REPPERNDORF/WÜRZBURG

Bauer überraschte Dieb im Keller

Im Schein einer Stirnlampe, mit einem spitzen Werkzeug in der Hand und etwa 1,5 Promille Alkohol im Blut, hat ein arbeits- und obdachloser Schlosser (47) aus der tschechischen Republik in der Nacht zum 2. Oktober 2013 in Repperndorf innerhalb von knapp zwei Stunden Eingangstüren zu mindestens 20 Wohnhäusern, Kellern und landwirtschaftlichen Nebengebäuden „bearbeitet“: überwiegend ohne Erfolg.
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In dieser schmalen Gasse kämpfte Martin Schleyer den Einbrecher nieder. Foto: Archivfoto: Ralf Dieter

Im Schein einer Stirnlampe, mit einem spitzen Werkzeug in der Hand und etwa 1,5 Promille Alkohol im Blut, hat ein arbeits- und obdachloser Schlosser (47) aus der tschechischen Republik in der Nacht zum 2. Oktober 2013 in Repperndorf innerhalb von knapp zwei Stunden Eingangstüren zu mindestens 20 Wohnhäusern, Kellern und landwirtschaftlichen Nebengebäuden „bearbeitet“: überwiegend ohne Erfolg.

Bio-Landwirt Martin Schleyer übergab den Mann am frühen Morgen verschnürt einer Polizeistreife. Als er kurz nach fünf zum Melken Richtung Kuhstall ging, hatte er Geräusche aus dem Vorratskeller gehört, den Eindringling gestellt und ihn, weil der nicht auf die Polizei warten wollte, mit Unterstützung seines Vaters und eines Nachbarn mit Strohballen-Schnur fixiert. Ein Schöffengericht in Würzburg verurteilte den Dieb, der in jener Nacht in mehreren Straßen von Repperndorf von Haus zu Haus ging, zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten.

Der Mann war in der tschechischen Republik erst wenige Wochen zuvor nach Verbüßen einer Freiheitsstrafe von drei Jahren wegen Diebstahls in die Freiheit entlassen worden und wollte danach in Deutschland „ganz neu anfangen“. Ein Arbeitsvermittler, der ihm angeblich einen Job im Hamburger Hafen versprochen hatte, sei jedoch nicht zum vereinbarten Termin am Nürnberger Hauptbahnhof erschienen. Zwei Wochen lang habe er noch umsonst gewartet, jeden Abend am Treffpunkt, tagsüber habe er sich in Cliquen mit Schwerpunkt Wodka am Nürnberger Hauptbahnhof aufgehalten.

Am Tag, als er frustriert wieder heim nach Pilsen fahren wollte, sei er alkoholbedingt in den falschen Zug eingestiegen und in Kitzingen von einer Schaffnerin, da er kein Ticket hatte, aus dem Zug geworfen worden, berichtete der Angeklagte über seine Dolmetscherin. Zu Fuß habe er dann auch noch die falsche Richtung eingeschlagen, sei spät in der Nacht in Repperndorf angekommen und habe dort nach einer Gelegenheit zum Schlafen gesucht. Nur deswegen habe er versucht, verschlossene Türen zu öffnen.

In den meisten Fällen war es ihm gar nicht gelungen: Der an den Tatorten angerichtete Schaden wurde von den Hauseigentümern auf insgesamt 2600 Euro beziffert. Dort wo der Dieb ins Haus kam, hat er nichts zum Mitnehmen gefunden.

Bei dem Bio-Landwirt hatte der Angeklagte sich im Keller aus dem Bierkasten einer Oberpfälzer Öko-Brauerei eine Flasche mitgenommen: Angeblich nur, weil ihm das Etikett so gut gefallen hat, nicht, um das Bier zu trinken. Der Landwirt wollte den Einbrecher zunächst im Vorrats-Keller einsperren, doch der hat daraufhin die Türe eingetreten und zu entkommen versucht. Bei dem folgenden Gerangel gingen Bauer und Angeklagter zu Boden, auf Hilferufe hin kam Unterstützung und der Dieb wurde überwältigt.

Richter glaubt ihm nicht

Die Bierflasche – Wert der Beute: ein Euro – war der Grund dafür, dass der Mann aus Tschechien, von Sachbeschädigung und versuchtem Wohnungseinbruch abgesehen, auch wegen räuberischen Diebstahls angeklagt war, da er mit der gestohlenen Flasche erheblichen Widerstand geleistet hatte.

Das spitze Werkzeug, eine Vorstechahle, will der seit Jahren arbeits- und obdachlose Mann in der Nacht irgendwo in Repperndorf gefunden haben. Dass er zahlreiche Türen und Schlösser bearbeitet hat, gab der Angeklagte zu, beteuerte aber immer wieder, mitnehmen wollte er nichts. „Das kann man glauben, muss es aber nicht“, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Behl und dann ließ er über die Dolmetscherin dem Angeklagten vermitteln, was er meint: So einen Schwachsinn habe er sich schon lange nicht mehr von einem Angeklagten anhören müssen.

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