SCHWEINFURT/VOLKACH
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Bosch-Rexroth streicht 310 Jobs

310 Arbeitsplätze will Bosch-Rexroth in den nächsten zwei Jahren in seiner Sparte Lineartechnik streichen, die in den Werken Schweinfurt und Volkach gefertigt wird.
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Bangen um Jobs: Der Betriebsrat von Bosch-Rexroth hat am Montagmorgen vor dem Werkstor im Schweinfurter Hafen rund 800 Mitarbeiter über einen möglichen Stellenabbau in der Lineartechnik der Werke Schweinfurt und Volkach informiert. Am Nachmittag informierte die Werkleitung, dass in den kommenden zwei Jahren 310 Stellen gestrichen werden sollen – nach Möglichkeit sozialverträglich. Foto: Foto: Stefan Sauer

310 Arbeitsplätze will Bosch-Rexroth in den nächsten zwei Jahren in seiner Sparte Lineartechnik streichen, die in den Werken Schweinfurt und Volkach gefertigt wird. Betriebsbedingte Kündigungen seien „derzeit nicht geplant“.

Auch dann gibt es laut dem kaufmännischen Leiter Harald Krug noch eine „Kostenlücke“, die jedoch nicht durch Stellenabbau ausgeglichen werden soll. Darüber informierte Krug am Montagnachmittag die Belegschaft in Schweinfurt.

Der Betriebsrat hatte bereits um 11 Uhr die Beschäftigten vors Tor des Werkes im Hafen gerufen. Betriebsratsvorsitzender Winfried Werner und Vertrauenskörperleiter Wolfgang Trüdinger machten vor und 800 Kollegen aus den Werken Schweinfurt und Volkach sowie der Verwaltung deutlich, dass für die bei den zu erwartenden Spar- und Strukturmaßnahmen zwei Dinge nicht akzeptabel wären: Stellenabbau in einer Größenordnung, die beide Standorte gefährden würde und betriebsbedingte Kündigungen.

„Ein Rütteln an den Standorten würde ein Feuer auslösen, das schwer zu löschen ist“, drohte auch der Bevollmächtigte der IG Metall, Peter Kippes.

Doch für diese legte Werkleiter Krug bei der Betriebsveranstaltung am Nachmittag ein Versprechen ab: „Der Standort Schweinfurt/Volkach bleibt Leitwerk und Leitentwicklungsstandort.“ Bosch-Rexroth sei bei der Lineartechnik Marktführer in Europa, doch die Wettbewerber holten schnell auf und erzeugten Preisdruck. Einzelne Komponenten müssten in Europa kostengünstiger gefertigt werden. Dazu würden die 2009 beschlossenen Verlagerungen vollständig umgesetzt.

Damals wurde beschlossen, von den 2300 Stellen 550 abzubauen und nach Blaj (Rumänien) zu verlagern. Nach der jetzt anvisierten Streichung von 310 Stellen bedeutet dies die Verringerung der Belegschaft auf maximal 1700 Beschäftigte.

Dazu kommt, dass das Unternehmen eine Fertigung in China aufbauen will – ein Markt, der bisher weitgehend von Schweinfurt aus bedient wurde, was aber auf Dauer nicht möglich sei, so der Technische Leiter Lineartechnik, Stefan Schmitz.

Weiterer Punkt im Gesamtkonzept: Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen, die im Herbst 2013 mit Beteiligung des Betriebsrats gestartet wurden und Ansätze geliefert hätten, wie die Wettbewerbsfähigkeit der Lineartechnik gesteigert und das geplante Umsatzwachstum erreicht werden könne. Das Ziel sei, Kosten zu senken, schnellere Lieferungen und höhere Flexibilität zu erreichen.

Ferner sollten in Schweinfurt und Volkach anspruchsvolle Fertigungsprozesse ausgebaut werden. Dazu gehörten, so Schmitz, die Entwicklung von Fertigungstechnologien, neue Serienprodukte und das kundenspezifische Projektgeschäft für mechatronische Systeme. Der Standort bleibe somit Leitwerk und sowie Kompetenzzentrum für Kunststoffe im Bosch-Rexroth-Verbund.

Werkleiter Krug lobte die „konstruktive Zusammenarbeit der Arbeitsgruppen“. Auf der Basis ihrer Ergebnisse sollten weitere Kostenverbesserungen bei der hiesigen Lineartechnik erreicht werden. Bei der Veranstaltung des Betriebsrats am Morgen hatte Sebastian Schierling (Vertrieb) heftige Kritik an hausgemachten Fehlern geübt. „Wir müssen erst mal zeigen, dass wir der beste Lineartechnik-Hersteller in Deutschland und Europa sind, bevor wir Asien und die USA erobern.“

An die Entscheider gewandt, sagte er: „Stellt euch wieder vernünftig auf und bedient die Klein- und Mittelständler wieder, wie sie es verdienen.“ Vom Stellenabbau „waren die Beschäftigten natürlich nicht begeistert, aber sie haben wohl mit noch Schlimmerem gerechnet“, so IG-Metall-Chef Kippes. Manche Marktentwicklung lasse sich auch nicht wegreden, die IG Metall werde die Entwicklung konstruktiv begleiten.

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