Würzburg
Gericht

Bauer suchte Frau - und wurde reingelegt

Ein Bauer zahlte eine halbe Million an eine Betrüger-Bande. Erst verlobte er sich mit "Jacqueline" und als sie kurz darauf starb, glaubte er an eine große Erbschaft. Die Immobilie gehörte allerdings Jennifer Lopez.
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Für diesen Krimi muss es ein perfektes Drehbuch, einen erfahrenen Regisseur und zahlreiche Darsteller gegeben haben: Auf einem Bauernhof stellt sich 2004 ein Mann vor und sagt, sein Vater habe hier während des Krieges als französischer Kriegsgefangener gearbeitet und sei gut behandelt worden. Man setzt sich zusammen und plaudert mit den Eltern des Landwirts über jene Zeiten. Dass der "Junior" seit Jahren erfolglos eine Frau sucht, muss dem Besucher, der angeblich aus Frankreich kam, bekannt gewesen sein und deswegen hatte der Mann seine Nichte dabei, die schöne "Jacqueline", in die sich der Junggeselle sofort verliebt.

Von da an schaute "Jacqueline" mit Onkel und auch anderen Verwandten immer wieder mal auf dem Hof vorbei, aber immer nur kurz. Verlobt wurde schnell, kurz und schmerzlos durch Ringtausch im Wohnzimmer. Dass "Jacquelines" Besuche oft nur zehn Minuten oder eine Viertelstunde dauern, macht den Landwirt damals noch nicht stutzig: Übernachtet hat die junge Frau kein einziges Mal bei ihrem Verlobten.

Dann erreichte den Landwirt eines Tages eine gute Nachricht und eine schlechte: Jacqueline sei plötzlich gestorben, erfährt er, aber sie habe ihren Verlobten vom Bauernhof zum Alleinerben ihres umfangreichen Vermögens in den USA eingesetzt. Und von da an begann das Abkassieren: Um das Vermögen aus Amerika in das kleine Dorf im Landkreis Würzburg zu transferieren, anfangs war von einigen hunderttausend US-Dollar die Rede, später von über 20 Millionen, wurden angeblich Kosten fällig, es mussten dies- und jenseits des Atlantik erfahrene Rechtsanwälte eingeschaltet werden und Notare nach USA fliegen. Meist sind dafür Beträge von 10.000 und 30.000 Euro "angefallen", angefordert und abgeholt worden.

Die Millionen vor Augen, zahlte der Landwirt. Kein Wunder, Jacqueline hatte ihm zu Lebzeiten Bilder ihrer kurz zuvor erworbenen Immobilie in Kalifornien gezeigt, bei der es sich jedoch, so Prozessbeteiligte, um das Anwesen von Jennifer Lopez in Beverly Hills gehandelt haben soll.

Und als der Landwirt eigentlich schon nicht mehr zahlen konnte, pumpte er Berufskollegen im Dorf an, die ihm auch ohne Vertrag, nur per Handschlag vertrauten, dass es eine sichere Sache sei. Sie warten auf Rückzahlung ihrer Darlehen in Höhe von etwa 140.000 Euro.

Gesteigerte Leichtgläubigkeit hat Staatsanwalt Christian Eisert dem Landwirt bestätigt angesichts der Geschichten, die da präsentiert wurden, um die Verzögerung beim Überweisen der der Millionen zu erklären: Ein an der Abwicklung der Erbschaft Beteiligter soll bei einem Bombenanschlag in Amerika ums Leben gekommen sein und ein anderer bei einem Wirbelsturm, immer wieder mussten sich angeblich neue Leute "einarbeiten".

Für die angeblich nun wirklich letzten rechtlichen Schritte vor der Auszahlung sind neue Beträge angefordert worden und zwar von Leuten, die so taten als seien sie Anwälte und Notare. Ihre vermutlich erfundenen Namen hatten die zum Teil mit zwei Doktortiteln geschmückt und auf dem Hof hat beeindruckt, dass die Herrschaften alle "so schön sprechen".

Als eine Bank den Landwirt warnte und ein vorgelegtes Dokument einer amerikanischen Bank als Totalfälschung bezeichnete, soll die Mutter des Landwirts gesagt haben: "Einmal probiere man es noch, die Erbschaft herüber zu holen." Sogar die Polizei wurde zunächst nicht ernst genommen, als man den Bauern und seine Eltern vor den Betrügern warnte.

Den Junggesellen beschrieb die Vorsitzende Richterin Gudrun Helm als grundehrlich und glaubwürdigen Zeugen, teils bauernschlau, teils einfach gestrickt. Er habe auch nicht daran Anstoß genommen, dass die Geldübergabe für die Abwicklung der Millionen-Erbschaft nie auf seinem Hof stattfand, sondern meist auf dem Parkplatz eines Würzburger Elektronikmarktes. So wollten die Gauner verhindern, dass sie von Dorfbewohnern gesehen und bei einer späteren Gegenüberstellung vielleicht wieder erkannt werden.

Dem Angeklagten und den Leuten, die hinter ihm stehen, sei es einfach gemacht worden, so das Gericht, sie hätten eine bodenlose Gutmütigkeit ausgenutzt und dabei die Existenz einer Landwirts-Familie nahezu vernichtet. Äcker mussten und müssen noch, weil die Millionen aus USA nicht kamen, verkauft werden. In den Akten wird die Mutter des Junggesellen einmal zitiert, dass man kaum noch Geld habe, um Lebensmittel zu kaufen.
Immer wieder, so das Opfer von "Jacqueline und ihren Verwandten", sei ihm auch gesagt worden, nicht über das Vermögen der Verlobten zu reden, es müsse nicht jeder wissen, wie reich er demnächst sei. Tatsächlich hatte er von seinen neuen Verwandten weder Telefonnummern noch eine Anschrift.

Der angeklagte Österreicher hat während der Verhandlung bestritten, Drahtzieher dieses kriminellen Bauern-Fangs gewesen zu sein: Für die Fahrt von Österreich in das Dorf bei Würzburg im Februar 2012, sei er "von einem anderen Zigeuner namens Schmitt" angeworben worden, um 32.000 Euro abzuholen. Eine Mitwirkung am Abkassieren des Landwirts in den vergangenen Jahren konnte ihm nicht nachgewiesen werden.

Die Ermittler gehen allerdings davon aus, dass seine Großfamilie in wechselnder Besetzung an der Aktion "Jacqueline" beteiligt war und gut daran verdiente. Es gibt weitere Tatverdächtige in Deutschland und Österreich und man schließt nicht aus, dass weitere Landwirte auf der Suche nach einer Frau ähnlich abgezockt wurden mittels einer fragwürdigen Verlobung. Auch Jacqueline, die natürlich nicht gestorben ist, glauben die Ermittler zu kennen.

Den 64 Jahre alten Österreicher verurteilte das Schöffengericht wegen versuchtem gewerbsmäßigem Bandendiebstahls zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren. Aus seiner Heimat brachte der Pensionist bereits 28 Vorstrafen mit, unter anderem für Betrug und Waffenhandel.

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