Wiesentheid
Karnevalsitzung

Blähboys, Gentlemen und andere Figuren

Der Fasching findet zwar immer einige Monate nach dem Oktoberfest statt. Die Wiesentheider Karnevalisten ficht das nicht an. Sie feierten bei fröhlicher Oktoberfeststimmung.
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Marcus Wicher, Fred Freund und sein Sohn Stefan Freund führten durch den Faschingsabend. Fotos: Rainer Fritsch
Marcus Wicher, Fred Freund und sein Sohn Stefan Freund führten durch den Faschingsabend. Fotos: Rainer Fritsch
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"Vor dem Fasching ist nach dem Fasching", lautete Marcus Wichers leicht verdrehte Antwort auf die Frage, wann er mit den Planungen für eine neue Faschingssaison beginne. Nach den Worten des Gesellschaftspräsidents der Kolping-Faschingsgesellschaft KoKaGe Wiesentheid ist man jetzt schon dabei, für die Saison 2014 und auch schon für 2015 Ideen und Anregungen zu sammeln.

Marcus Wicher ist ein begeisterter Fosernachter und auch von solchen umgeben. "Wir sind eine tolle Clique in der KoKaGe mit ihren 440 Mitgliedern und wir treffen uns über das gesamte Jahr hinweg immer wieder zu gemeinsamen Freizeitaktiviten", sagt der Präsident über sein Hobby. "Es herrscht eine große Freundschaft in unserer Gruppe, die unbezahlbar ist."

Tief im Fasching verwurzelt, leitet er die KoKaGe seit sechs Jahren, war aber als Vizepräsident auch schon fünf Jahre für die Organisation tätig.
Dazu ist er aktiv im Männerballett "Die Gentlemen". In diesem Zusammenhang ist er auch für das jährliche Bayerische Tanzturnier im Männerballett zuständig, das heuer am 23. Februar mit 16 Gruppen in Wiesentheid stattfindet. Rund 2000 Personen werden dabei in der Halle sein.

Bei der Elferratssitzung waren es "nur" rund 700, unter ihnen der neue Sitzungspräsident Stefan Freund. Fünf Stunden dauerte die Großveranstaltung. Über 140 Aktive und weitere 70 Helfer wirkten mit.

Der 43-jährige Stefan Freund gestand, dass er schon etwas Lampenfieber habe. Er ist Fred Freunds Sohn und hat überraschend das Erbe seines Vaters angetreten - eine echte Verpflichtung.

Fred Freund leitete 21 Jahre lang die Sitzungen und Sohn Stefan half ihm dabei nur im Hintergrund. 2012 stand Stefan dann bei der KoKaGe-Gruppe "Die Hoppchores" erstmals auf der Bühne. Seine Premiere als Sitzungspräsident meisterte er aber mit Bravour.
Zur närrischen Unterstützung hatte sich die Karnevalsgesellschaft zwei Gastgesellschaften eingeladen: Alzibib (Altmannshausen-Ziegenbach-Bibart) aus Markt Bibart und die Narrengilde aus Gerbrunn. Dazu kamen fünf Büttenreden, die Bütt mit Gesangsvortrag der "Hoppchores" sowie acht Tanzvorführungen.

Gelenkig und mit viel Elan wirbelte dabei das elfjährige Tanzmariechen der KoKaGe, Pauline Ronge, über die Bühne. Trainiert wird sie von Julia Schwanfelder. Beim Schautanz der Pumuckels, das sind 31 Kinder der Gesellschaft im Alter von vier bis sechs Jahren, sahen die Zuschauer, wie die Kinder als Matrosen, Quallen und Wassernixen in eine Unterwasserwelt abtauchen und mit fröhlich strahlenden Augen über die Bühne tanzen.
Bernhard Ottinger aus Fürth erzählte den Besuchern in echt Fränkisch seine Erlebnisse als Taxifahrer mit besoffenen und anderen schwierigen Mitfahrern. Dazu gab er heitere Hinweise zur Beziehung von Mann und Frau: So bedeutet nach seinen Worten "Mode: Mann opfere dein Erspartes".

