Kitzingen

Bier-Pfand: Brauereien fordern Ende des Verlustgeschäfts

Das Pfand für Bierkisten und -flaschen hat sich lange nicht erhöht. Brauereien zahlen drauf. Doch das Pfand zu erhöhen, schafft neue Probleme, sagen Brauer der Region.
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Mitarbeiterin Stefanie Hofer fischt in der Krautheimer Brauerei aus dem angelieferten Leergut die Flaschen heraus, die nicht passen, defekt sind oder grobe Fremdkörper beinhalten. Danach verschwinden die Flaschen in der automatischen Waschanlage. Foto: Michael Mößlein
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Braumeister Karl Wolf hat im Jahr 1984 von seinem Vater die Familienbrauerei in Rüdenhausen übernommen. Vieles hat sich seitdem verteuert beim Bierbrauen: Rohstoffe, Energie, Löhne. Nur eines blieb immer gleich: das Pfand für Bierflaschen und -kisten. Selbst als Anfang 2002 der Euro kam, wurde das D-Mark-Pfand nur umgerechnet. Die Standardbierflasche kostet seitdem acht Cent Pfand, die Flasche mit Bügelverschluss 15 Cent und die Kiste 1,50 Euro – und damit seit langem weit weniger als die Beschaffungspreise für Flaschen und Kisten.

Gespräche zwischen Brauerei-Verbänden und Handel gehen weiter

Vor wenigen Tagen hat der Verband Private Brauereien Bayern angekündigt, 40 Brauereien im Freistaat möchten ab März 2020 das Pfand auf sechs Euro für eine Kiste erhöhen, falls Brauereiverbände und Handel sich bis Ende dieses Jahres nicht auf eine deutschlandweit geltende Erhöhung des Pfands verständigen sollten. Dahinter steckt eine kalkulierte Provokation, gibt der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Stefan Stang, gegenüber dieser Redaktion zu. "Wir gehen nicht blauäugig vor, die Rahmenbedingungen müssen passen", setzt er auf Einigung in den Gespräche zwischen Brauer-Verbänden und Handel, die kommende Woche weitergehen. Ein Pluspunkt aus seiner Sicht: Die Politik ist auf das Thema aufmerksam geworden. Auch das Umweltbundesamt unterstütze die Forderung nach höherem Pfand.

"Eine Pfanderhöhung würde uns extrem gut tun."
Jacob Pritzl, Kauzen-Bräu in Ochsenfurt

Die Brauereien der Region verfolgen die Debatte mit gemischten Gefühlen. Dass das Pfand erhöht werden muss, darüber sind sich alle befragten Brauer einig. "Generell soll das Pfand die Beschaffung decken", meint Friedrich Düll, Inhaber der Krautheimer Brauerei. Schon allein, um wirtschaftlichen Schaden durch verloren gehende Kisten und Flaschen auszugleichen. Gute fünf Euro zahlt etwa die Brauerei Kesselring in Marktsteft für eine Kunststoff-Bierkiste, sagt Geschäftsführer Peter Himmel. Wer kleine Mengen kauft, zahlt deutlich mehr. Braumeister Wolf berichtet von fast zehn Euro pro Kiste, wenn er 100 Kisten bestellt.

Bei den Flaschen ist es ähnlich. Eine Standardflasche kostet Wolf 20 Cent. Auch bei größeren Margen liegt der Preis pro Flasche nur knapp darunter. "Eine Pfanderhöhung", fast Jacob Pritzl, Assistent der Geschäftsleitung von Kauzen-Bräu in Ochsenfurt, zusammen, "würde uns extrem gut tun."

Doch löst ein höheres Pfand alle Sorgen der Brauer? Sicherlich nicht, findet Friedrich Düll. Ein höheres Pfand sorge nicht automatisch dafür, dass Verbraucher Flaschen und Kisten schneller zurückbringen – wenn überhaupt. In manchen Lagern von Großhändlern und Märkten stapelt sich das Leergut, das gerade im Sommer den Brauereien zum Befüllen fehle. Logistikprobleme, auch bedingt durch fehlende Fahrer, sind eine der Ursachen dafür. Jacob Pritzl berichtet wie andere Brauereien von Problemen insbesondere im Sommer, Leergut zurückzuerhalten.

Ungelöste Fragen drängen sich auf

Hinzu kommen ungelöste Fragen im Zusammenhang mit einer Pfanderhöhung: Wer trägt beispielsweise die Differenz, wenn Kisten, die mit altem Pfand ausgegeben wurden, bei neuem Pfand zurückgegeben werden? "Am Ende des Tages wohl die Brauereien", befürchtet Lothar Ebbertz, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbunds in München und spricht in der Summe von einem drohenden Schaden von 500 Millionen Euro für die Brauereien. Er plädiert dafür, das Pfand erst dann zu erhöhen, wenn eine Gesamtlösung ausgearbeitet ist und fürchtet, dass das "derzeitige Hin und Her" in der Pfand-Diskussion "mehr Schaden als Nutzen anrichtet". Auch Peter Himmel setzt auf eine "vernünftige Lösung in den Verbänden", dieser werde sich Kesselring anschließen.

