FRANKENWINHEIM

Biologischer Pflanzenschutz: Drohnen-Angriff auf Maiszünsler

Bislang half gegen den Mais-Schädling vor allem die chemische Keule. Das Verteilen von Schlupfwespen-Eiern war extrem mühsam. Doch jetzt gibt es ein neues Hilfsmittel.
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Die geöffnete Kugel enthält 1000 Schlupfwespen-Eier. Foto: Fotos: Mößlein
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Das Bombardement kommt aus heiterem Himmel. Während die Sonne vom weiß-blauen Himmel lacht, fliegt die Drohne mit sonorem Summen über den Maisacker und wirft kleine Kugeln ab. Dann herrscht wieder Frieden zwischen den Stängeln und Blättern. Mehr ist nicht passiert. Vorerst. Der Maiszünsler-Nachwuchs im Mais unweit der Holzhäuser Heiligkreuz-Kirche ahnt nicht, dass es um ihn jetzt vielleicht schon geschehen ist.

Sechs Propeller treiben die Drohne an

Diesen Motten, deren Larven sich als Fraßschädlinge in den Stängeln des Mais' breitmachen, hat der Angriff der Drohne gegolten. Die Kugeln aus Kartonage, die das von sechs Propellern angetriebene Fluggerät aus einem am Rumpf angebrachten Behälter abgeworfen hat, enthalten je 1000 Eier von Schlupfwespen (Trichogramma). Für Landwirte sind das Nützlinge. Denn in wenigen Tagen werden aus den Eiern junge Schlupfwespen schlüpfen, die sich über die Gelege des Maiszünslers auf den Maisblättern hermachen und dort ihre Eier in die des Maiszünslers legen. Als Parasiten wachsen die Schlupfwespen in den Maiszünsler-Raupen heran, was die Maiszünsler am Ende umbringt.

Neue Möglichkeit hat sich eröffnet

Der Einsatz von Nützlingen gegen Schädlinge ist in der Landwirtschaft nichts Neues. Doch Schlupfwespen-Eier per Drohne auszubringen, diese Möglichkeit des biologischen Pflanzenschutzes bietet sich noch nicht lange. Bislang mussten Landwirte, die auf ihren Äckern statt Chemie Schlupfwespen einsetzen wollten, die Nützlinge per Hand ausbringen.

Im Bereich der Maschinenringe (MR) Hofheim, Gerolzhofen und Rhön-Grabfeld ist in diesen Tagen ein Pilotprojekt angelaufen. Vier Betriebe aus dem Hofheimer Bereich, sechs aus Rhön-Grabfeld und ein Gerolzhöfer Betrieb lassen auf einer Maisanbau-Fläche von insgesamt 80 Hektar Schlupfwespen-Eier per Drohne abwerfen, berichtet Tino Scheithauer, Geschäftsführer des MR in Hofheim. Dort wurden die Daten der Landwirte gesammelt, die auf diese neue Form der Schädlingsbekämpfung setzen. „Das Interesse daran ist groß“, sagt Scheithauer, „doch viele warten erst einmal ab, wie der Erfolg ist.“

Maschinenring kooperiert mit BayWa-Tochter

Der MR fliegt die Drohnen nicht selbst, sondern kooperiert mit einer Tochterfirma der BayWa, der Smart Farming & Internationalisierung Agri-Services mit Sitz in München. Es ist einer von mehreren Dienstleistern auf dem Markt, die solche Drohnenflüge anbieten. Vergangenes Jahr hatte diese im Bereich des Hofheimer MR bereits Testflüge mit einer Drohne unternommen. In diesem Jahr werden drei zu Lastenträgern umgebaute Drohnen, auch Multicopter genannt, Schlupfwespen-Kugeln über rund 1000 Hektar Maisäckern in ganz Süddeutschland abwerfen, berichtet Josef Bosch, der Projektleiter der Firma. 400 Hektar davon liegen in Franken.

Pilot weiß exakt, wohin er fliegen muss

Die Flächen, über die die Drohnen fliegen, werden vorher exakt bestimmt. Der Pilot weiß so genau, wohin er die Drohne zu lenken hat. Theoretisch kann eine Drohne mit einer Ladung Kugeln bis zu 25 Hektar abdecken. Meistens sind es weniger, weil der Akku bei Maximallast zu schnell schlapp macht, erklärt Sebastian Schleicher, der die Drohne lenkt. Der Abwurf erfolgt automatisch. Der Pilot muss nur darauf achten, die Drohne mit einer Geschwindigkeit von sieben Metern pro Sekunde zu fliegen.

Jede Sekunde eine Kugel

Dann plumpst jede Sekunde ein Kügelchen aus etwa acht bis zehn Metern vom Himmel. Außerdem muss er natürlich auf Stromleitungen und andere Hindernisse im Luftraum achten.

