KITZINGEN
Ausstellung

Bewegendes zu Richard Rother

"Richard Rother brachte Franken nach dem Krieg ein Stück heile Welt zurück", sagte Klaus Christof bei der Eröffnung des zweiten Teils der Richard-Rother-Ausstellung in der Kitzinger Rathaushalle.
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Eindringliche Worte: Klaus Christof am Freitag in Kitzingen bei seiner Rede zur Eröffnung der Rother-Ausstellung „Druckgrafik 1920 bis 1950“. Foto: Norbert Hohler
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„Richard Rother brachte Franken nach dem Krieg ein Stück heile Welt zurück“, sagte Klaus Christof vom Kulturverein PAM am Freitagabend bei der Eröffnung des zweiten Teils der Richard-Rother-Ausstellung („Druckgrafik 1920 bis 1950“) in der Kitzinger Rathaushalle.

Rothers Beliebtheit ist offensichtlich: Die Reihen sind voll besetzt insbesondere mit Menschen, denen der Bildhauer und Holzschnitzer mit seinen Werken nach 1945 viel Freude bereitet hat. „Es ging nach dem Krieg vorrangig um zwei Dinge: Die Entnazifizierung gut zu überstehen und etwas zu Essen zu organisieren. Beides hat Rother in kürzester Zeit geschafft“, so Christof.

Zuvor hatte der Eröffnungs-Redner kritische Anmerkungen zu einigen Werken des Künstlers gemacht, die zwischen 1933 und 1945 entstanden sind und in der Ausstellung zu sehen sind. „Bei ihm gibt es oft nur Andeutungen, in wenigen Werken ganz klare Botschaften, die aus heutiger Sicht nicht mehr tragbar sind.“ Christof hielt Rother zugute, der Verführung durch Propaganda erlegen zu sein – wie die meisten Deutschen. „Deshalb können wir nur Mutmaßungen darüber anstellen, welcher Teufel ihn bei bestimmten Werken geritten hat."

Diesen Teil von Rothers Wirken zu verstecken, hielte Christof für falsch: „Die Zeit hat die Künstler beeinflusst. Aber feszuhalten ist auch, das Andere bereit waren, die Konsequenzen zu ertragen, die auf ihre ablehnende Haltung den Nazis gegenüber folgten.“

Christof bemängelte die Konformität von Diskussionen auf allen Ebenen und forderte dazu auf, wachsam zu bleiben, den eigenen Standpunkt stets kritisch zu hinterfragen: „Was ist aus der Feststellung geworden, vom deutschen Boden soll nie mehr Krieg ausgehen? Was passiert mit den Rechten von Flüchtlingen, die nach dem Krieg im Grundgesetz verankert wurden?“ Der Mainstream behaupte, das Boot sei voll. „Wo sind die Helden, die sich gegen diese falsche Behauptung stellen?“

Christof bekam für seine nachdenklichen Worte viel Applaus. Bei den anschließenden Gesprächen im Foyer stieß die kurz vorher bekannt gewordene Umbenennung der Richard-Rother-Realschule hingegen auf Ablehnung. „Ich bin bestürzt, was Sie mir ihren Beiträgen angerichtet haben“, fand Willi Hertlein. Der Stadtführer bot der Presse gar  „Nachhilfe in Sachen kulturgeschichtliche Leistung Richard Rothers" an.

Volkmar Röhrig, Organisator der Word-Press-Ausstellungen in Kitzingen, bemängelte die unterbliebene Auseinandersetzung mit den kritischen Rother-Werken. „Es wurde der bequemere Weg gegangen, den Schulnamen zu ändern.“ Das Kultusministerium wolle Ruhe, die werde nun einkehren. Alfred Rückel aus Prichsenstadt, Vater des Rektors der Kitzinger Realschule, bemängelte das Drängeln bei der Namensfrage. „Schüler, Lehrer und Schulleitung mussten Prüfungen abhalten und Noten vergeben, die für die Zukunft der jungen Menschen entscheidend sind. Das war im Moment wichtiger als alles Andere“.


Wegen Rothers Kunstwerke zur NS-Zeit wurde die Kitzinger Realschule umbenannt - lesen Sie hier

Das bewegendste Bekenntnis zu Richard Rother jedoch gab Rudolf Meder ab. Der langjährige Chefarzt des städtischen und später des Kreiskrankenhauses Kitzingen erzählte, dass sein Vater Sozialdemokrat war, deswegen von den Nazis ins Gefängnis gesteckt wurde. Er selbst habe nur mit dem Trick, einem nationalkonservativen Flugverband beizutreten, auf dem Gymnasium bleiben können. „Ich habe Richard Rother kennengelernt und behandelt, ohne von den kritisierten Werken etwas zu ahnen. Aber ich sagen Ihnen: 70 Jahre nach Kriegsende sollte man vergeben und verzeihen, die Dinge ruhen lassen“, so der 98-Jährige.

Die Ausstellung ist noch bis 30. August täglich (10 bis 18 Uhr) geöffnet; der Eintritt ist frei. Weitere Infos: www.richardrother-kitzingen.de

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