Friedrich Düll aus Krautheim, der von 2011 bis 2016 Präsident des Bayerischen Brauerbunds war, weist auf ein weiteres, grundsätzliches Problem hin: Die Kapazitäten der Kistenhersteller reichten nicht aus, wenn alle Brauereien neue Kisten mit einer Markierung für das höhere Pfand bräuchten. Jacob Pritzl berichtet schon jetzt von einem halben Jahr Vorlaufzeit, wenn er Kisten bestellt. Zudem müssten laut Düll sämtliche Leergutautomaten umprogrammiert werden. Und er fragt sich: Führt eine Pfanderhöhung letztlich nicht nur dazu, dass mehr Bier in Einwegflaschen verkauft wird, ähnlich wie bei den Erfrischungsgetränken, bei denen das Pfand seit Jahren 25 Cent beträgt?

"Wenn jeder regional einkaufen würde, dann gäbe es das Problem nicht."
Friedrich Düll von der Krautheimer Brauerei

Gute Erfahrungen mit höherem Pfand hat Erik Löschner gemacht, der mit Bastian Kiemer seit 2010 die Albertshöfer Sternbräu betreibt. Die Kleinbrauerei ist ein Sonderfall. Sie füllt ihr Bier in eigene Bügelflaschen ab, für die sie einen Euro Pfand verlangt. Das Pfand für die 16er-Bierkiste aus Holz – angefertigt in den Mainfränkischen Werkstätten – beträgt acht Euro. Für Kiste und Flaschen zusammen macht das 24 Euro Pfand. Dies deckt in etwa die Herstellungskosten und funktioniert, auch weil seine Kunden überwiegend aus der Region kommen und ihr Bier direkt in der Brauerei abholen, berichtet Löschner. Zusätzlich auf die im Handel üblichen Kunststoffkisten wird er erst setzen, wenn das Pfand die Herstellungskosten deckt.

Auch die Brauerei Wolf in Rüdenhausen hat im Januar das Pfand erhöht: von branchenüblichen 3,10 auf fünf Euro für die Kiste mit Flaschen. Der Effekt war gut, sagt Braumeister Karl Wolf. Es kommen seitdem mehr Kisten zurück. Auch er verkauft sein Bier nur an Selbstabholer und nicht im Handel.

Kleine Brauereien haben es in einem Punkt leichter

"Wenn jeder regional einkaufen würde, dann gäbe es das Problem nicht", meint Friedrich Düll mit Blick auf das Pfand, das die Herstellungskosten nicht deckt, und die schlechte Rücklaufquote beim Leergut. Je höher die Marktdurchdringung einer Brauerei ist, desto besser ist der Rücklauf, hat er festgestellt. Dies sei ein Vorteil kleiner Brauereien, die ihr Bier fast nur im nahen Umfeld verkaufen.

In seiner Brauerei in Krautheim kämpft Düll dagegen zusätzlich mit dem Problem, dass bei ihm Leergut landet, das nicht von ihm stammt. Bei den Standardbierflaschen, den seit den 1990er Jahren üblichen länglichen NRW-Flaschen und den etwas bauchigeren Euro-Flaschen, ist das einfach zu lösen: Beim Spülen der Flaschen verschwindet das fremde Etikett, in die Flasche fließt dann Krautheimer Bier, eigene Etikette drauf, fertig. Anders sieht es mit Flaschen aus, die nicht zum Krautheimer Sortiment passen, etwa Flaschen, die Großbrauereien mit eigenem Namen branden. Diese kann Düll nur über den Handel zurückgeben, zum üblichen Pfand. Bügelverschluss-Flaschen, in die die Krautheimer Brauerei nicht abfüllt, tauscht Düll ebenso wie kleinere Flaschen direkt mit anderen Brauereien gegen Standardflaschen aus.

Reaktionen der Konsumenten spielen eine Rolle

Dass es rasch zu einer Einigung auf ein bundesweit höheres Pfand kommt, glaubt keiner der Befragten. "Der Getränkehandel", meint Friedrich Düll, "hat kein Interesse an einer Pfanderhöhung." Womöglich spielt auch die Furcht eine Rolle, höheres Pfand könnte Konsumenten verschrecken. Dies sorgte bei der Euro-Umstellung dafür, die Pfandpreise eins zu eins umzurechnen. Damals, so Düll rückblickend, wäre eine Erhöhung zumindest technisch und logistisch ohne Aufwand umsetzbar gewesen.

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