Münsterschwarzach am Main
Predigt

Bei der Kerm gibt's viel zu lachen

Als Kirchweihpredigerinnen haben Heike Beck und Daniela Troll das Geschehen in Münsterschwarzach immer im Blick. Klar, dass die lustigsten Missgeschicke in ihrer Ansprache dann nicht fehlen.
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Seit fünf Jahren stellen Daniela Troll und Heike Beck an der "Klosterer Kerm" eindrucksvoll unter Beweis, dass sie keineswegs auf den Mund gefallen sind. Am Freitagabend deckten die beiden
24-jährigen Kirchweihpredigerinnen aus Münsterschwarzach wieder die Schandtaten im Dorf aus dem vergangenen Jahr gnadenlos auf.

Beim traditionellen Kirchweihumzug sorgten die "Klosterer" für Jubel, Trubel, Heiterkeit. Viele Schaulustige am Straßenrand begleiteten den Gaudiwurm und spendeten den Akteuren mächtig Applaus.

"Super Zusammenhalt"


Pünktlich um 18 Uhr setzte sich die bunte Kerwa-Schlange am Schulhof der Volksschule Schwarzacher Becken in Bewegung, mittendrin die Kirchweihpredigerinnen Daniela Troll und Heike Beck. "Mir macht das riesig Spaß", schwärmt Arzthelferin Daniela vom jährlichen Ausnahmezustand vor den Türmen der Benediktiner-Abtei. "Wir sind ein super Team", lobt die ledige Hobbypianistin die kleinen und die großen "Klosterer", die vor 18 Jahren die alte Tradition wieder zum Leben erweckten. "Bei uns in der Clique herrscht ein super Zusammenhalt."Mit ihrer Predigtpartnerin, mit der sie seit fünf Jahren durch Dick und Dünn geht, ist Daniela ein eingeschworenes Team. "Heike ist so unkompliziert. Mit ihr zusammen die Verse zu dichten, ist einfach der Wahnsinn", sagt Daniela. In den vergangenen beiden Wochen haben die Predigerinnen die Anekdoten der letzten zwölf Monate zusammengetragen.
Für die jungen Kirmes-Botschafterinnen ist es immer wieder eine Mordsgaudi. Manche Stories aus dem "Klosterer"-Nähkästchen kennen sie selbst noch nicht. Die Erläuterungen der keineswegs wortkargen Plappermäuler aus dem Ort lassen schnell amüsante "Gedichtli" entstehen.

Die Ergebnisse ihrer Zusammenkünfte präsentieren die beiden witzigen Ermittlerinnen vor dem Feuerwehrhaus von der mobilen Kirchweihkanzel. So mancher einheimische Zeitgenosse bekommt dabei sein Fett ab und nächtliche Fehltritte, denen meist ausgedehnte alkoholische Warmups vorausgegangen sind, werden gnadenlos aufgedeckt.
Als einfallsreich entpuppten sich ein paar Kirchweihburschen, als sie beim Holen der Bäumchen aus dem Wald feststellen mussten, dass sie die Säge vergessen hatten. "Die Bäum' wurden mit Blut und Schweiß abgesägt.

Wenn's kein gscheits Werkzeuch gibt, muss ma schau, wie ma die zum Fallen kriegt. Und wenn's des Cuttermesser is', was herhällt, dann wern damit drei Bäumli gfällt", schallt's unverblümt vom Predigtstuhl und die Kirchweihmeute lacht.

"Man merkt, dass die Leute die Kerm und die Predigtgeschichten herbeisehnen", freut sich Daniela über das positive Feedback. Selbstbewusst verkündet sie, dass das Dorf für Autos zuletzt ein schlechtes Pflaster war. Offene Kanaldeckel und weibliche Bleifüße sorgten für diverse Blechschäden, ein Rollerfahrer demolierte den nagelneuen Firmenwagen.

Die kunstvoll gestalteten Motivwagen zeigen diverse Pannen beim Unkrautabfackeln, vermisste Müllsortierer und Schwarzangler. Während die hübschen Kirchweihmädels im Dirndl dunklen Gerstensaft an alle Freibiergesichter verteilen, begeben sich Daniela und Heike vom Wagen herab und mischen sich unters Volk.

Ausgiebige Feier


"Ich bin vorher immer total aufgeregt", sagt Daniela. Doch das anfängliche Lampenfieber ist mit Beendigung der Kirchweihpredigt wie weggeflogen. "Jetzt wird ausgiebig gefeiert", ruft sie und nimmt ihre Partnerin in den Arm.
Am Dienstag wird sie sich wohl noch einen Tag Urlaub gönnen, denn heute Abend beim Kerwa-Finale lassen die beiden Kirchweihpredigerinnen und ihre "Klosterer" noch einmal die Puppen tanzen.

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