Oldtimer sammeln und fahren liegt im Trend. Alte Fahrzeuge finden nicht zuletzt wegen ihre Wertzuwachses immer mehr Liebhaber. Bei wem es nicht zum eigenen Oldtimer reicht, der geht „Oldtimer gucken“. Eine gute Gelegenheit bot sich dafür am Samstag bei der 15. ADAC-Kesselring Oldtimerausfahrt des Automobilclubs (AMC) Kitzingen.

So viele Zuschauer wie nie zuvor bevölkerten den Marktplatz und die Fußgängerzone, staunten, fachsimpelten und klatschten Beifall. 100 historische Fahrzeuge, die ältesten, ein Pkw, Marke Jewett, Baujahr 1922, und zwei Motorräder der Marken Ardie und Terrot aus dem Jahr 1927 rollten über die eigens geöffnete Alte Mainbrücke und die Untere Marktstraße auf den Marktplatz. Dort wartete die erste von acht Sonderprüfungen der 120 Kilometer langen Rundfahrt.

Keines der teilnehmenden Fahrzeuge war jünger als 40 Jahre. Die meisten ihrer Hersteller sind nur noch Geschichte. Am Samstag wurde diese Geschichte für kurze Zeit wieder lebendig. Vor allem die männlichen Zuschauer bekamen glänzende Augen, als die chromblitzenden und auf Hochglanz polierten Fahrzeuge vor der ersten Sonderprüfung stoppten und von Johannes Deinlein (Hammelburg) fach- und sachkundig vorgestellt wurden. Die Generation I-Pad staunte nicht minder und knipste sich die Finger wund, um die Oldie-Parade möglichst schnell auf virtuelle Reise in die sozialen Netzwerke zu schicken.

Was da so auf den Marktplatz rollte, waren Autos, die Geschichte schrieben und von denen viele eines hatten, einen Spitznamen. Wer weiß heute noch, dass der Opel Rekord der Baujahre 1957 bis 1960 im Volksmund Bauern-Buick hieß und der Vorgänger der Jahre 1953 und 1954 wegen seiner Frontpartie den Beinamen Haifischmaul bekam. Sie, aber auch den Gangster Citroen genannten Traction Avant, den liebevoll Kugelporsche betitelten Leukoplastbomber der Marke Lloyd oder einen Hausfrauenporsche (VW Karmann Ghia) bekamen die Oldtimerfans am Samstag zu Gesicht.

Die Zeiten, als Autos wegen ihrer Eigenschaften oder ihres Aussehen Spitznamen bekamen, sind längst vorbei. Letzte Beispiele der jüngeren Zeit waren noch Erdbeerkörbchen für das VW Golf Cabrio, Rucksack-Golf für den VW-Jetta oder Maggi-Würfel für den Mercedes G.

Die windkanalgestylten Fahrzeuge von heute unterscheiden sich kaum noch voneinander und da wundert es nicht, dass es auch keine Spitznamen mehr gibt. Dass die mit Spitznamen noch lange zu bestaunen sein werden, dafür sorgen die Oldtimerfans.