Mit zwei Promille und vermutlich in Selbstmord-Absicht hat eine 25-Jährige in Würzburg mit ihrem Auto bei hoher Geschwindigkeit auf der Gegenfahrbahn einen Frontal-zusammenstoß provoziert. Vergebens hatte eine Erzieherin am Steuer des entgegen kommenden Autos abgebremst, gehupt und Lichtzeichen gegeben. Eine Chance zum Ausweichen hatte sie nicht, da, von der Mergentheimer Straße durch einen hohen Bordstein abgegrenzt, der Gleiskörper der Straßenbahn war.
Ein Schöffengericht konnte die Unfallverursacherin trotz Trunkenheitsfahrt, gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr und vorsätzlicher Körperverletzung nicht verurteilen, da sie aufgrund einer Kombination aus Alkoholabhängigkeit und psychischer Erkrankung schuldunfähig sei. In einem sogenannten "Sicherungsverfahren" wurde stattdessen die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet, aber für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt.
Voraussetzung für die Bewährung war, dass die 25-Jährige, derzeit freiwillig in der Uni- Nervenklinik, die bereits begonnene Therapie in einer Einrichtung der Diakonie für psychisch Kranke fortsetzt. Davon versprach sich das Gericht mehr Erfolg als vom "Wegsperren" in ein Nervenkrankenhaus. Zu den engmaschigen Auflagen in der betreuenden Einrichtung gehört, dass mindestens vier Mal im Jahr die Leberwerte überprüft werden.
Bei dem Zusammenstoß, so das Gericht, hätte es leicht Tote geben können. Das von der Unfallverursacherin gerammte Auto wurde auf den Gleiskörper der Straßenbahn hoch katapultiert - zum Glück kam gerade keine Tram. Bis zur Haltestelle, wo Fahrgäste warteten, betrug die Entfernung nur wenige Meter, das Fahrzeug hatte Totalschaden.
Der Pkw der Promille-Fahrerin, die sich an nichts erinnern kann, blieb, ebenfalls total demoliert, auf dem Dach liegen. Zeugen, die Erste Hilfe leisteten, ist die Fahrerin, die auch schon an der Unfallstelle kein Wort sprach, durch einen "starren Blick nach vorn" aufgefallen.

Gutachter: Wie in der Achterbahn


Auf der Anklagebank saß ein "Häufchen Elend". Die junge Frau könne, so eine Therapeutin, nur schwer irgendwo "andocken", sie sei sehr unsicher, auf der Suche nach Halt jeweils bei Alkoholikern gelandet und zuletzt von einem gerichtlich bestellten Betreuer so mangelhaft "begleitet" worden, dass sie ohne festen Wohnsitz war.

Mit Alkohol Stimmung reguliert


Von einem Borderline-Syndrom der jungen Frau und dafür oft typischen Schnitt-Verletzungen an den Unterarmen berichtete ein psychiatrischer Gutachter. Sie sei emotional instabil, ihr tägliches Leben sei ohne Alkohol wie eine Fahrt in der Achterbahn gewesen, mit Alkohol habe sie das "auf" und "ab" ausgeglichen und ihre Stimmung reguliert.
Die Folgen ihrer Erkrankung seien unberechenbar, das Gefährdungspotenzial hoch, betreutes Wohnen in einer Einrichtung zur psychiatrischen Betreuung und intensiven sozialen Rehabilitation sei eine gute Lösung in Richtung auf deutliche Risikominderung.