NÜRNBERG/KITZINGEN

Betrug belastet Leoni-Bilanz

Nach dem erlittenen millionenschweren Betrug im Sommer ist die Leoni AG in die Verlustzone gerutscht. Der Stellenabbau in Kitzingen ist indes beschlossene Sache.
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Nach dem erlittenen millionenschweren Betrug im Sommer ist der Kabel- und Autozulieferer Leoni tief in die Verlustzone gerutscht. Zusätzlich belastet hat das im M-Dax notierte Unternehmen im dritten Quartal der bis 2017 dauernde Konzernumbau, berichtetet der Vorstand am Mittwoch. Ziehe man die beiden Sondereffekte ab, liege das Unternehmen aber voll im Plan, betonte Vorstandschef Dieter Bellé. Für 2017 erwartet er eine deutlich verbesserte Ertragslage.

Stellenabbau in Kitzingen: Mitarbeiter werden informiert

Indes bestätigte Unternehmenssprecher Sven Schmidt auf Anfrage, dass der angekündigte Abbau von wohl bis zu 70 Stellen in Kitzingen beschlossene Sache sei.

„Die Gespräche mit dem Betriebsrat sind abgeschlossen.“ Details könne er aber noch nicht nennen, da erst noch die betroffenen Mitarbeiter informiert werden sollen. Es könne durchaus sein, dass einige von ihnen wieder auf neu geschaffenen Stellen Platz finden. Die Leoni AG hatte Ende Juni mitgeteilt, dass in der Bordnetzsparte 1100 Arbeitsplätze gestrichen würden, 70 davon in Deutschland. Da Kitzingen die Zentrale dieser Sparte ist, wird es den Standort dem Vernehmen nach am deutlichsten treffen.

Konzern hat Verlust gemacht Trotz vergleichsweise moderater Umsatzrückgänge verzeichnete der fränkische Draht- und Bordnetzhersteller zwischen Juli und September einen Konzernverlust von 24,4 Millionen Euro. Im Vergleichsquartal 2015 hatte es noch einen Konzernüberschuss von 15,7 Millionen Euro gegeben. Auch beim Ergebnis vor Steuern (EBT) rutschte das Unternehmen in die roten Zahlen – von plus 23,8 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf nun minus 18,6 Millionen Euro. Betrugsfall: Geld ist wohl weg Verantwortlich für die Verluste ist ein Betrugsfall im August. Unbekannte Täter hatten Leoni um 40 Millionen Euro gebracht. Sie hatten dazu gefälschte Dokumente und Identitäten sowie elektronische Kommunikationswege benutzt.

Damit sei das Geld auf Konten in Asien transferiert worden. Wegen der laufenden Ermittlungen könne er leider keine Details nennen, sagte Bellé.

Das ergaunerte Geld wieder zurückzubekommen hält der Leoni-Chef „für sehr unwahrscheinlich bis so gut wie ausgeschlossen“. Derzeit prüfe das Unternehmen, ob eine zum Schutz vor Cyberkriminalität abgeschlossene Versicherung für einen Teil des Schadens aufkomme.

Chef rechnet für 2016 mit operativem Gewinn

Trotz allem sieht Bellé das Unternehmen auf Kurs. Ziehe man die Währungseffekte und die umsatzmindernde Wirkung des gesunkenen Kupferpreises ab, hätte der Umsatz im dritten Quartal sogar zugelegt, sagte Bellé. So aber sank er um 3,6 Prozent auf 1,07 Milliarden Euro.

An seiner im September gesenkten Prognose hält er fest: Er rechnet für 2016 mit einem operativen Gewinn (Ebit) von 65 Millionen Euro; das wären rund 57 Prozent weniger als vor einem Jahr. Beim Umsatz geht er von 4,4 (2015: 4,5) Milliarden Euro aus.

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