Seinsheim

Bei einem süffigen Bier über Europa nachgedacht

Landtagspräsidentin Ilse Aigner begeistert das volle Jugendheim beim Tag des Bieres der CSU in Seinsheim. Sie setzt auf Europa als Thema – und bekennt sich als Genossin.
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Mit viel Applaus wurde Landtagspräsidentin Ilse Aigner in Seinheim begrüßt und verabschiedet. Foto: Gerhard Krämer
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Seinsheim ist nicht der Mittelpunkt von Europa, auch nicht nach dem möglichen Brexit. Am Freitag, als die CSU im Landkreis aber ihren Tag des Bieres feierte, ging es trotz der weiß-blauen Dekoration im Jugendheim fast nur um Europa. Landtagspräsidentin Ilse Aigner nutzte ihre Redezeit, um die Bedeutung eines geeinten Europas den über 200 Zuhörern im Saal zu verinnerlichen.

Zum fünften Mal hatte die CSU zu ihrem Tag des Bieres nach Seinheim eingeladen. Kreisvorsitzender Otto Hünnerkopf sprach da schon von Tradition. Und Ilse Aigner erwähnte auch nur am Rande die früheren Veranstaltungen im nahen Gnodstadt, wo "ein Mann gesagt hat, dass das keine CSU-Veranstaltung ist". "Aber es gibt Schlimmeres", meinte Aigner.

Seinsheimer Bier aus Frankens kleinster Brauerei, Bratwürste mit Kraut und Kipf, dazu noch ein wenig Politik, das ist das Rezept der Kreis-CSU, das einen vollen Saal im Jugendheim beschert. Zumal die sich auch die richtige Rednerin ausgesucht hatte, wie Ilse Aigner selbstbewusst meinte, sei sie doch auch Botschafterin des Bieres. Ein Amt, das man lebenslang habe. "Das würden sich auch Politiker wünschen", scherzte sie. Bier sei nicht nur Lebensmittel, sondern auch ein Lebensgefühl.

"Ich bin Genossin – bei einer Klosterbrauerei."
Ilse Aigner, Landtagspräsidentin

Das beflügelte die Landtagspräsidentin dann auch zu einem für die doch mehrheitlich der CSU angehörenden Gäste überraschenden Bekenntnis: "Ich bin Genossin!" Die Aufklärung kam flugs: "Bei einer Klosterbrauerei", erklärte sie. Dort wo die Dividende in Naturalien ausbezahlt werde. "Man schmeckt die Regionalität", fuhr sie fort und brach weitere Lanzen für das Bier, denn dessen Reinheitsgebot passe in eine Zeile. An solchen Geboten solle man sich ein Beispiel nehmen, erklärte die Landtagspräsidentin und fügte sogleich hinzu, dass die CSU keine Verbotspartei sein, sondern mit Maß und Mitte agiere.

Bei Mitte war sie wieder in Europa, liegt doch Unterfranken in der Mitte Europas. Dass sich Europa so gut entwickeln konnte, das liegt ihrer Ansicht nach darin, dass "wir seit 70 Jahren in Frieden leben". Und Aigner legt mit Blick auf Europa nach: "Populismus und platte Sprüche haben noch kein einziges Problem gelöst."

Für ein Europa mit Außengrenzen streiten

Zu einem starken Europa gehörten auch die Außengrenzen. "Dafür streiten wir auch", sagte Aigner. Sie verglich diese mit einem guten Gartenzaun. Da sie keine Verhältnisse wie in Großbritannien möchte, rief sie dazu auf, "gemeinsam dafür zu kämpfen, das Europa positiv weiterentwickelt wird". Das tue bereits der CSU-Spitzenkandidat Manfred Weber, ein "Hochkaräter", wie Aigner ihn nannte.

Sie betonte eine privilegierte Partnerschaft der Türkei, setzt auf ein europaweites Forschen, um den Krebs zu bekämpfen und nannte das europäische Navigationssystem als Beispiel, was man alleine nie hätte schaffen können. Ebenso müsse es auf dieser Ebene um Klima und Artenschutz gehen. Durch Europa gebe es Frieden und Freiheit. "Europa liegt mir am Herzen", bekannte sie und mahnte: "Wer nicht wählen geht, stärkt die radikalen Kräfte."

Autogramme auf dem Weg durch den Saal

Christian Staat, unterfränkischer Kandidat für die Europawahl, hatte nach seinem kurzem Statement Seinsheim wieder zum nächsten Termin verlassen müssen. Nach ihrer knapp 40-minütigen Rede musste sich auch Ilse Aigner gleich wieder auf den Weg, nachdem sie von Bürgermeister Heinz Dorsch noch mit Seinsheimer Bier und von Weinprinzessin Lena Kobold-Bareiß mit Wein versorgt worden war. Einige Autogramme gab Aigner aber schon noch auf ihrem Weg durch den Saal zum Auto.

Stimmkreisabgeordnete Barbara Becker hatte zuvor noch kurz das Volksbegehren "Rettet die Bienen" aufgegriffen und daran den Unterschied zwischen Gesinnung und Gestaltung erläutert. Letzteres stehe für die CSU, die die Sache ernst nehme und betonte, Bauern und die Umwelt schützen zu wollen.

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