Zwischen den Weinbergszeilen um Castell herrschte am Sonntag reger Betrieb. An fünf Stationen mitten in den Weinbergen kosteten die Besucher die örtlichen Weine und marschierten dabei ein paar Kilometer in den saftig grünen Steillagen herum - schließlich war Weinwandertag.
Schon zum siebten Mal fand diese besondere Lauf- und Genussveranstaltung statt. Bisher jedes Mal dabei war Johannes Gernert aus Castell. Diesmal genoss er die Aussicht von der Station in der Weinlage Hohnart über den Ort gemeinsam mit Friedrich Heumüller, Adelheid und Karl Flander. Ein guter Tropfen im Glas - so kann man es sich gutgehen lassen: "Heute ist das für uns ein Spaziergang, um den Wein zu kosten und zu genießen", erklärte Gernert. Die Senioren wandern als Mitglieder im Steigerwaldklub und Heimatverein normalerweise größere Strecken als den rund fünf Kilometer langen Weg des Weinwandertages.

Die Leute kommen immer wieder


Ursprünglich war der Weg auch länger und bezog die Weinlage Kugelspiel mit ein. Doch die kürzere Strecke ist für viele Besucher besser zu bewältigen, auch für Familien mit Kindern. Und viele kommen immer wieder, hat Gernert beobachtet, der sich gerne mit den Leuten auf der Strecke unterhält. "Letztes Jahr waren vier Damen aus Nürnberg da, die haben gesagt, sie kommen wieder, denn für die ist das ein Erlebnis."
So werden die Besucher beim Weinwandertag immer mehr, wozu auch der kostenlose Bustransfer zum Bahnhof Iphofen beiträgt. Gerne erzählt Gernert auch von den Mühen, die der Weinbau in den Steillagen bei großer Hitze früher mit sich brachte, wenn alles noch von Hand gemacht werden musste - wobei Weinbau auch heute noch viel Handarbeit ist. "Man kann den Leuten einiges berichten über früher und heute, über den Ort und den Wein, wenn man von hier kommt." Und das macht der alte Herr gerne.
Wiedergekommen ist auch eine Gruppe aus Herzogenaurach. "Dass man hier mitten in den Weinbergen sitzt", der gute Wein und der "liebevoll hergerichtete Weg", das alles hat die Gruppe für den Casteller Weinwandertag begeistert.
Hinüber zur fernen Casteller Kirche, zum malerischen Schlossberg mit dem Turm und über Weinberge und Felder kann der Blick von der Lage Hohnart aus schweifen. "Den Leuten gefällt's hier, wir haben eine wirklich schöne Gegend", weist Heinrich Brügel mit der Hand auf die ausgebreitete Landschaft vor ihm. Er ist Seniorchef des Weinguts Brügel in Greuth und hilft am Weinstand kräftig mit. Das Wetter in diesem Jahr fand er perfekt für den Weinwandertag. "Letztes Jahr war es zu warm, da sind manche gar nicht bis zu uns gekommen", erinnerte er sich. So aber mussten die Besucher an den Ständen für ihren Schoppen und eine Brotzeit sogar Schlange stehen. Darauf ist Heinrich Brügel schon etwas stolz. Denn er hat den Weinwandertag beim Bürgermeister angeregt, berichtete er. Er kannte dieses Event aus Eibelstadt und fand das Konzept super. Der Bürgermeister brachte es, so Brügel, in den Sitzungen von Weinbauverein und Heimatverein zur Sprache. "Seitdem gibt es den Weinwandertag jährlich - und wie man sieht wird er gut angenommen."