OBERNBREIT

Bewegende Leben

Die Feier im Rathaussaal Obernbreit war der Abschluss eines außergewöhnlichen Projekts: Über 15 Monate hatten zehn Oberstufen-Schüler des Marktbreiter Gymnasiums an einem Buch gearbeitet.
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Lebensgeschichten: Zehn Marktbreiter Gymnasiasten fragten Menschen nach ihren Lebenserfahrungen und machten daraus ein Buch. Im Obernbreiter Rathaus wurde es vorgestellt. Foto: Foto: Löther

Die Feier im Rathaussaal Obernbreit war der Abschluss eines außergewöhnlichen Projekts: Über 15 Monate hatten zehn Oberstufen-Schüler des Marktbreiter Gymnasiums an einem Buch gearbeitet. Sie trafen sich mit Menschen mit viel Lebenserfahrung und haben sich aus deren Leben erzählen lassen. Aus diesen Geschichten ist das Buch „Was mein Leben prägt und trägt“ entstanden, das nun vorgestellt wurde.

„Als unser Seminarleiter sagte, wir würden ein Buch mit Lebensgeschichten herausgeben, konnten wir uns kaum vorstellen, wie wir das zu Stande bringen würden“, sagte Rebecca Zaumsegel. „Aber nach und nach ist es gewachsen.“ Philipp Schmidt stellte den Gästen, darunter die Interviewten und ihre Familien, Schulleiter Friedhelm Klöhr, Bürgermeister Bernhard Brückner und Sponsoren, das 106 Seiten starke Werk vor.

Frei nach dem Motto „Was mein Leben prägt und trägt“ schildern die zehn Schüler Geschichten von Menschen aus Marktbreit, Obernbreit, Martinsheim und Umgebung, die Erfahrungen und Momente aus ihren jungen Jahren schilderten, oft geprägt von Kriegszeit, Flucht, Vertreibung oder Not. „Ich wundere mich bis heute, wie wir die Kraft hatten, alles zu überstehen“, wird eine Frau rückblickend auf diese Zeit zitiert.

Es gibt auch Herzerwärmendes zu lesen – und manches zum Schmunzeln. Sogar eine Detektivgeschichte ist dabei: „Ich habe mich an den Scheibenwischern festgehalten, als sie mit mir auf der Kühlerhaube losgefahren sind“, erzählte Helga Woods von ihrem Einsatz als Detektivin in den USA. Teils über 70 Jahre zurückliegende Erlebnisse werden lebendig und geben Einblicke in die damalige Zeit.

Eine Zeit ohne Telefon

Eine Passage im Buch zitiert den Unterickelsheimer Landwirt Adolf Willfahrt. Er erinnerte sich an die Geburt seiner Kinder – in einer Zeit, als ein Telefon im Haus noch keine Selbstverständlichkeit war: „Wir hatten einen kleinen Landwirtschaftsbetrieb. Deshalb musste ich daheim bleiben, als meine Frau zur Entbindung nach Uffenheim ins Krankenhaus gekommen ist. Hier im Dorf gab es nur zwei Telefonapparate, einen beim Landrat, der gleich gegenüber gewohnt hat, und einen beim Schmied. Die ersten Glückwünsche habe ich vom Landrat bekommen, der mir zu einem Mädchen gratulierte. Kurz darauf kam auch der Schmied vorbei und gratulierte mir zu meinem Sohn. Ich war ganz schön verwirrt. Ich dachte doch, wir haben eine Tochter bekommen. Der Schmied klärte mich auf, dass es Zwillinge sind – und zwar ein Mädchen und ein Junge.“

„Ohne Sie und Ihre Bereitschaft, uns aus Ihrem Leben zu erzählen, wäre unser Projekt nicht möglich gewesen“, bedankte sich Valerie Demuth bei der Buchvorstellung bei den Gesprächspartnern. Sie dankte auch den Geldgebern, die die Herausgabe des Buchs unterstützten und Obernbreits Bürgermeister Bernhard Brückner, von Beruf Industriemeister Druck, der die Drucklegung betreute. Schulleiter Klöhr hob hervor, welch ein Schatz an Erfahrungen in dem liegt, was ältere Menschen erzählen.

Seminarleiter Pfarrer Matthias Wagner sagte: „Dieses Projekt war ein Wagnis: Würden wir Menschen finden, die bereit wären, einem Jugendlichen aus ihrem Leben zu erzählen?“ Die intensiven Gespräche, die zwischen den Generationen zustande kamen, hätten dies in bester Weise erfüllt. Auf das Buch könne jeder Schüler stolz sein. Das Interesse daran ist groß. Die erste Auflage wurde mit 150 Exemplaren gedruckt und ist fast vergriffen. Eine zweite Auflage wird gerade gedruckt.

„Was mein Leben prägt und trägt“: Das Buch kostet fünf Euro und kann hier gekauft werden: In Marktbreit bei Schreibwaren Högner und im AWO- Haus der Senioren sowie in Ochsenfurt in der Buchhandlung am Turm.

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