Noch wenige Tage bis zur Wahl -wie fühlen Sie sich und was haben Sie noch vor?
Tamara Bischof: Ich fühle mich sehr gut. Ich habe sehr viele Wahlveranstaltungen und Bürgergespräche durchgeführt und es kommen auch noch einige hinzu. Viele Kreisräte und Bürgermeister haben mich unterstützt und es macht viel Freude, weil ich zahlreiche positive Rückmeldungen von den Bürgern mitnehmen kann. Ernsthafte Beschwerden gibt es kaum, dafür immer wieder konkrete Nachfragen und Anregungen. Natürlich bin ich auch froh, wenn der 23. September vorbei ist, da ich ja ganz normal auch meine Dienstgeschäfte führe und das ist zeitlich schon anspruchsvoll.

Ist es normal, dass die jeweiligen Wahlkämpfe eher nebeneinander herlaufen als dass es wirklich mal eine Konfrontation gibt?
Ja, ich denke schon, wobei es sicher auch andere Wahlkämpfe gibt. Ich bin viel im Landkreis unterwegs, bei Bürgern vor Ort und natürlich auf den Veranstaltungen und werbe für meine Politik im persönlichen Gespräch mit den Bürgern. Eine Diskussion oder Konfrontation mit dem Mitbewerber hat es bisher nicht gegeben.

Dabei gibt es so manchen Punkt, aus dem eine intensive Diskussion entstehen könnte - zum Beispiel der Straßenbau. Laut ihrem Gegenkandidaten könnte man einiges an Geld einsparen, das in den Ausbau der Kreisstraßen investiert wird.
Das sehe ich völlig anders. Wir sind schließlich ein Flächenlandkreis. Wir wollen ja nicht, dass die Bürger alle in die Zentren ziehen und die kleinen Ortschaften ausbluten. Insofern halte ich es für ausgesprochen wichtig, dass wir auch die Verkehrsanbindungen in einem ordentlichen Zustand halten, die relativ wenig befahren sind. Die Vorstellungen meines Mitbewerbers sind völlig realitätsfremd und letztlich gegen den Bürger gerichtet.
Wir haben 260 Kilometer Kreisstraßen zu unterhalten, das ist für einen Kreis mit unserer Einwohnerzahl sehr viel, dafür stehen uns nur etwa 1,9 Millionen Euro im Jahr zur Verfügung. Dabei kostet der Ausbau pro Kilometer fast eine Million Euro, Sie können sich jetzt vorstellen, wie lange es dauern würde, dieses Straßennetz komplett zu sanieren. Deshalb gehen wir sehr sparsam mit den Mitteln um und bauen nur dort aus, wo die alte Straße völlig kaputt ist. Unsere Bürger haben einen Anspruch auf verkehrssichere Straßen!

Inwiefern konnten Sie sich als Landrätin zum Beispiel für die Umgehung in Gaibach einsetzen?
Als Landrätin setze ich mich politisch dafür ein, indem ich fordere: Das ist eine Staatsstraße, und damit ist der Staat in der Pflicht, dass er hier Abhilfe für die Bürger schafft. Diese Forderung stellen Bürgermeister und Stadtrat von Volkach und auch der Kreistag. Der Staat will sie auch erfüllen, aber erst 2025, und das dauert uns und den Bürgern vor Ort zu lange. Jetzt gibt es ja das Angebot an die Stadt Volkach, in Sonderbaulast, also anstelle des Staates zu bauen, was aber für die Stadt Volkach sehr kostspielig ist. Das will gut überlegt sein.
Als Landkreis könnten wir außerdem, sofern der Kreistag dies beschließt, uns finanziell am Bau beteiligen, wenn die Stadt Volkach eine Sonderbaulast übernimmt und die Umgehung in Gaibach entlang der Kreisstraße verlaufen würde.

In welchen Punkten machen sie sich außerdem als Landrätin bei der Staats- oder Bundesregierung bemerkbar?
Zum Beispiel beim Ausbau unserer wichtigen Verkehrsader A 3. Man sieht ja täglich die extreme Überlastung, verbunden mit Staus und häufig schweren Unfällen, die unsere Freiwilligen Feuerwehren sehr fordern. Im lärmgeplagten Bereich Geiselwind besteht schon Baurecht, aber der Bund hat noch kein Geld für den Bau zur Verfügung gestellt. Jetzt erwarten wir, dass es auch wirklich losgeht, dafür müssen wir kämpfen.
Von der Bundesregierung erwarte ich auch, dass sie bei der Energiewende endlich eine klare Linie fährt, auf die sich Bürger und Investoren bezüglich des Ausbaus der erneuerbaren Energien auch verlassen können. Nur dann können wir mit den Bürgern vor Ort die richtigen Weichen stellen.
Ebenso appelliere ich an die Staatsregierung, den Ausbau des Breitbandnetzes zu forcieren und wesentlich stärker zu fördern, damit alle Bürger und Unternehmer diese wichtige Infrastruktur nutzen können.
Es ist wichtig und richtig, dass unsere behinderten Mitmenschen voll in der Gesellschaft integriert sind. Dazu ist es aber auch notwendig, dass Land und Bund hier wesentlich stärker die Bezirke, Landkreise, Städte und Gemeinden finanziell unterstützen! Denn das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Stichwort Bezirksumlage: Wie vereinbaren Sie eigentlich die Arbeit als Land- und als Bezirksrätin? Sitzen Sie da nicht zwischen zwei Stühlen? Immerhin haben Sie gegen die Erhöhung der Bezirksumlage um vier Punkte gestimmt...
Ja, das stimmt. Aber aus meiner Sicht sind die beiden Ämter gut zu vereinbaren. Als Landrätin habe ich die Aufgabe, mit den Finanzmitteln des Steuerzahlers effizient und sparsam umzugehen. Das gleiche erwarte ich vom Bezirk, deshalb bin ich in diesem Bereich auch sehr kritisch. Sehe aber durchaus auch die wichtigen sozialen Aufgaben des Bezirks, die erfüllt werden müssen. Deshalb fordere ich von Land und Bund eine finanzielle Entlastung für die Bezirke. Insofern kann ich meine Kenntnisse als Landrätin im Bezirkstag sehr gut einbringen.

