Prichsenstadt

Bekommt das Prichsenstädter Ärztehaus einen gläsernen Aufzug?

Für René Schlehr, Bürgermeister in Prichsenstadt, war es der "erste Aufschlag", wie er in Anlehnung an den Tennissport sagte. Ein Teil seiner Gemeinderäte hingegen erlebte ein Déjà-vu: der barrierefreie Zugang zum Obergeschoss des Ärztehauses in die Zahnarztpraxis.
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In der Stadtratssitzung stellten die Architekten die Möglichkeit für einen gläsernen Aufzug am Ärztehaus in Prichsenstadt vor. Der Eingang in die Zahnarztpraxis im Obergeschoss wäre beim Fenster mit der blauen Werbetafel. Foto: Guido Chuleck

Für René Schlehr, Bürgermeister in Prichsenstadt, war es der "erste Aufschlag", wie er in Anlehnung an den Tennissport sagte. Ein Teil seiner Gemeinderäte hingegen erlebte ein Déjà-vu: der barrierefreie Zugang zum Obergeschoss des Ärztehauses in die Zahnarztpraxis.

In der Ratssitzung am Donnerstagabend stellte der Architekt Thomas Buchholz gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Claudia Gattenlöhner einen ersten Entwurf für einen Aufzug vor, der außen angebaut werden soll und nach der Idee von Gattenlöhner aus Glas besteht. Die Kosten für diesen Aufzug könnten sich laut ihrer Schätzung bei gut 70 000 Euro bewegen – eine Summe, bei der mehrere Ratsmitglieder hörbar erleichtert aufatmeten.

Voriger Antrag auf einen Aufzug wurde "abgeschmettert"

Schon in der vorigen Wahlperiode, unter Schlehrs Amtsvorgänger Adolf Falkenstein, war der Aufzug am Ärztehaus ein Thema gewesen. Übereinstimmend nannten mehrere Räte den Betrag, der seinerzeit im Raum gestanden hatte: 160 000 Euro. Auch deshalb sei der damalige Antrag "abgeschmettert worden", wie es Thomas Buchholz in der Sitzung ausdrückte. Woher dieser vergleichsweise hohe Betrag stammte, wusste niemand zu erklären.

Die aktuell geschätzten Kosten teilen sich gleichermaßen zwischen Aufzug und Einbau, so Gattenlöhner. Sie hatte sich für Glas entschieden, "weil der Aufzug filigraner wirkt". Die Architektin hatte auch Fotos von ähnlichen Aufzügen an Gebäuden in anderen Orten dabei. Außerdem, ergänzte Schlehr, käme das den beiden Ärzten der Hausarztpraxis im Erdgeschoss entgegen, die mit einer Lösung aus Stein nicht glücklich gewesen wären. "Der Aufzug würde das Fenster eines Behandlungsraumes verdecken und kaum noch Tageslicht durchlassen", so Schlehr über die Gründe der Allgemeinmediziner, die aus Termingründen anders als die beiden Zahnärztinnen nicht als Zuhörer anwesend waren.

Nebenraum könnte als Garderobe und Durchgang umfunktioniert werden

Schon beim Anbau der schrägen Rampe für einen barrierefreien Zugang zum Erdgeschoss hatte Buchholz vorausschauend gearbeitet und den Beginn ein gutes Stück vom Haus versetzt angelegt. An genau dieser Stelle, 1,40 Meter entfernt vom Gebäude, soll der Aufzug an das Haus angebaut werden. Im Obergeschoss würde er in einen kleinen Nebenraum führen, der von den Zahnärztinnen als Lagerraum für ärztliche Unterlagen und als kleiner Besprechungsraum genutzt wird und als Garderobe und Durchgang zum angrenzenden Wartezimmer umstrukturiert werden könnte.

Das Geld für den Aufzug holt sich der Gemeinderat aus dem Haushalt der Hospitalstiftung, was die Frage von Ratsmitglied Fabian Uhl beantwortete. Möglich, so Schlehr, sei auch eine Förderung durch die Städtebauförderung. Weiterhin gibt es nach Auskunft von Buchholz weitere Fördertöpfe für "barrierefreies Bauen".

Letztlich stimmte der Rat mit 15:0 zu, die Pläne für den Aufzug weiter zu konkretisieren. Wie genau er aussehen wird, entscheidet sich in einer der nächsten Sitzungen. Dann wird Thomas Buchholz auch auf Anregung von drittem Bürgermeister Martin Ebert Vergleichskosten mit einem Aufzug aus Stein oder ähnlichem Material vorstellen, wobei er die Kosten nur minimal höher einstuft.

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