KITZINGEN

Betrüger nutzen iPhone als Köder

Er sitzt im Knast. Sie ist knapp daran vorbeigeschlittert. Beide sind ein Paar. Sie haben versucht, ihre „äußerst desolate finanzielle Situation“ durch der Verkauf nicht vorhandener Handys im Internet zu verbessern. Jetzt haben sie sich vor dem Richter wiedergesehen. Beide sind wegen Betrugs verurteilt worden, und haben dennoch die Chance, zusammen auf den richten Weg zurückzufinden.
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Gerichtssache
Foto: Regina Krömer

Er sitzt im Knast. Sie ist knapp daran vorbeigeschlittert. Beide sind ein Paar. Sie haben versucht, ihre „äußerst desolate finanzielle Situation“ durch der Verkauf nicht vorhandener Handys im Internet zu verbessern. Jetzt haben sie sich vor dem Richter wiedergesehen. Beide sind wegen Betrugs verurteilt worden, und haben dennoch die Chance, zusammen auf den richten Weg zurückzufinden.

Es kommt auch nicht alle Tage vor, dass das Schöffengericht gegen eine Angeklagte verhandelt, die mit ihrem Kleinkind auf der Anklagebank sitzt. Die Mutter hatte keine Kinderbetreuung organisieren können. Das Gericht nahm's hin: „Wir tun unser Bestes“, sagte Richter Bernhard Böhm. Und die beiden gerade frisch vereidigten Schöffen hatten einen etwas unruhigen Einstieg ins ehrenamtliche Richter-Dasein.

Immer die gleiche Masche

Das fiel für den Anfang relativ kurz aus. Weil die zweifache Mutter alles gestanden hat, was die Anklage ihr vorhielt, ging es schnell. Immer die gleiche Masche: Ein Apple iPhone oder auch mal ein anderes angesagtes Smartphone existierte zwar nicht, diente aber auf verschiedenen Verkaufsplattformen im Internet als Köder.

Acht der beliebten, aber nicht vorhandenen Geräte, wurde in der Zeit von Mitte November 2012 bis Anfang Januar 2013 auf Ebay & Co angeboten: Acht Käufer haben sich gefunden, zwischen 80 und 315 Euro überwiesen und nie ein Handy gesehen. Die vermeintliche Anbieterin war über E-Mail oder Handy erst schwer und dann gar nicht mehr zu erreichen. Das Geld war weg.

Acht Fälle mit einem Gesamtschaden von fast 1400 Euro standen in der Anklage. In den Monaten zuvor hatte die Frau schon zweimal mit der gleichen Masche versucht, an Geld zu kommen und war zu Geldstrafen verurteilt worden. Weil die noch nicht abbezahlt sind, wurden die in die neue Strafe einbezogen.

Am Ende hatte die junge Mutter Glück, dass das Gericht nicht wie die Anklage von „gewerbsmäßigem Betrug“ ausging. Das hätte eine Mindeststrafe von sechs Monaten bedeutet, pro Straftat. Es blieb aber „nur“ beim einfachen Betrug. So wurden aus den vom Staatsanwalt geforderten 14 Monaten am Ende zwölf. Weil es die Bewährung gab, kann sich die Mutter weiter um ihre beiden Kinder kümmern und die Auflage erfüllen, den Schaden wiedergutzumachen.

Dafür gibt es eine Perspektive: Einer Familienzusammenführung steht bald nichts mehr im Wege. Der Freund der Mutter und Vater des Kindes, der derzeit hinter Gittern sitzt, wurde kurz vor der Mutter wegen ähnlich gelagerter Betrügereien noch einmal zu einem Monat Freiheitsstrafe verurteilt. Dennoch könnten sich für ihn Mitte/Ende April die Gefängnistore öffnen. Dann wollen die beiden es gemeinsam schaffen.

Einige Voraussetzungen haben sie geschaffen. Der Mann hat nach Dauerauseinandersetzungen mit der Familie gebrochen und ist umgezogen. Zudem scheint er gute Chancen zu haben, in seinem ehemaligen Job wieder unterzukommen. Damit wäre der Weg frei für einen Neuanfang. Dem wollte das Gericht trotz einiger Bedenken nichts in den Weg legen.

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