Kitzingen

Bruckners f-moll-Messe: ein Schwindel?

Der Kitzinger Kirchen- und Kammerchor widerlegte unter der Leitung von Regionalkantor Christian Stegmann Brahms' Prophezeiung. Ein beeindruckender Auftritt.
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Christian Stegmann, Chor, Orchester und Solisten bei Bruckners Messe f-moll. Foto: Jutta Schwegler
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Bekanntermaßen waren Anton Bruckner und Johannes Brahms nicht die besten Freunde. An der f-moll-Messe ließ letzterer nun gar kein gutes Haar, bezeichnete das Stück als Schwindel und prophezeite ihm keine zwei Jahre Überdauern. Weit gefehlt! Was der Kirchen- und Kammerchor von St. Johannes unter der Leitung von Regionalkantor Christian Stegmann am Sonntag vortrugen, war feinste Musik eines bis heute hochgeachteten Komponisten. Stegmann brachte diese Messe, die zur Zeit der Uraufführung als unspielbar galt, mit dem Consortium Musicale unter dem Konzertmeister Herwig Zack zu Gehör.

Bereits im Beginn des Kyrie zeigte der Chor, dass er sowohl zu schwebenden Pianopassagen als auch zu einem Fortissimo fähig ist. Der Satz führte im Zusammenklang mit den Solisten zu einer leuchtenden Steigerung, um am Ende wieder ins Pianissimo zu gleiten. Über dem Ganzen glänzte obertonreich der kräftige Sopran von Radka Loudova-Remmler, der sich mühelos über Orchester und Chor erhob und später gut mit der warmen Stimme von Altistin Barbara Buffy mischte.

Sichere und sauber geführte Stimmen

Das Gloria setzte sehr kraftvoll im Fortissimo ein, wobei die Chorsoprane im weiteren Verlauf auch leise Stellen in der Höhe sehr gut meisterten. Gut ausgewogen zwischen Chor und Orchester schraubte sich am Ende die Fuge bei In gloria Dei Patris in die Höhe, ein erster Höhepunkt im Konzert, bei dem die Blechbläser sehr engagiert und eindrucksvoll musizierten. Zwischen Gloria und Credo folgte die Motette Os justi, nur vom Kammerchor gesungen, der hier eine strahlende Höhe und satte Tiefe zeigte, sichere und sauber geführte Stimmen, die sehr gut auf das feine Dirigat von Stegmann reagierten.

Im Credo sang Tenor Dominik Wortig mit geschmeidiger, gut fundierter Stimme das Et incarnatus est, eine eindringliche Version der Menschwerdung Gottes, umspielt von Herwig Zacks berückend schönem Geigenton, der eine Verbindung vom Himmel zur Erde schuf – der innigste Moment dieses Konzertes.

Sehr beeindruckend gelang auch das Crucifixus mit der Antwort des Chores auf den Basssolisten Sebastian Klein im Pianissimo, bevor er jubelnd mit dem Et resurrexit die Auferstehung beschwor und Chor und Orchester in höchste Höhen stiegen, um dann gemeinsam mit dem Solistenquartett den Heiligen Geist zu preisen.

Volles Orchester und wirbelnde Pauken

Als Kommentar zum Credo hatte Stegmann die Motette Christus factus est eingeschoben, die der Kammerchor nahezu ehrfürchtig zelebrierte. Das Sanctus begann sphärisch sehr schön in  den Flöten, um mit vollem Orchester und wirbelnden Pauken zu enden. Zu Beginn des Benedictus erfreuten die Celli mit einem samtigen Ton, um sich bis zum Hosanna mit Chor und dem ganzen Orchester zu steigern. Schwere, akzentuierte Rhythmen schienen im Agnus Dei die Last der Sünden zu symbolisieren, bevor die Mitwirkenden noch einmal mit aller Kraft in die zentrale Bitte am Ende einer jeden Messe einstimmten: Dona nobis pacem, gib uns Frieden, Herr!

Christian Stegmann lieferte mit seinen Chören und dem Consortium Musicale eine tief beeindruckende Leistung ab. Als einen Schwindel kann man dieses Werk nun wirklich nicht bezeichnen.

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