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Kitzingen

Blutiges Ende einer Faschingsparty in Wiesentheid

Aus dem Gericht: Eine Rempelei, ein Schlag mit einer Flasche auf den Kopf und eine Kopfnuss als Gegenreaktion – in Wiesentheid (Lkr. Kitzingen) artete eine Faschingsfeier aus.
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Der unschöne Ausklang einer Faschingsfeier in Wiesentheid beschäftigte die Strafrichterin am Kitzinger Amtsgericht. Foto: Oliver Berg (dpa)

"Let's Fetz" – das Motto einer Faschingsfete Anfang März vergangenen Jahres in der Wiesentheider Steigerwaldhalle nahmen einige Besucher nur allzu wörtlich. Der närrische Frohsinn klang gegen 3 Uhr morgens gerade ab, als plötzlich Schluss mit lustig war und die Fetzen flogen. Ihren Anfang nahm die blutige Auseinandersetzung, als ein 33-Jähriger im Vorbeigehen eine Frau anrempelte.

Der Rempler hatte in mehrfacher Hinsicht gravierende Folgen. Zum einen trank die Frau gerade aus einer Flasche, als durch den Stoß mehrere Zähne in Mitleidenschaft gezogen wurden. Der Mann, mit 1,5 Promille gut unterwegs, hatte die Bar fest im Blick und bekam womöglich gar nicht richtig mit, was er da angerichtet hatte.

Die geschädigte Frau war entsetzt und wollte das Geschehene auf gar keinen Fall so stehen lassen. Wütend schnappte sie sich zwei Freundinnen und begab sich auf die Suche nach dem Rempler, der schließlich an der Bar gestellt wurde. Nach einem kurzen Wortgefecht tickte die Frau vollends aus: Sie schlug auf den Mann ein, schnappte sich eine Flasche, holte aus und zog die Flasche dem Mann kurzerhand über den Kopf. 

Kampf mit dem Sicherheitsdienst

Blutüberströmt und nun seinerseits außer sich, schritt der 33-Jährige zur Tat: Mit seinem Kopf rammte er den Kopf der Frau, eine Art Kopfnuss mit dem Kopf. Wieder floss reichlich Blut, diesmal vor allem aus der Nase. Und es ging weiter; das Gerangel nahm jetzt erst richtig Fahrt auf: Der Sicherheitsdienst schritt ein, kurzzeitig kämpfte jeder gegen jeden. Es erforderte einige Anstrengungen, den 33-Jährigen vor die Tür zu setzen – und auch dort war wohl noch nicht Schluss mit dem Gewüte.

Dass der Mann so gar nicht mehr aufhören konnte, hatte wohl auch etwas mit seinem Zustand zu tun: Nach eigenem Bekunden hatte er um die sechs, sieben Bier getrunken.

Strafbefehl nicht akzeptiert

Es gibt bei diesem blutigen Faschingsausklang sicher einiges aufzuarbeiten, an diesem Montagmittag musste sich der 33-Jährige für die Kopfnuss verantworten. Der Angriff hatte ihm einen Strafbefehl über 6000 Euro (120 Tagessätze zu je 50 Euro) eingebracht, gegen den sich der gelernte Schlosser zur Wehr gesetzt hatte. Sein anfänglicher Versuch, vor der Kitzinger Strafrichterin Patricia Finkenberger die Kopfnuss als eine Art Notwehr darzustellen, scheiterte umgehend: "Das war keine Notwehr, sondern Nachtreten", nahm ihm das Gericht den Wind aus den Segeln.

Und beim Blick in die Akte mit den Bildern voller Blut fand sie auch deutliche Worte: "Das war ein Gemetzel!" Auch in den beiden durchgeführten Befragungen von zwei neutralen Zeugen wird deutlich, wie unappetitlich es an dem Abend vor allem beim Gerangel mit dem Sicherheitsdienst zuging: "Ich habe noch nie so etwas Brutales gesehen; der hat die Security auseinandergenommen", fasste eine der Augenzeuginnen ihre Eindrücke von dem unschönen Faschingsende zusammen. 

Geringere Geldstrafe

Der Angeklagte und sein Verteidiger wussten diesen Hinweis zu deuten und entschieden sich, die Vorwürfe in der Anklage doch lieber als gegeben hinzunehmen. Der Stoß mit dem Kopf – er lässt sich auch nach einem Schlag mit der Flasche nicht entschuldigen. Damit ging es lediglich noch um das Strafmaß. Hier konnte der Angeklagte, der an jenem Abend selbst Verletzungen davontrug und auch eine Narbe als unschöne Erinnerung am Kopf zurückbehielt, auf etwas Entgegenkommen hoffen: Die Geldstrafe mit 4500 Euro (90 Tagessätze zu je 50 Euro) war zumindest etwas geringer als ursprünglich beantragt.  

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