KITZINGEN

Bis zum letzten Bierkasten

Im Jahre 1998 lief der letzte Kasten Bier der Kitzinger Bürgerbräu vom Band. Nach 191 Jahren ging die Firmengeschichte zu Ende. Jetzt lebt sie im Museum wieder auf.
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Blick in die Vergangenheit: Welche Biere früher in Unterfranken hergestellt wurden, können die Besucher anhand einer Sammlung von Bierflaschen sehen, die bei der Wanderausstellung „Von Arauner bis Wüstenfeld“ im Kitzinger Stadtmuseum präsentiert wird. Foto: Foto: Waltraud Ludwig

Im Jahre 1998 lief der letzte Kasten Bier der Kitzinger „Bürgerbräu“ vom Band. Nach 191 Jahren ging die Firmengeschichte der ältesten bayerischen Exportbierbrauerei zu Ende. Ihr und anderen unterfränkischen Unternehmen ist die Wanderausstellung „Von Arauner bis Wüstenfeld“ gewidmet, die bis zum 13. September im Städtischen Museum Kitzingen gezeigt wird.

Die Wanderausstellung des Bezirks Unterfranken präsentiert eine Auswahl an Lebensmitteln, die in den vergangenen 100 Jahren von unterfränkischen Firmen produziert wurden. Die Besucher erhalten einen Einblick in die Vielfalt an Produkten und Produzenten, die ein Stück regionale Wirtschaftsgeschichte geschrieben haben. Einige Unternehmen existieren bis heute, andere sind inzwischen verschwunden. Neben Original-Verpackungen werden alte Werbeplakate, Etiketten, Fotos und andere Relikte aus den Firmengeschichten präsentiert. Dabei wird sichtbar, wie sich die Verpackung und Werbung im Laufe der Zeit gewandelt hat.

Älteste Exportbrauerei

Auch in Kitzingen gab es einige Unternehmen, die das städtische Wirtschaftsleben mitgeprägt haben und weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt waren. Hierzu gehörten mehrere Brauereien, darunter die „Bürgerbräu“. Die älteste bayerische Exportbierbrauerei wurde 1807 gegründet und schrieb fast 200 Jahre lang erfolgreiche Firmengeschichte. Jens Fiebig, Sohn der letzten Firmeninhaber, hat für die Ausstellung Fässer, eine alte Bierkiste und den letzten Bierkasten, der vom Band lief, zur Verfügung gestellt.

Verschwunden ist auch die Kitzinger Bonbonfabrik Wildhagen, die bis 1969 Süßwaren produzierte. Firmengründer August Wildhagen ließ 1914 eine prächtige Villa bauen und von dem bekannten unterfränkischen Holzbildhauer Heinz Schiestl ausstatten. Eines der Zimmer mit Holzvertäfelung und Schnitzereien kann jetzt, zusammen mit alten Bonbondosen, im Städtischen Museum besichtigt werden. Auch Produkte und Werbematerial der Firma Arauner werden präsentiert. Mit der Herstellung von Kunsthonig hat sich das Kitzinger Unternehmen einen Namen gemacht und bis heute erfolgreich auf dem Markt behaupten können. Anders erging es der Mainbernheimer Firma Bären-Schmidt.

1971 erwarb der Süßwarenhersteller Haribo die Anteilsmehrheit. 2009 verkaufte er das Backwarengeschäft an die Aachener Firma Lambertz. Seit 2010 werden in Mainbernheim ausschließlich Süßwaren von Haribo produziert, dessen Gesellschafter nun Alleininhaber des Traditionsunternehmens sind. Einige nostalgische Lebkuchendosen und Gussformen erinnern in der Ausstellung an die lange Erfolgsgeschichte der Firma Bären-Schmidt, die bis ins Jahr 1863 zurückreicht.

Wie Museumsleiterin Stephanie Nomayo bei der Ausstellungseröffnung sagte, soll die Präsentation nicht nur einen „nostalgischen Blick“ zurück in die Vergangenheit werfen, sondern auch zum Nachdenken über Produktionsbedingungen und Konsumverhalten anregen. Passend dazu ist ein Kunstprojekt von Schülern des Armin-Knab-Gymnasiums zu sehen, das sich kritisch mit der Nahrungskluft zwischen Arm und Reich auseinandersetzt. Schautafeln mit schockierenden Fotos und Infos über den Hunger in der Dritten Welt versuchen ebenfalls für das Thema zu sensibilisieren.

Neues Bewusstsein

Bezirksheimatpfleger Klaus Reder erinnerte in seinem Grußwort daran, dass Handel für Wohlstand sorgt. Die Ausstellung versuche, eine Brücke in die Vergangenheit zu bauen. Stellvertretender Landrat Paul Streng wies darauf hin, dass bei den Verbrauchern inzwischen ein neues Bewusstsein für regionale Produkte gewachsen sei. Kulturreferentin Brigitte Endres-Paul überbrachte die Grüße der Stadt und bedankte sich bei allen, die an der Ausstellung mitgewirkt haben.

Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnung von der Würzburger Schulband „Empire of dirt“.

Die Ausstellung „Von Arauner bis Wüstenfeld“ kann bis zum 13. September im Städtischen Museum Kitzingen dienstags bis sonntags von 15 bis 17 Uhr besichtigt werden.

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