Einen großen Brocken im Kreishaushalt stellt die Sanierung der Klinik Kitzinger Land. Wäre es Ihnen lieber gewesen, wenn es einen Neubau gegeben hätte?
Es wäre sicher leichter umzusetzen gewesen. Es war von Anfang an klar, dass ein Haus mit 28 Jahren nicht ohne weiteres die Zustimmung für einen Neubau erhält. Damit hätte die Bayerische Regierung einen Präzedenzfall geschaffen. Wir haben es versucht, auch im Hinblick auf die Nutzung von Konversionsflächen in Kitzingen. Der Kreishaushalt wird übrigens nicht sehr mit der Sanierung belastet werden.
Wir rechnen mit maximal fünf Millionen bei etwa 78 Millionen Euro Gesamtkosten. 47 Millionen Euro erwarten wir aus dem Förderprogramm des Freistaates, 18 Millionen Euro hat die Klinik an Rücklagen erwirtschaftet, was eine große Leistung des Personals ist, der Rest muss finanziert werden.
Dadurch, dass wir so großen Druck ausgeübt haben, wurden wir aber für die Sanierung schnell in das Förderprogramm aufgenommen. So stehen bereits 2014 schon 15 Millionen Euro für die Maßnahme bereit. Jetzt arbeiten wir mit Hochdruck an der Planung. Das gesamte Personal in der Klinik steht voll dahinter und wir sind überzeugt, dass wir die Generalsanierung gut bewältigen. Die Klinik wird damit zu einer noch leistungsfähigeren stationären Versorgungseinrichtung für unsere Bürger mit neuestem medizinischen Standard. 2014 fangen wir mit den Bauarbeiten an.

Hat denn der familienfreundliche Landkreis Kitzingen, der Fachkräfte locken und binden möchte, zum Beispiel auch an die Kinderbetreuung gedacht?
Es wird selbstverständlich geprüft, inwieweit wir dort einen Betriebskindergarten umsetzen können. Darauf bin ich vom Personal auch schon angesprochen worden, und ich halte das für einen sehr wichtigen Punkt. Derzeit haben wir gute Kontakte zum Kindergarten Alemannenstraße, aber wenn Bedarf da ist, werde ich mich für einen Betriebskindergarten einsetzen, da damit Beruf und Familie besser in Einklang gebracht werden können und andererseits qualifiziertes Fachpersonal leichter gewonnen werden kann. Schließlich ist die Nachfrage nach guten Ärzten und Pflegefachkräften groß.
Ist die Familienfreundlichkeit im Landkreis einer der Aspekte, auf die Sie als Landrätin besonders stolz sind?
Ja, auf jeden Fall. 2007 wurden wir als einer der familienfreundlichsten Landkreise in Deutschland ausgezeichnet. Ich habe die Familienfreundlichkeit von Anfang an als sehr wichtiges Thema angesehen, weil ich die Situation am eigenen Leib erfahren habe. Ich war im Studium, habe nach der Geburt unserer Tochter ein Jahr Erziehungsurlaub genommen und wollte dann das Studium beenden. Mein Glück war, dass ich eine ganz liebe Tagesmutter gefunden habe, die sich um unsere Tochter kümmerte. Die brauchte ich auch noch, als die Kleine schon im Kindergarten war, da die Öffnungszeiten damals noch nicht so flexibel waren wie heute.
Deshalb werbe ich auch bei unseren Gemeinden dafür, dass die Kindergarten- und Krippenplätze extrem wichtig sind für die Zukunft unseres Landkreises. Auch setze ich mich über unser Bündnis für Familie bei Unternehmen und Betrieben dafür ein, familienfreundliche Arbeitszeiten anzubieten. Es ist nicht immer alles möglich, was die eine oder andere Seite sich wünscht, aber man kann in vielen Bereichen aufeinander zukommen und die jeweiligen Bedürfnisse in Einklang bringen. Bei Kindergartenplätzen haben wir im Landkreis schon lange eine Vollversorgung und auch bei den Krippenplätzen sieht es gut aus. Das ist mir sehr wichtig, weil die Familien in Zukunft verstärkt ihre Wohnortentscheidung nach freien Krippenplätzen ausrichten werden.
Außerdem haben wir gerade wieder eine Gruppe Tagesmütter ausgebildet und zertifiziert, die im Landkreis wohnen und gerne kleine Kinder betreuen. Ein Anruf bei uns, und schon erhält die Familie eine Empfehlung.

