Wiesentheid

Bürgerblock will Freizeitgebiet statt Salatzucht

Mit einem Antrag versucht die Fraktion, die Planungshoheit über die Grundstücke für eine Salatzuchtanlage zurückzubekommen. Am Ende könnte das die Gerichte beschäftigen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Entsteht in Wiesentheid ein "S0ndergebiet Sport- und Freizeiraum" auf den Flächen oberhalb der Straße nach Untersambach, einschließlich des Sportzentrums? Foto: Andreas Stöckinger
+1 Bild

Mit ihrer Initiative versucht die Ratsfraktion Bürgerblock eine Salatzucht-Anlage in Wiesentheid zu verhindern. Ihr Antrag mit dem Titel "Vorbereitung eines Bebauungsplanes mit Veränderungssperre für das Gebiet östlich der B 286 Richtung Untersambach" fand eine Mehrheit im Marktgemeinderat. In dem sieben Flurnummern umfassenden Gebiet, für das eine zweijährige Veränderungssperre beantragt ist, befindet sich auch das zuerst für den Bau einer niederländischen Salatzucht anvisierte Grundstück. Damit ist das Ziel des politischen Vorstoßes klar.  

Die Abstimmung über den Antrag erfolgte im öffentlichen Teil der Sitzung. Über das Internet gab der Bürgerblock bekannt, dass der Antrag mehrheitlich angenommen wurde. Zuvor hatte Fraktionssprecher Michael Rückel erläutert, dass der Bürgerblock dort ein "Sondergebiet Sport- und Freizeitraum" schaffen wollen. Der Grund für diesen Schritt wurde wie folgt benannt: "Damit soll der Markt Wiesentheid seiner Planungshoheit in der Bauleitplanung nachkommen." Konkret bedeutet das: Der Marktgemeinderat soll über die künftigen Nutzungsmöglichkeiten für die genannten Grundstücke entscheiden dürfen.

Bei einer Nachfrage dazu führte Rückel aus, dass man sich von fachlicher Seite habe beraten lassen, "was gegen das Projekt möglich sei, sollte die landwirtschaftliche Privilegierung des Vorhabens bestehen". Eine solche Privilegierung liegt für die Salatzucht-Anlage vor, was es grundsätzlich leichter machen würde, sie zu verwirklichen. "Positiv formuliert, wollen wir unseren Gestaltungsspielraum ausnutzen. Wir als Gemeinde sollten und wollen uns das nicht aus der Hand nehmen lassen", erklärte Rückel.

Veränderungssperre für zwei Jahre

Beim Landratsamt und bei anderen Stellen habe man sich informiert. Die Gemeinde könne ihre Planungshoheit ausnutzen, habe es geheißen. Zudem wurde geraten, ein Fachbüro einzuschalten. Nun ist der Antrag gestellt, dass ein Fachbüro einen Bebauungsplan vorbereiten soll. Wenn ein Bebauungsplan auf dem Weg ist, besteht für die betroffenen Flächen eine Veränderungssperre, was bedeutet, dass dann für 24 Monate dort nichts gebaut werden dürfe, führte Rückel aus.

Das Ansinnen seiner Fraktion sei, dem Bauwerber der Salatzucht zu zeigen, dass man das Projekt in Wiesentheid verhindern wolle. Es solle später nicht heißen, "wir hätten nicht alles dagegen probiert". Der Bürgerblock hatte bei einer mehrtägigen Aktion bereits über 1100 Unterschriften von Bürgern gesammelt, die sich gegen die Salatzucht in Wiesentheid eintrugen.

Bürgermeister bremst Bürgerblock

Bürgermeister Werner Knaier (CSU), der selbst Jurist ist, bremst die Initiatoren ein wenig. Er werde sich beim Bayerischen Gemeindetag als objektivem Gremium Rat holen. Zudem warte er noch auf eine Stellungnahme vom Amt für Landwirtschaft. "Wir können doch nicht einfach sagen, wir machen dort einen Bebauungsplan. Das sind 17 Hektar Fläche! Man muss ja dort etwas entwickeln", wand das Ortsoberhaupt ein. Auch das Landratsamt habe in einem Schreiben deutlich gemacht, dass sich die Gemeinde erst einig sein müsse, was sie auf dem "Sondergebiet Sport- und Freizeitraum" haben wolle. Die Gemeinde werde sich deshalb beim Planer Vorschläge einholen, was dieser sich auf dem Sondergebiet vorstellen könne.

Eine Veränderungssperre, erklärte Knaier, setze einen Bebauungsplan voraus. Bei einem Plan müsse die Gemeinde schon konkret wissen, was sie auf den Flächen stattdessen vorhabe.  Man könne nicht einfach sagen, "wir planen jetzt ein bisschen – und dann haben die holländischen Investoren keine Lust mehr, dort zu bauen", kritisierte der Bürgermeister das Ansinnen des Bürgerblocks.

Schadenersatzforderungen stehen im Raum

Schließlich müsse man sich auch gerichtlich absichern, warnte der Jurist. Die holländischen Interessenten hätten einiges Geld für Voruntersuchungen ausgegeben. Sollte sich das Projekt zerschlagen, könnten auf die Gemeinde schnell Forderungen wegen Schadensersatz zukommen, gab er zu bedenken. Das Thema werde den Gemeinderat noch einige Zeit beschäftigen, vermutete Bürgermeister Knaier.  

Wie berichtet, hegt das holländische Unternehmen Delissen Absichten, eine Salatzucht in Wiesentheid zu errichten. Dazu wurde eine Fläche von insgesamt 17 Hektar ins Auge gefasst, die dem Haus Schönborn gehört. Ein Antrag dazu liegt vor; die Betreiber stellten das Projekt im März bei einer Infoveranstaltung vor Ort vor.

Das Großprojekt besteht laut Plan aus zwei Gewächshäusern mit einer Größe von 304 mal 180 Metern, beziehungsweise 220 mal 190 Metern. In der Mitte ist ein Verladebereich mit 230 mal 45 Metern eingezeichnet. Dazu entstünden zwei Wärmespeicher mit 43 Metern Durchmesser und einer sichtbaren Höhe von 16 Metern.

Zunächst war dafür eine Fläche im Osten Wiesentheids, in Richtung Abtswind/Untersambach, anvisiert. Dieser wurde klar vom Gemeinderat abgelehnt. Auch wegen weiterer Bedenken dort brachte das Haus Schönborn eine weitere Fläche als Alternative ins Spiel. Sie befindet sich im Westen Wiesentheids, direkt neben der Gärtnerei Lang. Dort verläuft aber eine der möglichen Trassen der für den Ort ins Auge gefassten Umgehungsstraße.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.