Kitzingen
Stadtplanung

Bürger haben gute Ideen fürs Bahnhofsumfeld

Wie soll der neue Kitzinger Bahnhofsvorplatz aussehen? Schon lange bereitet diese Frage der Stadt Sorgen. Interessierte Bürger konnten sich am Freitag dazu äußern und selbst Ideen einbringen.
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Die Kitzinger schauen sich ein Modell aus der Vogelperspektive an und diskutieren.  Fotos: Thomas Feiler
Die Kitzinger schauen sich ein Modell aus der Vogelperspektive an und diskutieren. Fotos: Thomas Feiler
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Etwa 40 Menschen, darunter Oberbürgermeister Siegfried Müller (UsW), Stadträte, einige Planungsexperten und viele interessierte Bürger trafen sich am Freitagabend in der Alten Synagoge. Grund dafür: Ein Bürgerdialog für die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes. "Dieses Treffen ist ein weiterer Schritt in Richtung Bürgerbeteiligung", findet Oberbürgermeister Siegfried Müller, "außerdem ist sehr wichtig für die Weiterentwicklung unserer Stadt."

Die Vorschläge, die die Anwesenden einbrachten, wurden alle notiert, besprochen und auch kritisch hinterfragt. Das war auch nötig, schließlich sind die getroffenen Bürgerbeschlüsse die Grundlage für die Entscheidungen des Stadtrats im kommenden Jahr. Auch darum waren alle Anwesenden gespannt, was dieser Abend bringen würde.

Mindestens genauso neugierig betrachteten sie das Modell, das in Mitten des Saals der Alten Synagoge ausgelegt war: Ein großes Foto des Gebietes um den Bahnhof aus der Vogelperspektive. Bevor die Diskussion begann und sich die Bürger unterhielten und während sich der Saal langsam immer mehr füllte, fielen die Blicke der Interessierten immer wieder auf dieses Modell.

Mit Modell arbeiten

Die Karte sollte helfen, die einzelnen Ideen der Bürger zu verdeutlichen, es sollte klar werden, um welche Straße es sich in diesem oder jenem Vorschlag handelte und wo sich bestimmte Problemherde befinden. Die Vorschläge und schließlich auch die Ergebnisse in eine Form zu gießen, war unter anderem Aufgabe des Garten- und Landschaftsarchitekten Christof Luz aus Stuttgart. Er hatte schon eine ähnliche Diskussion zum Thema Gestaltung der Mainpromenade geleitet.

"Ich bin ja gespannt, was die da bringen", flüsterten viele Bürger ihren Sitznachbarn zu. Großes Thema war die aktuelle Parkplatzsituation. Zwar hat sich diese seit der Umgestaltung im Rahmen der Gartenschau in Kitzingen eindeutig verbessert, doch ist sie nur provisorisch. "Am Schluss wird der Parkplatz anders als jetzt sein", versicherte Luz seinen Zuhörern und fragte diese nach ihrer Meinung zu diesem Thema.

Auf der Suche nach Konsens

Über folgende Probleme sollte ein Konsens gefunden werden: Wie sollen die neuen Parkplätze beschaffen sein? Ober- oder unterirdisch? Gestaffelt oder als Parkhaus? Was soll aus dem geplanten Busbahnhof werden? Und: Wie kann die jetzige Situation für Fußgänger und und Fahrradfahrer verbessert werden?

Letzteres bezeichnete ein Bürger als das gravierendste Problem: Besonders in der Friedenstraße. Dort seien einfach viel zu viele Autos unterwegs. Gefahr sei schon programmiert. Nur ein Fahrradweg könne da Abhilfe schaffen. Aber auch am Bahnhof selbst gebe es viele Probleme zwischen Auto- und Fahrradfahrern. Beide haben den selben Weg von den Parkplätzen beziehungsweise den Fahrradständern zur Straße hin.

Auch hier komme es immer wieder zu Gefahrensituationen, beklagte der Bürger. Man müsse das Ganze entflechten.Die Erschließung für Fußgänger in Richtung Westen sei ebenfalls von großer Bedeutung, meldete sich ein anderer Bürger zu Wort. Er dachte an den Erfolg des Innoparks, der für die Bahnhofsgäste schnell erreichbar sein sollte.

Ein Kreisverkehr vor dem Bahnhof?

Die Forderung nach einem Kreisverkehr vor dem Bahnhof erntet einen kleinen Applaus und wurde während der Diskussion immer wieder neu gestellt. Dennoch richtet sich das Augenmerk auf das Parkplatzproblem. Zum einen sind 150 bis 200 Pkw-Parkplätze vorgesehen. Wo sollen die hin? Zum anderen fordert der Omnibusverkehr Franken (OVF) acht Parkplätze für seine Busse.

Oberbürgermeister Siegfried Müller hörte interessiert allen Bürgern zu. Nur einmal verdrehte er die Augen, nämlich beim Vorschlag, die Friedenstraße zu sperren und lediglich als Parkplatzzufahrt zu nutzen. "Die Friedenstraße ist eine wichtige Verbindung, weil sie der kürzeste Weg vom Bahnhof zur B8 ist", begründete Müller seine Reaktion. Und auch die Diskussion um die Pkw-Parkplätze dürfte dem Oberbürgermeister einige Sorgenfalten ins Gesicht gezaubert haben.

150 bis 200 Parkplätze sollen es werden, doch reicht jetzt schon kaum der Platz aus, die Bahn sperrt sich ja in dieser Hinsicht. Sie will nicht mehr Fläche zur Verfügung stellen. Soll deshalb jetzt tatsächlich ein Parkhaus kommen? Oder eine Tiefgarage? "Hier sind ja richtige Stadtvisionäre am Werk", bemerkte Christof Luz und gab auch zu bedenken, dass eine Stapelfläche eine architektonische wie auch technische Herausforderung sei. "Die Kosten werden am Schluss einiges entscheiden", vermutete er.

Zwei Varianten gesammelt

Am Ende der Diskussion hat man zwei Möglichkeiten für den neuen Bahnhof gefunden. Die Grünflächen, die während des Bürgerdialogs immer wieder verteidigt wurden, sollen bei beiden Varianten berücksichtigt werden.
Variante A sieht für das Parkplatzproblem eine aufwendige und sicher auch teure Lösung wie ein Parkhaus oder eine Tiefgarage vor. Variante B hingegen steht für ebenerdige Parkplätze. Außerdem soll über die Situation für Fußgänger und Fahrradfahrer wie auch über den Lärmschutz nachgedacht werden.

Siegfried Müller ist mit dem Ergebnis des Bürgerdialogs zufrieden. "Es war eine gute, sachliche Diskussion. Es gab einige gute Ideen." Nur eines bereitet ihm noch Kopfzerbrechen: "Schade, dass die Bahn ihre unkooperative Haltung nicht aufgibt. Die Bahn hat den Standort Kitzingen noch nicht in ihre Planung mit aufgenommen."
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