Gaibach

Bestattungswald: Initiativkreis sieht Erinnerungsort gefährdet

Die Konstitutionssäule in Gaibach steht wie kein anderer Ort in Bayern für die Demokratie im Freistaat. Ein Friedhof dort ist ein No-Go, findet der Initiativkreis Kultur.
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Der Initiativkreis Kultur, Geschichte und Archäologie im Kitzinger Wald sieht in den Plänen, an der Konstitutionssäule bei Gaibach (im Bild) einen Bestattungswald zu errichten, die Würde des Platzes als Erinnerungsort der Demokratie gefährdet. Foto: Michael Mößlein

Der Initiativkreis Kultur, Geschichte und Archäologie im Kitzinger Land sieht mit den Plänen für einen Bestattungswald im Umfeld der Konstitutionssäule bei Gaibach die Würde des Verfassungsdenkmals gefährdet. In einer Stellungnahme fordert der Initiativkreis: Die Konstitutionssäule darf zu keinem "Friedhof der Demokratie" werden. "Das wäre aktuell ein verheerendes Signal", schreibt Monika Conrad aus Kleinlangheim als Sprecherin des Initiativkreises mit Blick auf das zu beobachtende Erstarken demokratiefeindlicher Kräfte im Land.

In der Stellungnahme wird das Gaibacher Schloss mit dem Konstitutionssaal sowie der angrenzende Landschaftspark mit der Konstitutionssäule auf einer Anhöhe als ein "einmaliges Gesamtkunstwerk" bezeichnet. Es erinnere an den im 19. Jahrhundert beginnenden langen und blutigen Weg aus dem Feudalstaat zum Freistaat. Der Initiativkreis hofft, dass es in den kommenden Jahren gelingt, Gaibach zu einem anerkannten "Erinnerungsort der Demokatiegeschichte" aufzuwerten. Conrad und ihre Mitstreiter setzen dabei auch auf eine Zusage von Ministerpräsident Markus Söder. Er habe vergangenes Jahr anlässlich seines Besuch des Bürgerfestes zum 200. Geburtstag der bayerischen Verfassung gesagt, der Freistaat werde Geld für ein jährliches Erinnerungsfest am einzigen Denkmal in Bayern bereitstellen, das für die Verfassung von 1818 steht.

Initiativkreis: Einwände waren "völlig wirkungslos"

Enttäuscht zeigt sich der Initiativkreis, dass dessen Mahnung und Einwände gegen einen Bestattungswald beim Grundbesitzer und potenziellen Friedhofbetreiber, Paul Graf von Schönborn, sowie der Stadt Volkach, die den Antrag auf Zulassung eines Friedhofs gestellt hat, bislang offenbar "völlig wirkungslos waren". "Wie ist es zu erklären, dass die Stadt Volkach mit einstimmigem Beschluss Pläne zur Errichtung eines Naturfriedhofs an der Konstitutionssäule einreicht und diesen zustimmt, ohne diese Pläne zu kennen?", heißt es in der Stellungnahme.

"Wir sind als Stadt in der Sache leidenschaftslos", erklärt Volkachs Bürgermeister Peter Kornell auf Nachfrage dieser Redaktion. Volkach habe genügend Friedhöfe. Die Stadt habe den Antrag nur gestellt, weil dies von privater Seite aus nicht möglich ist. Man habe dem möglichen Betreiber hier nur unterstützen wollen, sagt Kornell.

Bürgermeister: Pläne für Bestattungswald so gut wie beerdigt

Vom potenziellen Betreiber des Friedhofs hat die Stadt laut Bürgermeister noch keine Rückmeldung erhalten, wie es jetzt weitergehen soll, nachdem die Naturschutzbehörde im Landratsamt die vorgelegten Friedhofspläne abgelehnt hatte. Geplant sei, eventuell überarbeitete Pläne dem Stadtrat vorzustellen. Doch Kornell stellt nach Lage der Dinge fest: "Ich sehe kaum noch Chancen auf eine Verwirklichung."

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