Bei der Freiwilligen Feuerwehr einer Gemeinde am Würzburger Stadtrand war ein Gelegenheitsarbeiter seit seinem 12. Lebensjahr aktiv. Er ist dort immer nur positiv aufgefallen. Jetzt wurde der 21-Jährige zu 18 Monaten verurteilt: Drei Brände, bei denen er mit löschte, hatte er selbst gelegt.

Im Gegensatz zu anderen uniformierten Brandstiftern ging es in diesem Fall, so ein psychiatrischer Sachverständiger, nicht um die Lust am Zündeln und Löschen. Der Angeklagte griff zum Feuerzeug, wenn es daheim mit dem Vater wieder mal "geraucht" hatte - seiner Meinung nach ohne echten Grund. Er war danach jedes Mal richtig sauer bis wütend.

Einmal hat der junge Mann einen mit gebrauchten Möbelstücken beladenen Pkw-Anhänger des Vaters in Brand gesetzt. Aber der schöpfte keinen Verdacht,. Dann zündete er am Ortsrand im Garten der Familie einen Schuppen und den dort untergestellten Wohnwagen an. Da die Feuerwehr nicht gleich danach ausrückte, vermutete er, das Feuer sei ausgegangen und deswegen hat er vor einem Supermarkt Müllsäcke angezündet.

60.000 Euro Schaden


Bis die vom Angeklagten verständigte Feuerwehr vor Ort war, hatte das Feuer am Supermarkt bereits einen Sachschaden von über 60.000 Euro verursacht und der Wohnwagen des Vaters war inzwischen auch ausgebrannt. Sachschaden in diesem Fall: über 4 000 Euro.

Nicht angeklagt aber angesprochen wurde eine versuchte Brandstiftung im Würzburger Hafen, in einer Lagerhalle für Holz, wo die Flammen allerdings schnell erloschen sind. "Wenn es da gebrannt hätte, wäre es nicht bei einer Halle geblieben", kommentierte der vorsitzende Richter. "Das war mir damals richtig wurscht", gestand der Angeklagte.

Auf die Frage des Richters, wie er sich eines Tages eine Ehe vorstellt, bei der Schadensersatzforderung des Supermarktes im Nacken, sagte er: "Ich glaub', das wird schwierig". An so was habe er damals nicht gedacht, nur an den Zoff mit dem Alten daheim.

Wut auf den Vater, dem man, so der Angeklagte, nichts recht machen konnte, sei für den Psychiater ein glaubhaftes Motiv gewesen. Auf der Anklagebank sitze kein klassischer Pyromane, für den Feuer Befriedigung bedeute. Bei solchen Leuten könne man nachträglich noch ein Flackern und Leuchten in den Augen feststellen, wenn sie von ihrer Tat berichten. Beim Angeklagten gebe es dagegen so eine "Entschuldigung" aus psychiatrischer Sicht nicht, er wollte sich einfach am Vater rächen und so seine Wut abreagieren.

Der Vater habe inzwischen signalisiert, so die Jugendgerichtshilfe, dass er den Sohn nicht mehr im Haus aufnehmen werde. Der Mutter hat der Angeklagte während der fünfmonatigen Untersuchungshaft zwei Briefe geschrieben, aber keine Antwort bekommen. Den Sohn im Knast in Würzburg zu besuchen, habe sie nicht geschafft. Begründung: kein eigenes Auto. Zur Gerichtsverhandlung kam sie auch nicht.

Mit der Mutter hätte er sich, so Jugendrichter Bernd Krieger, gern ein bisschen über den Angeklagten unterhalten, aber vermutlich sei sie mit Rücksicht auf den Familienfrieden nicht gekommen und habe deswegen drei Freunde des Sohnes als Beobachter geschickt, damit sie auf diesem Weg erfährt, wie es gelaufen ist.
Die deutlichen Reiferückstände des zur Tatzeit fast 21 Jahre alten, recht antriebslosen jungen Mannes mit geringem Selbstbewusstsein sind unter anderem auch auf die häuslichen Verhältnisse zurückzuführen, so das Jugend-Schöffengericht.

Daher wurde der Angeklagte wegen Brandstiftung und Sachbeschädigung noch nach Jugendstrafrecht zu 18 Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Zu den Auflagen gehören 260 Stunden gemeinnützige Arbeit und, das haben Sozialarbeiter bereits vorbereitet, dass der Verurteilte noch am gleichen Tag vom Knast umziehen konnte in eine betreute Einrichtung für entlassene Strafgefangene.
Die Rechtsmittelbelehrung am Ende formulierte der Richter drastisch-deutlich, um auch verstanden zu werden: "Wenn Sie wieder was abfackeln, gehören Sie der Katz". Das Urteil wurde sofort rechtskräftig .