Den Maisacker nahe der Holzhäuser Kirche, über dem die Drohne fliegt, bewirtschaftet Alexander Krauser. „Der Maiszünsler breitet sich immer weiter aus“, stellt er seit Jahren fest. Maispflanzen, deren Stängel vom Zünsler geschädigt sind, kippen leicht um. Der auf dem Boden liegende Mais sei kaum zu ernten, schildert er.

Hinzu kommt, dass vom Schädling befallener Mais meistens mit Pilzen verseucht ist, was ihn als Viehfutter unbrauchbar macht, ergänzt MR-Geschäftsführer Scheithauer. Um ein Überwintern des Maiszünslers zu verhindern, müsste der Maisstängel bei der Ernte möglichst bodennah gekappt werden, da sich der Schädling im untersten Knoten des Stängels einnistet. Beim Dreschen werden die Stängel jedoch – anders als beim Häckseln – normalerweise weiter oben geschnitten.

Manche Äcker sind stärker gefährdet als andere

Deshalb lässt Krauser in diesem Jahr Schlupfwespen-Eier auf den Äckern abwerfen, auf denen im Vorjahr bereits Mais stand, und dort, wo er Mais gedroschen hat, sowie auf Parzellen, wo ringsum viel Mais angebaut wurde. Dies sind die Flächen, auf denen die Gefahr am größten ist, dass sich dort in diesem Jahr der Maiszünsler ausbreitet. Insgesamt lässt Krauser die Hälfte seiner Maisflächen befliegen. „Ich möchte Schlupfwespen-Eier nicht auf 25 Hektar mit der Hand ausbringen“, sagt der Landwirt aus Holzhausen.

Beim Spritzen sind Schäden unvermeidbar

Bisher hat Krauser chemische Mittel gegen den Maiszünsler eingesetzt. Doch zum passenden Spritzzeitpunkt steht der Mais in der Regel schon gut eineinhalb bis zwei Meter hoch. Deshalb müssen spezielle Hochrad-Schlepper aufs Feld, erklärt Scheithauer, um die Pflanzen nicht abzubrechen. Dennoch sind Schäden am Mais entlang der Fahrspur nicht zu vermeiden, meint Krauser. Beim Drohneneinsatz ist diese Gefahr ausgeschlossen.

Die Kosten beider Methoden liegen nicht weit auseinander. Für den den Drohnen-Einsatz verlangt seine Firma 93 bis 97 Euro pro Hektar für das empfohlene zweimalige Befliegen im Abstand von etwa zehn bis 14 Tagen, inklusive Schlupfwespen-Kugeln und Datenerfassung, berichtet Projektleiter Bosch.

Die Eier kommen gekühlt und just in time

Die Kugeln mit den Schlupfwespen-Eiern werden zum berechneten optimalen Ausbringtag extra aus der Schweiz, direkt vom Hersteller, geliefert – gekühlt, ansonsten könnten die Wespen zu früh schlüpfen.

Die herkömmliche chemische Maiszünsler-Behandlung kommt laut Scheithauer auf etwa 80 Euro pro Hektar – mit besagten Auswirkungen auf Pflanzen und Boden, der verdichtet wird. Wenn es zu feucht ist, können Schlepper überhaupt nicht auf die Felder fahren. Zudem schädigen manche Spritzmittel nicht nur den Maiszünsler, sondern auch Nützlinge, wie die Marienkäfer.

Erfolsquote soll so hoch sein, dass es keine Ertragseinbußen mehr gibt

Glaubt man Projektleiter Bosch, hat die Bekämpfung per Drohne im vergangenen Jahr 90 Prozent der Schädlinge auf den behandelten Flächen den Garaus gemacht. Erfahrungen des Landesamts für Landwirtschaft (LfL) in Freising setzen die Erfolgsquote niedriger an. Dort rechnet man mit 75 Prozent – vergleichbar mit den Mittelwerten chemischer Mittel. Doch selbst ein Erfolgswert von 55 Prozent reiche aus, um den Befallsdruck so zu senken, dass Landwirte keine Ertragseinbußen verzeichnen müssten, berichtet das LfL.

Natürliche Feinde

Schlupfwespen sind Gegenspieler des Maiszünslers, einer Motte. Diese legen ihre Eier als Parasiten in die des Zünslers. So wachsen darin statt Zünslerraupen Wespenlarven. Die Wespen-eier müssen zwei bis drei Tage vorm Schlüpfen der Nützlinge ausgebracht werden. Zu diesem Zeitpunkt müssen die Zünslereier auf den Maisblättern abgelegt sein.

Der Zuflug des Zünslers aus vorjährigen Maisschlägen erreicht im Juli den Höhepunkt. Aus dessen Gelegen schlüpfen nach gut einer Woche Raupen, die sich in den oberen Teil der Maispflanze bohren. Von dort fressen sie sich im Stängelmark nach unten; der Stängel wird instabil und die Pflanze kippt leicht um. Im untersten Knoten des Stängels überwintern sie.

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