SCHWARZENAU

Bis die Fetzen fliegen

In Schwarzenau wetteifern die Auszubildenden in der Landwirtschaft mit Motorsägen und Spaten.
Artikel drucken Artikel einbetten
Unter dem strengen Blick der anderen Auszubildenden: Ein angehender Landwirt mit Motorsäge. Foto: Robert Wagner

Die 51 jungen Auszubildenden in der Landwirtschaft haben sichtlich Spaß beim unterfränkischen Regionalentscheid des forstwirtschaftlichen Wettbewerbs – trotz gelegentlicher Schauer und tiefem Boden. Statt mit Rindern, Schweinen und Feldfrüchten haben sie am Dienstag in Schwarzenau mit Bäumen, Sägen und Spaten zu tun. Eine angenehme Abwechslung, mit ernstem Hintergrund.

Tödliche Unfälle im Wald

„Viele Landwirte haben im heimischen Betrieb auch Holz“, sagt Martin Mack, Ausbildungsberater vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schweinfurt. Insbesondere jetzt, wo Holz als Energieträger wieder interessanter und lukrativer werde. „Bei Landwirten sind schwere und tödliche Unfälle im Wald häufiger als bei den Forstwirten“, erklärt Prüfer und Forstwirtschaftsmeister Reinhold Schlosser. „Umso wichtiger ist es, dass die Auszubildenden den sicheren Umgang mit der Säge lernen.“ Die Aufgaben sind deshalb sehr realitätsnah gestaltet.

Am Morgen gab es bereits einen schriftlichen Wettbewerb. Welche Schutzmaßnahmen gibt es? Woran erkennt man Schädlinge? Am Nachmittag können die jungen Leute an vier Stationen ihr praktisches Geschick unter Beweis stellen. Beim „Kombischnitt“ geht es darum, einen in der Luft hängenden Stamm mit zwei Schnitten – von oben und unten – möglichst so durchzusägen, dass ein gerader Schnitt entsteht und die Säge nicht eingeklemmt wird. Beim „Präzisionsschnitt“ darf nicht in den Boden gesägt werden – sonst würde die Kette stumpf werden. Bei der dritten Station müssen die jungen Landwirte zehn Setzlinge in zehn Minuten pflanzen – möglichst gerade und im gleichen Abstand. Bei der letzten Station wird das Fällen eines Baumes simuliert. Ein Stumpf muss so angesägt werden, dass die Kerbe genau in Richtung Ziel zeigt. Fehler der Kollegen werden gerne kommentiert: „Der wär' genau auf dein Auto gefallen“, ruft einer seinem etwas bedröppelt dastehenden Schulkameraden zu.

Für jede kleine Abweichung gibt es Minuspunkte. Schließlich dürfen nur die drei Besten im Juni zum Landesentscheid nach Kehlheim. Durchfallen kann aber niemand: Alle haben bereits im Winter ihren Motorsägenschein gemacht.

Der Wettbewerb findet alle zwei Jahre für die Auszubildenden im ersten Berufsschuljahr statt. In den zwei folgenden Jahren müssen sich die angehenden Landwirte verstärkt in der Praxis beweisen. Statt vier Tagen an den Berufsschulen Ochsenfurt und Schweinfurt geht es dann vier Tage in den Betrieb. Nur ein Tag bleibt für die schulische Bildung. Trotzdem: „In den letzten Jahren hat der theoretische Teil der Ausbildung immer mehr Gewicht bekommen“, sagt Martin Mack. Heute müssen die jungen Landwirte viel mehr theoretisches Wissen in ihre Arbeit einbringen.

Einen Rückgang der Ausbildungszahlen kann Mack dabei nicht feststellen: „Im letzten Jahr hatten wir so viele Prüflinge wie seit 20 Jahren nicht mehr“, erzählt der Ausbildungsberater. Dieses Jahr werden es mehr als 100 im Bezirk Unterfranken.

Keine Nachwuchssorgen

Sorgen um den Nachwuchs macht sich Mack trotz der schwierigen Situation in der Landwirtschaft nicht. „Etwa 50 Prozent der Auszubildenden geht zurück an den Hof der Familie“, erzählt er. Knapp ein Viertel wird in landwirtschaftlichen Betrieben angestellt. Viele große Betriebe lagern bestimmte Arbeiten und Aufgaben an Dienstleister aus, so dass trotz sinkender Betriebszahl genug Arbeitsplätze vorhanden sind. Auch in anderen Bereichen, wie den kommunalen Bauhöfen, seien die jungen Landwirte gefragt. Das restliche Viertel geht laut Mack den Ausbildungsweg weiter. Ob Meister oder Agrartechniker: Das Einkommen ist mit höherem Abschluss deutlich höher. Es gäbe aber auch Absolventen, die einen ganz anderen Weg einschlagen: „Letztes Jahr gab es einen, der hat dann eine Ausbildung zum Bankkaufmann angefangen.“

Die 51 Teilnehmer am diesjährigen Wettbewerb haben noch ein wenig Zeit, sich für einen Weg zu entscheiden. Und wer weiß: Vielleicht verschlägt es einige von ihnen doch noch in die Fortswirtschaft. Nicht nur die drei Sieger haben sicherlich das Zeug dazu.

Die Erstplatzierten: Philipp Bräuchler aus Aichstetten, derzeit Lehrling an der Geflügelzuchtanstalt in Kitzingen; Gemeinsamer 2. Platz: Markus Bock und Sebastian Kraus, beide aus Rothof.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren