KITZINGEN

Bespuckt, bedroht, beleidigt

Nach Drogen- und Alkoholkonsum lässt ein 24-Jähriger bei Auseinandersetzungen mit der Polizei nichts aus. Ergebnis: 15 Monate und Bewährung.
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Symbolbild: Ein Strafgesetzbuch (StGB) steht auf der Richterbank
Symbolbild: Ein Strafgesetzbuch (StGB) steht auf der Richterbank. Foto: Oliver Berg (dpa)

Es waren mehrere Auftritte im Herbst 2016, die einem 24-Jährigen das Prädikat „amtsbekannt“ bei der Polizei eingebracht haben. „Einmal quer durchs Strafgesetzbuch“ nannte der Staatsanwalt das, was sich der Mann geleistet hat. Jetzt stand er vor Gericht, bekam 15 Monate Freiheitsstrafe und Bewährung.

Vor dem Schöffengericht brauchte die Anklage eine Viertelstunde, um die Straftaten aufzulisten: Widerstand gegen Vollzugsbeamte, Bedrohung, Beleidigung in über 20 Fällen, Sachbeschädigung, versuchte und vollendete Körperverletzung.

Polizei als Zielscheibe

Betroffen waren vor allem Kitzinger Polizeibeamte. Wie viele es waren, wurde deutlich, als Richter Peter Weiß die Ladung von nur drei Beamten als Zeugen begründete: „Ich wollte die Polizeiinspektion nicht lahm legen.“

Die drei Zeugen reichten, um die Intensität der Auseinandersetzungen zu zeigen. Beim ersten Aufeinandertreffen hatte der damals unter Betreuung stehende Mann eine zwei Meter lange Eisenkette bei sich. „Das war zur Zierde“, sagte der ehemalige Punker. Für die Beamten war es eine Waffe, die Überlegungen bis hin zum Schusswaffengebrauch auslöste. Am Ende wurde nicht geschossen. Der Mann wurde überwältigt und landete in der Ausnüchterungszelle. Nicht ohne zuvor vier Beamte massiv beleidigt und einem in den Oberarm gebissen zu haben.

Besonders ekelhaft

Dann hielt der Mann Autos an. Stinkefinger und Beleidigungen folgten. Ein Heckscheibenwischer wurde abgerissen. Als die Polizei kam, gab es Beleidigungen wie gehabt, dazu Tritte. Dann im Auto ein „extrem ekelhafter Auftritt“. Der Betrunkene würgte Erbrochenes hoch und spukte einen Beamten an. Dass das nicht im Gesicht, sondern auf der Hose landete – reine Glücksache. Das Ende auch diesmal: Ausnüchternzelle.

Das alte Muster

Wie wenig später, als er gegen den Eingangstür der Polizeiinspektion urinierte. Zur Rede gestellt, folgte der Auftritt nach altem Muster. Beleidigungen, Bedrohungen, versuchte Tritte und – die Zelle.

Eineinhalb Jahre später sieht der Angeklagte ein, dass er in der „schlimmen Phase viel Mist gebaut“ hat. Er weiß auch, warum: „Ich habe unter einer wahnsinnigen Manie gelitten“, sagte er: „Das sorgte für mein ultraaggressives Verhalten.“

Das sah die Gutachterin nicht so. Schizophrenie konnte sie nicht bestätigen, manische Symptome auch nicht. Klar war: Alkohol und Drogen haben zu einer Persönlichkeitsstörung geführt: Sie ging nicht von einer Schuldunfähigkeit, wohl aber von einer verminderten Schuldfähigkeit aus.

Noch akzeptabel

Dass es am Ende eine Strafe „am unteren Rand des Akzeptablen“ wurde, wie es der Staatsanwalt sagte, lag an der Kehrtwende, die der Mann vollzogen hat. Im Herbst 2016: Obdachlos, Drogen- und Alkoholprobleme, Ausraster und die Polizei als Opfer. Im Frühjahr 2018 hat er einen Job, wird von seiner Verlobten und deren Familie unterstützt, nimmt nach eigenen Angabe keine Drogen mehr und lässt die Hände vom Alkohol.

Dass seit eineinhalb Jahren nichts mehr passiert ist und er im Lauf der Verhandlung irgendwie doch so was wie Reue und Einsicht gezeigt hat, schlug sich zudem im Urteil nieder. In dem stehen drei Jahre Bewährung samt Bewährungshelfer, die Auflage, 1200 Euro zu zahlen, die Hände von Alkohol und Drogen zu lassen und dies mit Drogenscreenings auch nachzuweisen. Zudem muss er sich um eine ambulante Drogentherapie kümmern und die durchziehen. Eins machte das Gericht klar: Ein Verstoß gegen die Auflagen bedeutet Knast.

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