KITZINGEN

Blutige Ohrfeige für 6000 Euro

„Noch verheiratet“: Nur in diesem Punkte sind sich die beiden Eheleute einig, die eine Eskalation in ihrem (Fast-)Rosenkrieg vor den Kitzinger Strafrichter führte und den männlichen Teil der zerrütteten Beziehung auf einen Schlag um 6000 Euro ärmer machte. Der Schlag war eine heftige Ohrfeige mit schmerzlichen Folgen.
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„Noch verheiratet“: Nur in diesem Punkte sind sich die beiden Eheleute einig, die eine Eskalation in ihrem (Fast-)Rosenkrieg vor den Kitzinger Strafrichter führte und den männlichen Teil der zerrütteten Beziehung auf einen Schlag um 6000 Euro ärmer machte. Der Schlag war eine heftige Ohrfeige mit schmerzlichen Folgen.

Es ist ein Herbstabend, an dem sich in der längst unheilbar kränkelnden Ehe ein Gewitter zusammenbraut. Wegen der Kinder, um die sich der 54-Jährige Mediziner nach Ansicht seiner Frau kaum noch kümmert. Und weil der Mann die Jüngste nicht selbst von der Oma holt, sondern seinen 17-jährigen Sohn mit dem Auto losschickt, kommt es zur Explosion – weil der Junior eigentlich nicht ohne Begleitung eines Erwachsenen hätte fahren dürfen.

Unverantwortlich und gefährlich, meint die Mutter. Die 50-Jährige stellt den Mann im Flur des Hauses zur Rede. Es kommt zu einem heftigen Streit und später zum Gerangel, weil sie ihn rauswerfen will. Als die Emotionen so richtig hochkochen, passiert's: Er schlägt sie mit der flachen Hand heftig ins Gesicht, die Frau stürzt und holt sich auf dem harten Boden eine Platzwunde. Als die benommene 50-Jährige sich wieder aufrappelt, stößt er sie erneut zu Boden. So heftig, dass sich die Frau böse am Knie verletzt.

Als der Mann die Folgen seines Ausbruchs („Ich war nicht bei klarem Verstand“) begreift, ist der Zoff vorbei. Er verschwindet im Kellerappartement des Hauses. Sie wischt sich im Bad das Blut aus dem Gesicht und geht ins Krankenhaus – wegen der Platzwunde und vor allem wegen des Knies. Das hat es schlimm erwischt: Kreuzband- und Innenbandriss.

Der kurze Gewaltausbruch schlägt endgültig auf die Ehe durch: „Ich bin am nächsten Tag ausgezogen. Ich war ja völlig untragbar geworden.“ Die Scheidung ist inzwischen – da sind sich beide einig – beschlossene Sache. Und auch der Mantel des Vergessens hätte sich über die Geschichte legen können, hätte die Frau nicht zwei Wochen nach der Tat ihren Mann angezeigt.

Der Grund: Der Gatte fragte weder nach dem Stand der Verletzungen, noch entschuldigte er sich. Zudem scheiterte ein Täter-Opfer-Ausgleich – möglicherweise an familienrechtlichen Forderungen, die die Ehefrau damit verknüpfen wollte. Stattdessen flatterte dem Mediziner ein Strafbefehl ins Haus: 60 Tagessätze zu je 100 Euro sollte der 54-jährige wegen der Körperverletzung zahlen.

Dagegen legte er Einspruch ein. Die Summe sei zu hoch, sagte sein Verteidiger. Schließlich habe sein Mandant mit einer Steuerforderung von rund 40 000 Euro zu kämpfen und die Knieverletzung der Frau sei ja nicht ganz so heftig, wie angenommen. Der Kreuzbandriss sei schließlich so gut wie verheilt.

Der Versuch eines „Kuhhandels“ scheitert an dem hartnäckigen Staatsanwalt. Der spielt nicht mit, sondern legt noch eines drauf, falls der Angeklagte seinen Einspruch gegen den Strafbefehl nicht zurücknimmt: In dem Fall werde er ein weiteres Verfahren wegen Anstiftung zum Fahren ohne Fahrerlaubnis – weil der Mediziner den 17-jährigen Sohn alleine mit dem Auto losschickte – einleiten. Das überzeugt den Arzt. Nach zehn Minuten Beratschlagen mit seinem Anwalt spielt er mit und akzeptiert die Ohrfeigen-Quittung: 6000 Euro.

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