CASTELL

Bürgerwehr drehte eine Ehrenrunde

Bürgerhauptmann Volker Hartmann konnte nur staunen. Er hatte sich bereits hingestellt, um seine rund 80 Mann starke Wehr zur traditionell letzten der drei Dienstags-Stationen an der Kirche antreten zu lassen.
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Hoch lebe die Casteller Kirchweih: Die Bürgerwehr hebt den Zylinder an der Johanneskirche, die in diesem Jahr 225. Geburtstag feiert. Foto: Foto: Andreas Stöckinger

Bürgerhauptmann Volker Hartmann konnte nur staunen. Er hatte sich bereits hingestellt, um seine rund 80 Mann starke Wehr zur traditionell letzten der drei Dienstags-Stationen an der Kirche antreten zu lassen.

Doch die von ihm befehligten Herren blieben nicht, wie üblich, nach der ersten Runde um die Kirche stehen. Nein, sie drehten noch eine weitere um das Gotteshaus und stellten sich dann erst auf, um den Worten von Dekan Günther Klöss-Schuster zu lauschen.

Vielleicht wollten die Männer in Schwarz dem Gotteshaus besonders huldigen, indem sie eine „Ehrenrunde“ um die Johanneskirche drehten. Schließlich wurde dieses Jahr das Fest der Weihe zum 225. Mal begangen, worauf zuvor bereits Bürgermeister Jochen Kramer am Rathaus, wie auch Ferdinand Erbgraf zu Castell-Castell im Schlosshof bei ihrer kurzen Ansprache eingegangen waren.

„Es ist immer wieder faszinierend, welchen Stellenwert die Kirchweih gerade bei der Jugend hat.“
Castells Bürgermeister Jochen Kramer

Die Kirche gehöre, wie auch der Bürgerauszug, zum Dorf, hob Bürgermeister Kramer bei seinen Worten vor dem Rathaus hervor. Am Platz davor hatten sich die Männer in Frack und Zylinder zuerst versammelt. Das Ortsoberhaupt freute sich, dass die Tradition der Kirchweih bei der Jugend nach wie vor so beliebt sei. Das zeige sich schon darin, dass die Kirchweihburschen erst vor einigen Monaten sogar einen eigenen Verein gegründet hatten.

„Es ist immer wieder faszinierend, welchen Stellenwert die Kirchweih gerade bei der Jugend hat“, sagte der Bürgermeister. Man solle sich dessen bewusst sein, dass Tradition und Brauchtum eben viel mit Kirche zu tun habe, gab er weiter. Später ehrte Kramer wieder einige treue Teilnehmer am Auszug. So ist Erhard Heilmann bereits seit 30 Jahren mit dabei, Johannes Gegner und Harald Grasser machen seit 20 Jahren mit, Philipp Baumann, Dominik Heilmann und Udo Kirchner erhielten eine Plakette für zehn Jahre.

Vom Rathaus zogen die Männer weiter zum fürstlichen Schloss. „Ein stolzer Anblick“ sei es jedes Jahr, die Herren in Frack und Zylinder im Schlosshof zu sehen, begrüßte sie Erbgraf Ferdinand freudig. Im Vorjahr, als die Bürgerwehr ihr 200jähriges Jubiläum beging, habe manche auswärtiger Gast gerade die Disziplin der Wehr gelobt. Der Erbgraf ließ die Kirchweih und den Ort Hoch leben, und reihte sich in den Zug ein, der von dort zur Kirche führte.

Hoch oben über dem Ort empfing ein kühles Lüftchen die Gruppe, wie auch die zahlreichen Zuschauer. Dekan Klöss-Schuster lobte die Bürgerwehr, dass sie zum Festgottesdienst am Sonntag so zahlreich erschienen war. „Ein wunderschöner Festtag“, sei der Sonntag gewesen. Die „Kirch-Weihe“ sei ein Tag des Dankes. Eben wegen der Kirche werde gefeiert, rief der Dekan den Zuhörern ins Gedächtnis.

Beim Umzug am Sonntag habe er sich über die beiden neuen Klingelbeutel samt Inhalt sehr gefreut, welche ihn die Kirchweihburschen dort als Geschenk überreicht hatten. Immerhin habe die spontane Sammlung am Sonntagmittag 343 Euro erbracht – „das war mehr als die Kollekte am Morgen in der Kirche“, so der Dekan. Er überreichte dem jüngsten und dem ältesten Teilnehmer beim Bürgerauszug einen der extra zum Kirchenjubiläum erstellten Bocksbeutel.

Dass die Bürgerwehr auch singen kann, bewies sie im Anschluss. Dekan Klöss-Schuster stimmte das „Nun danket alle Gott“ an, bevor es ans eigentliche Werk ging. Das traditionelle Schießen fand im Anschluss wieder auf dem Gelände der ehemaligen Kegelbahn des Gasthauses Grüner Baum statt.

Mit dem Schlosstanz und dem abendlichen Einzug der Bürgerwehr samt Preisverteilung endete schließlich die Casteller Kirchweih.

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