Eine junge Frau hatte sich in bierseliger Stimmung aus einer Wohnung im ersten Obergeschoss abgeseilt. Allerdings hielten die zehn Kleidungsstücke, die zu einem Strick verknotet waren, der Belastung nicht stand. Die 19-Jährige stürzte etwa vier Meter in die Tiefe, kam aber mit leichten Verletzungen davon, weil sie auf dem Rasen landete. 20 Minuten nach Mitternacht hatte sich eine Anruferin gemeldet, die als erste auf das nächtliche Geschehen aufmerksam wurde, das sich vor ihren Augen abspielte.

Die Zeugin hatte nämlich von der Straße aus beobachtet, wie sich eine Frau aus einem Fenster abseilte und dann in die Tiefe stürzte. Die Mitteilerin hatte keine Chance, die zu diesem Zeitpunkt unbekannte Kletterkünstlerin festzuhalten. Diese machte sich humpelnd aus dem Staub.

Eine Streifenbesatzung der Würzburger Polizei verschaffte sich mit Hilfe einer Leiter über das geöffnete Fenster Zutritt zu der betreffenden Wohnung, um herauszufinden, was der mögliche Auslöser für die Abseilaktion war. Zudem konnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgeschlossen werden, dass die aus mehreren Metern abgestürzte Frau schwere Verletzungen erlitten hatte und nun irgendwo herumirrt.

Allerdings war die 19-Jährige zunächst spurlos verschwunden. In der Wohnung, in der sich niemand mehr aufhielt, stellten die Beamten fest, dass die Frau etwa zehn Kleidungsstücke verknotet und das Ende am Griff der Küchentüre befestigt hatte. Mit Hilfe vorgefundener Handynummern gelang es den Polizisten, das Rätsel nach und nach zu lösen. Über den Kontakt mit Mitbewohnern wurde die 19-Jährige zwei Stunden nach dem Vorfall in einer Würzburger Diskothek ausfindig gemacht.

Die junge Frau, bei der ein Alcotest einen Wert von fast 1,4 Promille ergab, erklärte, sie verspüre lediglich Schmerzen am Knöchel. Sie wurde dann vom Rettungsdienst zur Beobachtung in eine Würzburger Klinik gebracht.

Was letztendlich zu dem filmreifen Ausstieg aus dem Fenster geführt hatte, fanden die Ordnungshüter auch heraus:
Eine Mitbewohnerin hatte die 19-Jährige in der gemeinsamen Wohnung zurückgelassen und die Türe versperrt. Dadurch sollte verhindert werden, dass die offensichtlich Betrunkene, die zu diesem Zeitpunkt schlief, das Haus verlassen konnte. Die Studentin wollte sich, als sie wieder wach wurde, damit aber offenbar nicht abfinden. Da der Freiheitsdrang zu groß war, kam sie auf die Idee, das Zimmer kletternd mit Hilfe der zusammengeknoteten Kleidungsstücke zu verlassen. Nur dem Umstand, dass die 19-Jährige auf dem Rasen landete, ist es zu verdanken, dass die äußerst gefährliche Klettertour glimpflich verlaufen ist.