Europas Probleme sind die Probleme des Bütten-Redners

Eine geschliffene, rhetorisch gut gehaltene Bütt, lieferte als Till Hans-Jürgen Esser. Er beleuchtete unter anderem die Finanz-, Geld- und Wirtschaftsprobleme in Europa und stellte angesichts der vielen Fachbegriffe, die ständig durch die Medien geistern, fest: "Ich bin mit meinem Latein am Ende. Wir alle werden für dumm verkauft, denn letztlich brauchen die Politiker nur unser Geld". Lug und Trug und Schwindel pur in der EU von Süd nach Nord und von West nach Ost". Auf die Schippe nahm er auch die Millionensteuergräber wie den Flughafen in Berlin, Stuttgart 21 oder den Freizeitpark am Nürburgring.

Burkhard Klein referiert über Welt- und Eheprobleme

Tosenden Beifall erhielt für seine Aussagen über Welt- und Eheprobleme der Rödelseer Bürgermeister Burkhard Klein. Er stellte als kleiner Schulbub einen Strafaufsatz über diese Themen vor, wobei er zum Gelächter des Publikums auch fleißig unterhalb der Gürtellinie graste.

Nachdenklich bis heiter

In heiteren und auch nachdenklichen Worten stellten Elke Haubenreich und Benjamin Schmitt von der KoKaGe die Probleme beim Arbeitsamt dar, denn "hier ist man nur eine von vielen Nummern". "Man muss heute schon studiert haben, um die Bürokratie dieses Amtes als Arbeitsloser bewältigen zu können", erklärte entnervt Elke Haubenreich zu der Fülle an auszufüllenden Anträgen.
Mit dickem Bauch und hoch nobel gekleidet stellte sich Wolfgang Veit aus Wonfurt als "fränkischer Blähboy" vor, der auch noch im höheren Alter Erfolg bei den Frauen sucht.
Als Flotte Bauarbeiterinnen traten die 16 Tänzerinnen der Alzibib bei einem Schautanz auf. Stefan Freund verpflichtete sie spontan zu den Renovierungsarbeiten an der Kirche in Wiesentheid. In ständig wechselnden Kostümen, wie bei einer Modenschau, tanzte die Schautanzgruppe aus Gerbrunn über die Bühne.
Lebensfreude pur versprühten die 41 jungen Tänzerinnen der Kinder- und Jugendschautanzgruppe der KOGAGE bei ihrem großen Auftritt. Für sie standen die Liebe und das ausgelassene Leben im Vordergrund. "Leb deinen Traum, denn er wird wahr", forderten sie dabei das Publikum auf.
Einen flotten Gardetanz mit guter Choreografie stellte die Garde der KoKaGe vor und begeisterte danach noch mit einem Schautanz, bei dem sie die "Toten" eines Museums lebendig werden ließen. Trainiert wird die Gruppe von Julia Schwanfelder, Mona Sturm und Isabelle Saugel.

Ein Höhepunkt des Abends war sicherlich der Auftritt der "Hoppchores".

Marcus Wicher, Stefan Schäffel, Petra Ruppert, Matthias Stöhr, Markus Grunewald, Heidi Skorepa, Volker Zink und Lilli Bourgeon-Dürr gingen dabei mit Wort und Gesang mit dem Raumschiff Enterprise in den Weltraum, um dort gute Ideen für die Städtebaumaßnahmen von Wiesentheid zu finden. Mit der Zeitmaschine trafen sie dabei auch 1712 auf Balthasar Neumann, der eigentlich eine Residenz in Wiesentheid errichten wollte, dies dann aber doch in Würzburg durchführte.
Als Bauarbeiter traten zum Schluss der Sitzung zehn Gentlemen der Wiesentheider Karnevalsgesellschaft auf und wirbelten dabei als Männerballett noch viel Staub auf. In Aktion trat schließlich Ehrensitzungspräsident Fred Freund, denn er ernannte, zusammen mit seinem Sohn Stefan und Marcus Wicher, drei neue Ehrensenatoren: Dr. Susanne Grunewald aus Kitzingen, Alfons Goldschmidt und Markus Freund.
Für eine gute Stimmungsmusik sorgte die Kapelle des Musik- und Gesangvereins unter der Leitung von Eugen Roske. Die Steigerwaldhalle war in diesem Jahr unter dem Motto "Wiesentheider Wiesenfest" dekoriert. Passend zum Ambiente traten die Wiesentheider Gaudi-Burschen mit Volker Zink und Gitti Schraud auf und verbreiteten auf der Bühne Oktoberfeststimmung.
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