IPHOFEN

Brisante Korrespondenz im versiegelten Paket

„Highlights aus dem Schwarzenberg Archiv“ heißt die Sonderausstellung im Iphöfer Knauf-Museum. Und die hat nun ihr eigenes Highlight.
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So fanden Archivare das Bündel, offenbar versteckt unter alten Rechnungsbüchern.
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„Highlights aus dem Schwarzenberg Archiv“ heißt die Sonderausstellung im Iphöfer Knauf-Museum. Und die hat nun ihr eigenes Highlight: Denn als Karl Johannes Fürst zu Schwarzenberg ein bis dato in Packpapier geschnürtes und versiegeltes Bündel öffnete, kam brisante Korrespondenz zum Vorschein: ein Briefwechsel aus den Jahren 1931 bis 1933 zwischen dem Freiherren Karl Ludwig von und zu Guttenberg mit Major a. D. Müldner von Mühlenheim, Referent der Generalverwaltung des preußischen Königshauses.

Zurück ins Stammland

2011 kam das Archiv der Herrschaft Schwarzenberg wieder zurück in das Stammland. Im Staatsarchiv Nürnberg nahm man alles in Empfang. Dann begannen die Ordnungsarbeiten. Im Zuge dieser fanden die Archivare zwischen Rechnungsbüchern aus dem 17./18. Jahrhundert, offenbar sorgsam versteckt, ein besonderes Paket. Es war mit hellem Papier umwickelt und mit versiegelten Schnüren verschlossen. Und noch eine Besonderheit wies es auf: Auf der Vorderseite trug es die Aufschrift „Nur durch den Herrn Herrschaftsvorstand zu öffnen!“.

Professor Dr. Peter Fleischmann, Leitender Archivdirektor des Staatsarchivs Nürnberg, hatte es die Jahre über verschlossen gelassen und als Objekt 72 nach Iphofen gegeben. Denn dort erwartete die Familie Knauf zur offiziellen Eröffnung der Sonderausstellung eben den Herrschaftsvorstand Karl Johannes Fürst zu Schwarzenberg.

Viele Vermutungen

Bis zur Öffnung des Bündels gab es viele Vermutungen, was es beinhalten könnte. Aktien, Dokumente über das Adelsgeschlecht oder Kompromittierendes? Als Karl Johannes Fürst zu Schwarzenberg mit der Schere die Schnüre durchtrennte, war die Spannung groß. Dann hielt er drei grüne Aktenhefter voll mit beschriebenen Schreibmaschinenseiten in der Hand und rasch stellte sich der Fund als etwas Sensationelles heraus. Davon war auch Dr. Nicola Humphreys vom Staatsarchiv sehr überrascht. „Ich hätte Älteres erwartet“, bekannte sie. Nicht minder begeistert war sie aber und hätte am liebsten gleich zu lesen begonnen, denn Karl Ludwig von und zu Guttenberg war der Schwager von Adolph Fürst zu Schwarzenberg (1890 bis 1950), der erst von den Nazis, später dann durch die Tschechoslowakische Republik unter Staatspräsident Benes enteignet wurde.

Die Korrespondenz ist laut Humpreys sehr vielversprechend. Wie sich beim ersten Querlesen andeutete, geht es um den Widerstand gegen die Nazis. Das erklärt, warum dieses Bündel so gut versteckt worden ist. Denn zwischen alten Rechnungen hat man wohl nichts Brisantes vermutet.

Zeitschrift herausgegeben

Karl Ludwig von und zu Guttenberg hat, so ist es dem Begleitbuch der Ausstellung zu entnehmen, von 1932 bis 1934 die rechtskonservative Zeitschrift „Die Monarchie – Zeitschrift für deutsche Tradition“ und nach deren Verbot von 1934 bis 1943 die Zeitschrift „Weiße Blätter. Monatszeitschrift für Geschichte, Tradition und Staat“ herausgegeben.

Da Karl Ludwig von und zu Guttenberg Verbindungen zum Kreisauer Kreis hatte, wurde er nach dem Stauffenberg-Attentat festgenommen und in der Nacht vom 23. zum 24. April 1945 im Zellengefängnis Lehrter Straße ermordet. Die katholische Kirche hat ihn als Glaubenszeugen in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen.

Ob der gefundene Schriftverkehr Neues zum Widerstand ans Tageslicht bringt oder Neues zur Person Guttenbergs, wird bald bekannt sein. Peter Fleischmann nahm die Unterlagen noch am Abend mit nach Nürnberg, wo sie eingescannt und aufgearbeitet werden. Anfang nächster Woche sollen die Aktenhefter dann wieder zurück zur Sonderausstellung, die sich auch Karl Johannes Fürst zu Schwarzenberg intensiv betrachtete und sich zum einen oder anderen Exponat auch äußerte. So sagte er mit Blick auf die Baupläne von Schloss Schwarzenberg in Scheinfeld, dass er den nach der Sanierung weißen Anstrich am „Schwarzen Turm“ nach wie vor als ungut empfindet.

Öffnungszeiten

Sonderausstellung „Highlights aus dem Schwarzenberg Archiv“: Öffnungszeiten: 18. März bis 27. Mai, Dienstag bis Samstag 10 bis 17 Uhr, Sonntag 11 bis 17 Uhr. Montag geschlossen. Informationen: www.knauf-museum.de

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