MARKTSTEFT

Biblische Geschichte vom armen und reichen Mann

Musik, Malerei und historische Kunst: „Wir versuchen heute etwas Neues im Gemeindehaus, wir loten die Möglichkeiten nach der Umgestaltung aus“, sagte Pfarrer Peter Stier am Freitagabend bei der Vorstellung des jüngsten, gleichzeitig wohl ältesten Schmuckstücks im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde Marktsteft. Warme, weiche, volle Harfenklänge des Duos La Rose erfüllen den gut besuchten großen Saal im Gemeindehaus, bunte Landschafts- und Blumenaquarelle von Paula Rosenberger stehen verteilt im Raum.
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Historisch: Eine Ofenplatte aus dem Jahr 1587 ziert seit Freitag den Saal im Marktstefter Gemeindehaus. Das Foto zeigt Pfarrer Peter Stier und die Witwe des Stifters, Carmen Weiß. Foto: Foto: Robert Haaß

Musik, Malerei und historische Kunst: „Wir versuchen heute etwas Neues im Gemeindehaus, wir loten die Möglichkeiten nach der Umgestaltung aus“, sagte Pfarrer Peter Stier am Freitagabend bei der Vorstellung des jüngsten, gleichzeitig wohl ältesten Schmuckstücks im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde Marktsteft. Warme, weiche, volle Harfenklänge des Duos La Rose erfüllen den gut besuchten großen Saal im Gemeindehaus, bunte Landschafts- und Blumenaquarelle von Paula Rosenberger stehen verteilt im Raum.

An der Seitenwand prangt der eigentliche Anlass des Abends, die gut einen Quadratmeter große, gusseiserne Ofenplatte aus dem Jahr 1587. Und dazu hat Peter Stier eine ganze Menge zu erzählen.

Zunächst mag es etwas befremdlich erscheinen: Eine Ofenplatte als Schmuckstück in einem kirchlichen Gemeindesaal. Doch die Realität zeigt: Sie ist nicht nur tatsächlich schmuck, die Ofenplatte, sie erzählt auch eine Geschichte, wie sie besser nicht in einen solchen Raum passen würde: „VON DEM REICHEN MAN UND ARMEN“ steht auf der Platte und sie stellt die biblische Geschichte vom reichen Mann und armen Lazarus dar, die bei Lukas Kapitel 16 Vers 19-31 nachzulesen ist.

Grundmotiv ist also die Gerechtigkeit Gottes, die Frage nach Gut und Böse, wer als Reicher nichts für die Armen tut, der kommt in die Hölle. Die auf der Welt zu kurz kommen, denen öffnet sich der Himmel. Eine Mahnung, die angesichts der Flüchtlinge heute nichts an Aktualität verloren hat.

Jost Luppold aus dem nordhessischen Treysa hat die Platte geschaffen, deren Ofen sicher einmal ein wohlhabendes Haus geschmückt hat. Wenig ist über den Formenschneider und Gießer bekannt, er war Schüler des spätgotischen Steinmetzes, Holzschnitzers, Baumeisters und Malers Philipp Soldan und hat wohl Mitte bis Ende des 16. Jahrhunderts gearbeitet. Nur im Universitätsmuseum in Marburg gibt es einige Fragmente von Ofenplatten, die Luppold zugeschrieben werden.

Gestiftet wurde die Platte der Kirchengemeinde von Marktsteft von Hubert Weiß, der im vergangenen Jahr gestorben ist. Wie seine Witwe Carmen Weiß am Freitagabend erzählte, hatte der Vater ihres Ehemannes die Platte wohl Ende der 60er Jahre als Abdeckung einer Güllegrube in Heustreu im Grabfeld gefunden, sie war seitdem in Familienbesitz. Hubert Weiß' Wunsch war es, das Werk in einem öffentlichen Raum auszustellen und so stiftete er sie der Kirchengemeinde Marktsteft.

Nach der Restaurierung durch den Obernbreiter Oswald Pfister hatte Stier mit dem neuen Gemeindesaal dann recht schnell den geeigneten Ort für die Platte gefunden.

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