„Ich würde das heute wieder machen.“ Für den Nordheimer Öko-Winzer Helmut Christ steht außer Frage, dass er seinen Weinbaubetrieb wieder auf ökologische Bewirtschaftung umstellen würde. Diesen Schritt hat er 1974 gewagt, mit einer Fläche von fünf Hektar damals. Wenngleich sich die Situation, sprich Vermarktung in den letzten Jahren geändert habe. „Sie ist eine der schwierigsten Geschichten zur Zeit“, sagt Christ.

Bis etwa zum Jahr 2000, so der Öko-Winzer, hatte man es relativ gut, da war im Land wenig Konkurrenz. Doch seitdem gibt es europaweit Anbieter, die billiger erzeugen. „Da können wir nicht konkurrieren, wenn die Flasche im Bioladen für 4,50 oder fünf Euro steht und für den Winzer 1,50 Euro übrig bleiben.“ Man habe zwar einen Bio-Boom und solche Produkte werden im Land immer mehr verzehrt, aber es soll auch günstig sein, erklärt Christ.

Trotz alledem: Sein Öko-Weingut hat sich etabliert und ist in der Region zu einer festen Adresse für Bio-(Wein)-Kunden geworden. Am Wochenende feierte das Unternehmen sein 40-jähriges Bestehen.

Verbunden war dieser Geburtstag mit Keller- und Weinbergsführungen. Hierbei erfuhren die Teilnehmer rund um den ökologischen Anbau und dessen Vermarktung viel Wissenswertes. Im Keller gab Weinbautechniker Michael Christ, Sohn der Betriebsinhaber, einen Einblick in die Unternehmensgeschichte.

Die Führungen im Weinberg mit Vater Helmut Christ standen unter dem Motto „Natürliche Fruchtbarkeit und Rebengesundheit“. Für den Pionier des Bio-Weinbaus ist die Begrünung als Basis das Wichtigste. „Die Bodenfruchtbarkeit ist das A und O für die langfristige Stabilität“, betonte er.

Eine natürliche Gesundheit entstehe über natürliche Ernährung, so der Experte. Da habe man mit normalen Rebschädlingen nichts zu tun. Größten Wert legt Christ, der seit 2006 mit der biologisch-dynamischen Anbauweise seinen Wein- und Obstbaubetrieb weiter verfeinert hat, auf die Weinlese mit der Hand. Er verweist auf die Bodenverdichtung, die durch die Lesemaschine, sprich den Vollernter, verursacht wird. Durch die Verdichtung werde alles, was man an normaler Bodenstabilität versucht aufzubauen, vernichtet, sagt der Winzer.

Als Vorteile der ökologischen Bewirtschaftung sieht er unter anderem die chemiefreie Auswahl an Pflanzenschutz-Mitteln. Auch der Boden müsse „in Ordnung gehalten werden, so dass keine Erosion mehr stattfindet“. Der Arbeitsaufwand gegenüber dem herkömmlichen Anbau sei etwas größer.

Laut Christ gibt es auch konventionelle Winzer, „die mehr erlösen, als wir“. Die Kunst sei, den Wein zu dem Preis zu vermarkten, der kostendeckend für die Familie ist und der Spielraum für notwendige Investitionen lasse. Blickt man auf die Entwicklung des Nordheimer Bio-Weingutes, so hat der mittlerweile auf 13,4 Hektar angewachsene Betrieb beste Voraussetzung, sich auch künftig auf dem Markt der Bio-Winzer behaupten zu können.