Kitzingen

Bestattung: Ein Ehrengrab für Alt-OB Rudolf Schardt

Am Mittwoch wurde der Mann zu Grabe getragen, der die Geschicke Kitzingens 24 Jahre lang bestimmt hat. Die Trauerredner betonten: Schardt war ein Mensch zum Anfassen.
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Pfarrer Michael Bausenwein gestaltete die Beisetzung von Alt-Oberbürgermeister Rudolf Schardt am Mittwochmittag auf dem Alten Friedhof von Kitzingen. Foto: Michael Mößlein

In einem Ehrengrab der Stadt Kitzingen fand am Mittwoch Alt-Oberbürgermeister Rudolf Schardt auf dem Alten Friedhof seine letzte Ruhestätte. Der SPD-Mann hatte von 1967 bis 1991 die Geschicke der Stadt geleitet und war am 15. Oktober im Alter von 92 Jahren gestorben.

Während der vorausgegangenen Aussegnungsfeier in der evangelischen Stadtkirche, die, wie die Beisetzung, Pfarrer Michael Bausenwein zelebrierte, hatte OB Siegfried Müller seinen Vor-Vorgänger im Amt in seiner Trauerrede als einen Menschen beschrieben, der "ein Leben für die Politik und damit ein Leben für die Menschen seiner Heimatstadt und seines Landkreises" geführt hat. Schardt sei ein Kommunalpolitiker "mit Begeisterung und Durchsetzungsvermögen" gewesen, in dessen 24-jährige Amtszeit als OB wichtige Ereignisse der jüngeren Stadtgeschichte und weitreichende Entscheidungen fielen, etwa die Altstadtsanierung mit Neugestaltung der Fußgängerzone und des Kirchplatzes, die Vollendung der West- und Südtangente oder die Umgestaltung der Alten Synagoge in ein Kulturzentrum. Zudem gestaltete Schardt in den 1970er-Jahren die Eingemeindung von Hohenfeld, Hoheim, Sickershausen und Repperndorf mit, erinnerte sich Müller.

Stets bürgernah und an den Menschen interessiert

Glanzpunkte seiner Zeit als OB waren der Beginn der Städtepartnerschaften – mit dem italienischen Montevarchi (1984) und dem französischen Prades. Zu den bittersten Stunden in dessen Amtszeit zählte Müller den Rathausbrand in der Silvesternacht 1984, den Schardt mitansehen musste.

"Er wollte Politik stets selbst und nach seinen Überzeugungen gestalten", würdigte Müller den Verstorbenen und bezeichnete ihn als "führungsstarken Lenker des Stadtrates" und einen "ebenso geachteten wie strengen Chef seiner Verwaltung". Für viele Kitzinger war Schardt ein Bürgermeister zum Anfassen, stets bürgernah und an den Menschen interessiert. Etliche riefen ihn einfach "Sherry".

Im Namen von Landrätin Tamara Bischof würdigte OB Müller auch Schardts Verdienste als Mitglied des Kreistags, dem er bis 2007 über 37 Jahre angehörte, davon zwölf Jahre als Schulreferent. 1985 erhielt er den Ehrenring des Landkreises Kitzingen.

"Im besten Sinne ein Patriarch"

Nicht weniger als 60 Jahre gehörte Rudolf Schardt der SPD an, für die deren Ortsvereinsvorsitzender Manfred Paul den verstorbenen Alt-OB als "profilierten Sozialdemokraten" würdigte. Zu dessen inniger Verbindung zu Kitzingen meinte Paul: "Rudolf Schardt war im besten Sinne ein Patriarch. Er liebte seine Stadt und die Menschen in der Stadt." Er charakterisierte Schardt als "Menschenfänger": empathisch, aufmerksam, immer für ein Gespräch bereit.

Dieser habe immer Wert auf gemeinsame Lösungen gelegt. Für ihn stand das Miteinander im Stadtrat an erster Stelle; hierzu zählte für den Alt-OB laut Paul auch der Schoppen in den obligatorischen Nachsitzungen des Stadtrats. Auch deshalb dürfte für Schardt die mehrmalige Spaltung der Kitzinger SPD ein Schock gewesen sein, den er nie überwunden hat, sagte Paul.

Alt-OB Bernd Moser übersetzte für die Trauergemeinde ein Kondolenzschreiben von Giorgio Valentini, dem Alt-Bürgermeister der Partnerstadt Montevarchi und alten Weggefährten Schardts. Montevarchi, heißt es im Brief aus Italien, sei Schardt stets ein Herzensanliegen und die Städtepartnerschaft ein Wunschbild von Europa und Bollwerk des Friedens gewesen. "Lieber Rudi, du fehlst mir", schreibt Valentini. "Ich bin heute traurig und glaube, dass es unsere Stadt auch ist."

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