KITZINGEN

Bewegung erhält Leistungsfähigkeit bis ins Alter

Mit einem Vortrag zur Frage, ob Bewegung schlau mache, begannen am Freitag im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes die 14. Aktionswochen 60+ des Landkreises.
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Die Aktionswochen wurden von Professor Stefan Voll, Landrätin Tamara Bischof und Volls Mitarbeiterin Larissa Moritzer in Sitzungssaal des Landratsamtes feierlich eröffnet. Foto: Foto: Gerhard Bauer

Mit einem Vortrag zur Frage, ob Bewegung schlau mache, begannen am Freitag im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes die 14. Aktionswochen 60+ des Landkreises.

Landrätin Tamara Bischof nannte „Gesund und fit im Alter“ als Schwerpunktthema und wies darauf hin, das derzeit mehr als 900 Bürger im Landkreis älter als 90 Jahre seien. Die Lebenserwartung habe sich in den vergangenen 100 Jahren mehr als verdoppelt.

Für den einzelnen sei es oft nicht leicht herauszufinden, wie er bis ins Alter gesund und fit bleiben könne. Selbst Mediziner seien da nicht immer einig. Werde der Arzt dann doch benötigt, sei die Hausarztversorgung nicht mehr überall gewährleistet. Sie versicherte, dass das Landratsamt die Entwicklung in den kommenden Jahren im Auge behalten werde.

Sie kündigte weiter die Einrichtung eines Pflegestützpunktes für den Landkreis als zentrale Anlaufstelle an, damit im konkreten Pflegefall ein erster Ansprechpartner für alle zu klärenden Fragen zur Verfügung steht. Neben Ansprechpartnern des Pflegebereiches sollen auch Vertreter der Pflegekassen vertreten sein.

160 Veranstaltungen

Die Aktionswochen 60+ finden noch bis zum 22. Oktober im Landkreis statt, es werden von Kirchen, Verbänden, Vereinen, Selbsthilfe- und Helfergruppen sowie Gemeinden vier Wochen lang rund 160 Einzelveranstaltungen angeboten.

Hereingetragene Stühle reichten kaum, allen Teilnehmern an der Eröffnungsveranstaltung Sitzplätze zu bieten. Professor Stefan Voll von der Universität Bamberg referierte zum Leitthema und stellte fest, dass sich die Lebensverhältnisse enorm verändert hätten und technisch-global-medial immer mehr Möglichkeiten der medizinischen Versorgung angeboten seien. Das Freizeit- und Medienangebot biete Raum für individuelle Neigungen.

Negativ zu bewerten seien jedoch die Reizüberflutung, der Verlust von Halt, Orientierung und Natürlichkeit. Als Beispiel nannte er den verstärkten Ausfall der Dorfgemeinschaft als soziales Umfeld. Früher habe der Bezugskreis um das Wohnhaus sechs Kilometer betragen, heute seien es 60 Kilometer. Neben den Sozialkontakten gehe auch die Bewegung mit Auswirkung auf die Fitness verloren. Wer fit ist, erweise sich jedoch als stressresistent und gesundheitlich widerstandsfähig. Die Frage dürfe nicht mehr lauten, was krank mache, sondern was gesund erhalte.

Auch Bildung brauche Bewegung. Der dadurch gesteigerte Blutkreislauf im Körper befördere mehr Sauerstoff ins Gehirn und steigere so die geistige Leistungsfähigkeit, wie Versuche bewiesen. Je mehr Körperregionen an der Bewegung beteiligt seien, umso mehr seien auch an Lernprozessen beteiligt und umso besser werde erworbenes Wissen gespeichert. Durch Alterung und weniger Denkprozesse komme es zu einem schlechteren Lernvermögen.

Fähigkeiten fördern

Unter Einbezug aller Teilnehmer im Saal ließen Voll und seine Mitarbeiterin Larissa Moritzer komplexe Bewegungsabläufe üben, um den beiden Gehirnhälften unterschiedliche Aufgaben zu stellen. Diese Aufgaben, so Voll, förderten eine ganze Reihe geistiger und körperlicher Fähigkeiten. An Schulen werde dreimal wöchentlich „BekoAk“ (Bewegung zur kognitiven Aktivierung) geübt, damit steige der Leistungslevel durch bessere Konzentration. Insgesamt komme es durch mehr Bewegung zu einer Besserung des Alltags, dazu könne schon eine wöchentliche aktive Pause von 15 Minuten beitragen.

Die Eröffnungsveranstaltung wurde vom Musikduo Sandrose musikalisch begleitet.

Die Aktionswochen gehen am 22. Oktober um 14 Uhr mit der Veranstaltung „Gesundheit und Fitness im Alter – die etwas andere Sprechstunde“ mit Chefarzt Wolfgang Karmann und seiner Kollegin Stefanie Held von der Klinik Kitzinger Land im Landratsamt zu Ende.

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