Wiesentheid
Prozess in Würzburg

Bluttat in Wiesentheid: Wollte 20-Jähriger mit Kumpel Ex-Freundin umbringen?

Versuchten Mord wirft die Staatsanwaltschaft einem 19- und einem 20-Jährigen aus Kitzingen vor. Das Opfer, eine junge Frau, sitzt im Rollstuhl .
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Großes Polizeiaufgebot in Wiesentheid: Im Schlosspark wurde 5. Januar2016 eine 22-Jährige schwer verletzt gefunden. Foto: Kristian Kienberger
Großes Polizeiaufgebot in Wiesentheid: Im Schlosspark wurde 5. Januar2016 eine 22-Jährige schwer verletzt gefunden. Foto: Kristian Kienberger
Es war ein Verbrechen, das nicht nur in der Region Kitzingen für Entsetzen sorgte: Am Abend des 4. Januar wurde eine 22-Jährige in Wiesentheid (Lkr. Kitzingen) mit mehreren Stichen niedergestreckt und blutend liegen gelassen. Erst am nächsten Morgen fand ein Spaziergänger die Frau.

Jetzt müssen sich die Männer, die der 22-Jährigen das angetan haben sollen, vor der Jugendkammer des Landgericht Würzburg wegen versuchten Mordes verantworten. 19 und 20 Jahre sind sie jung, stammen aus soliden Elternhäusern, haben keinen Beruf und lebten zuletzt beide in einem Notwohngebiet.


Gescheiterte Beziehung - wollte 20-Jähriger Ex-Freundin umbringen?

Der 20-Jährige und das Opfer seien ein Paar gewesen, heißt es in der Anklage. Anfang Dezember habe die Frau die kriselnde Beziehung beendet. Der Mann habe das nicht akzeptieren wollen, habe immer wieder "Annäherungsversuche" unternommen, mit Selbstmord gedroht. Als ihm klar geworden sei, dass er die Frau nicht zurückgewinnen kann, habe er sich zurückgewiesen gefühlt, "ihr die Schuld für sein fehlgelaufenes Leben" gegeben - und beschlossen, sie umzubringen.

Der Mann habe die Tat nicht allein verüben wollen, sagt die Staatsanwaltschaft, deshalb habe er Kumpels gefragt, ob sie ihm dabei helfen. Nachdem der erste "nur zum Schein" eingewilligt habe, habe der zweite zugesagt. Es ist der 19-Jährige, der sich jetzt mit dem 20-Jährigen vor Gericht verantworten muss.


Per Whatsapp zum Tatort in Wiesentheid gelockt?

Laut Anklage, die an diesem Freitag im Schwurgerichtssaal verlesen wurde, sollen die Angeklagten die Frau per Whats-App-Nachricht unter einem Vorwand zum Marienplatz in Wiesentheid bestellt haben. Von hier aus, Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen, habe der 19-Jährige mit ihr einen Spaziergang in den Schlosspark gemacht, wo der 20-Jährige bereits gewartet habe.

Als die Frau ihren Ex-Freund erkannt habe, habe sie weglaufen wollen, sei aber daran gehindert worden. Nach einem "kurzen Wortwechsel" habe der 22-Jährige ihr zunächst eine Pistole vorgehalten - und dann zugestochen.

Der 19-Jährige habe seinen Kumpel "billigend gewähren" lassen. Das Messer, so die Anklage, habe der Angeklagte extra für die Tat gekauft.

Drei tiefe Stiche in die Kehle und in den Nacken habe er der Frau damit versetzt. Raufeisen: "Anschließend verließen die Angeklagten den Schlosspark in dem Glauben, die Geschädigte getötet zu haben." Bis um neun Uhr am nächsten Morgen lag die 22-Jährige im Schlosspark. Als ein Mann, der seinen Hund ausführte, sie fand, schwebte sie in Lebensgefahr und war unterkühlt. In einer Klinik wurde sie wochenlang in ein künstliches Koma versetzt. Durch die Tat wurden laut Anklage wichtige Nerven und Rückenmark durchtrennt.


Heute, neun Monate nach der Tat, sitzt die 22-Jährige im Rollstuhl.

Sie ist halbseitig gelähmt, schwer traumatisiert und wird noch immer stationär behandelt. Ob sie sich je wieder aus eigener Kraft wird bewegen können, kann man laut Staatsanwaltschaft noch nicht sagen.

Die beiden Männer, die während des ersten Verhandlungstages Fußfesseln tragen mussten, waren bald nach der Tat in U-Haft genommen worden. Der 20-jährige ist inzwischen wegen einer weiteren Tat angeklagt: In der Justizvollzugsanstalt Aschaffenburg soll er zusammen mit einem Zellengenossen einen Ausbruchsversuch unternommen haben. Danach wurde er ins Gefängnis Ebrach verlegt.



Jan Paulsen, der Verteidiger des 20-Jährigen kündigte an, sein Mandant werde am nächsten Verhandlungstag, dem 12. Oktober, ein "weitgehendes Geständnis" ablegen. Für den Mitangeklagten erklärte dessen Verteidiger Hanjo Schrepfer, dass der 19-Jährige "derzeit keine Angaben" machen werde. Eine spätere Erklärung seines Mandanten sei aber "möglich".

Das Gericht geht davon aus, dass das Verfahren "sich in die Länge ziehen wird". Es sind bereits Verhandlungstermine bis zum 19. Januar ins Auge gefasst. Gisela Schmidt

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