Wie zufrieden sind Sie eigentlich mit Ihrem Team?
Ich bin sehr froh, so tüchtige und kompetente Mitarbeiter zu haben. Jeder Einzelne ist wichtig, nur dann kann das Team gut funktionieren. Die obersten Prinzipien für mich sind Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, schließlich sind wir ein besonderer Dienstleistungsbetrieb, denn die Bürger müssen ja zu uns kommen. Ich lebe das natürlich auch persönlich vor, führe Bürger, die sich in unserem verwinkelten Gebäude verlaufen haben, schon mal bis zur richtigen Tür. Zudem spreche ich mit jedem neuen Mitarbeiter gerade diese Punkte durch.

Gibt es insgesamt Punkte, die Ihnen während ihrer beiden Amtsperioden nicht so geglückt sind, die Sie umtreiben?
Mir fällt nichts ein, was ich machen wollte und nicht gemacht habe. Die Punkte, die ich mir vorgenommen habe, gerade im Bildungsbereich, sowie im sozialen und wirtschaftlichen Bereich konnte ich auch umsetzen. Unsere Schulen sind alle in einem Top-Zustand, aktuell sanieren wir noch das Gymnasium Marktbreit, ich konnte mithelfen, die Arbeitsplätze beim Gusswerk zu retten, wir haben den Tourismus stark ausgebaut, vor allem den Radtourismus.
Im sozialen Bereich haben wir den Kinderschutz verstärkt, die Zahl der Familien, die von Hartz 4 leben müssen, ist stark zurückgegangen. Aktuell liegt die Arbeitslosenquote bei drei Prozent, was sehr wenig ist. Unsere Seniorenarbeit haben wir stark ausgebaut, ebenso die Unterstützung und Anerkennung des Ehrenamts. Engagierte Bürger sind für unsere Gesellschaft von immenser Bedeutung.

Das ist alles sehr positiv. Aber was fehlt denn noch auf Ihrer Liste?
Beim Tourismus möchte ich den Wandertourismus ausbauen, da wir hier noch großes Potenzial haben. Auch den öffentlichen Personennahverkehr möchte ich weiter verstärken, durch einen vollständigen Beitritt in den Verkehrsverbund Nürnberg, damit werden wir als Wohnstandort noch attraktiver, dies kostet allerdings auch mehr. Ebenso wollen wir die Anzahl der Busfahrten im Landkreis verdichten, und ich werbe für den Einsatz von weiteren Bürgerbussen.
Ein wichtiges Thema wird auch die Energiewende sein, die ich hier nochmals nennen möchte. Die erneuerbaren Energien im Landkreis sollen möglichst durch Bürgeranlagen ausgebaut werden, damit die Wertschöpfung im Landkreis bleibt. Auch das Thema Energieeinsparung müssen wir im Landkreis stärker umsetzen. Dabei wird der Landkreis die Bürger durch ein Energiemanagement unterstützen.

Und wie kann man Politik und Bürgerschaft im Landkreis noch unterstützen?
Ich möchte auch unsere regionalen Produkte stärken, die unsere Winzer, Landwirte und Gärtner produzieren. Sie sind eine wichtige Säule unserer Wirtschaft und sichern viele Arbeitsplätze.
Natürlich unterstütze ich die Stadt Kitzingen dabei, für die Konversionsflächen neue Betriebe zu gewinnen, um damit Arbeitsplätze zu schaffen.
Dies sind nur einige Aufgaben, die ich gerne angehe, um unsern Landkreis weiter nach vorne zu bringen. Insofern bin ich bisher mit der Entwicklung im Landkreis sehr zufrieden, was mir auch die Bürger bei Wahlveranstaltungen widerspiegeln.
Auch meinen Damen und Herren Kreisräten danke ich für ihre schnellen und nahezu einstimmigen Entscheidungen zu den von mir vorgelegten Anträgen. Dadurch wird die schnelle Realisierung all dieser Projekte erst möglich. Ich bin sehr zufrieden mit der Diskussionskultur, es läuft alles sehr konstruktiv, zum Wohle unser Bürgerinnen und Bürger.

Was möchten Sie den Landkreisbürgern noch sagen?
Die Arbeit hat mir in den letzten zwölf Jahren sehr viel Freude gemacht, ich nehme sehr gerne Ihre Anliegen und Anregungen auf und versuche sie auch möglichst positiv umzusetzen. Auch freue ich mich sehr über die positive Resonanz und bitte um Ihr Vertrauen bei der anstehenden Wahl.

Die Fragen stellte Julia Riegler.