerfee Sophia Holtze aus Ochsenfurt und die Fränkische Spargelkönigin Theresa Sterk. Die hatte noch Verstärkung mitgebracht. "Großlangheim ist am stärksten vertreten", rief die ehemalige Weinprinzessin Esther Schenk bei der Vorstellung ins Mikrofon - sie hatte auch noch ihre Nachfolgerin Lena I. im Gepäck.
Von der Stadt Kitzingen bekamen die Hoheiten bunte Osterkuchen zur Stärkung. Später verteilten sie selbst österliche Eier, mal bunt und hartgekocht, mal aus Schokolade unter das Publikum. Kinder und Erwachsene griffen freudig zu.
Die Referentin für Tourismus, Stadträtin Jutta Wallrapp, hielt die Eröffnungsrede. Unter den zahlreichen Veranstaltungen, die auch dieses Jahr wieder die Stadt Kitzingen attraktiver gestalten sollen, gab es zwei Wettbewerbe, zu denen Jutta Wallrapp alle Bürger und Bürgerinnen aufrief, besonders zahlreich mitzuwirken.
"Jeder, der einen Blumentopf halten kann, soll ihn aufstellen", wünschte sie sich. Am 10. Juli kommt schließlich die Jury für den Bundeswettbewerb "Entente Florale" nach Kitzingen. Bis dahin hofft Jutta Wallrapp, dass die ganze Stadt bis in den verstecktesten Winkel "aufgeblüht" sein wird. Nach dem Erfolg der Gartenschau, sollen die Kitzinger wieder beweisen, wie gerne sie dem Motto "reiche Blüte, reiche Ernte" folgen und wie kreativ sie ihre Stadt schmücken können.

Viele Termine

Zuvor, am 16. Juni, sind alle eingeladen, Kitzingen ins Guinessbuch der Rekorde zu bringen. Bei der größten und hoffentlich auch lustigsten Weinprobe soll der bestehende Weltrekord übertroffen werden. Dazu sind "nur" 5000 Leute notwendig. Unten am Mainufer ist Platz genug vorhanden, also: jeder ist willkommen und wird gezählt.
Eigentlich sprach Jutta Wallrapp ein sehr gutes Deutsch mit koketter fränkischer Einfärbung, aber, als sie ein Anliegen vorbrachte, das ihr sehr am Herzen lag, tauchte sie voll ins Fränkische ein. Dabei ging es um die Sauberkeit der Straßen. Nicht nur auf Papierfetzen und Zigarettenstummel wies sie hin, sondern insbesondere der Hundekot entsetzte ihr Gemüt: "Schuld sind nit die Hündli, sondern die, die ihre Leine halten!" Der Applaus kam zögernd, aber dann um so rauschender.
Oberbürgermeister Siegfried Müller hatte in seiner Begrüßungsrede alle Anwesenden aufgefordert, die angekündigte Versammlung der Neonazis zu boykottieren. "Zeigen Sie Flagge", forderte er, "kommen sie alle zum Bahnhof, um zu zeigen, dass wir mit solchen Leuten nichts am Hut haben."
Während die Kolping Kapelle noch spielte, bewegten sich die einen also in Richtung Bahnhof, die anderen begleiteten den stellvertretenden Hofrat, seinen Staat, den Oberbürgermeister und die Tourismusreferentin hinunter ans Mainufer, um die "Neptun" zu begrüßen. Das Passagierschiff wird nun Woche für Woche in Kitzingen vor Anker gehen. Die ganze Saison über lädt es ein, den Main und seine Umgebung aus einer neuen Perspektive zu erleben. Und vielleicht auch mal einen ganz anderen Sonntagsbrunch zu genießen.



Mehr Fotos von der Eröffnung der Tourismussaison finden Sie unter www.infranken.de


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