MÖNCHSONDHEIM

Balsam für die fränkische Seele

Mit Weihnachtskonzerten oder Adventssingen warten in diesen Tagen allerorts die Musikvereine oder Kirchengemeinden auf, versprechen besinnliche Stunden und einen Ort der Ruhe und Einkehr. Wohl kaum anderswo gelingt dies auf so ursprüngliche wie beschauliche Art wie bei der traditionellen Fränkischen Weihnacht in Mönchsondheim. Die fand am vierten Adventssonntag wieder in der voll besetzten Dorfkirche statt und hatte mehr als Folklore zu bieten.
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Authentisch: Bei der Fränkischen Weihnacht in Mönchsondheim war das traditionelle Liedgut wieder auf dem Notenpult und erfreute die Besucher in der voll besetzten Dorfkirche. Foto: Foto: Timo Lechner

Mit Weihnachtskonzerten oder Adventssingen warten in diesen Tagen allerorts die Musikvereine oder Kirchengemeinden auf, versprechen besinnliche Stunden und einen Ort der Ruhe und Einkehr. Wohl kaum anderswo gelingt dies auf so ursprüngliche wie beschauliche Art wie bei der traditionellen Fränkischen Weihnacht in Mönchsondheim. Die fand am vierten Adventssonntag wieder in der voll besetzten Dorfkirche statt und hatte mehr als Folklore zu bieten.

„Wenn scho, dann gscheid“ würde der Franke sagen. Und so konsequent gehaltvoll wie ungeschminkt kommen auch die Darbietungen beim Kult-Ereignis in der Mönchsondheimer Kirche beim Publikum an. Anderthalb Stunden wird fränkische Musik aufgetischt, abwechslungsreich und ursprünglich.

Die Schrollamusikanten aus dem Werntal, acht Bläserinnen und Bläser, haben sich bereits vor 45 Jahren der fränkischen Tanzmusik verschrieben. Keine musikalischen Kabinettstückchen, aber ehrliche, authentische Weisen aus dem Volksgut und von Komponisten der Region sind das, die am Sonntag Balsam auf die Seele der Zuhörer waren, die für diese Art der Musik einen Sinn entwickelt haben.

Unterstützt wurden die Schrollamusikanten von den Vasbühler Sängerinnen, sechs Damen mittlerem bis gesetztem Alters, die – in fränkischer Tracht – mehrstimmige Lieder intonierten und sich dabei teilweise von den Klarinetten der Schrollamusikanten und von Hans Rhau an der Zither begleiten ließen. Rhau hatte auch einige Solo-Darbietungen mit dem selten gewordenen Instrument auf Lager, bei denen es mucksmäuschenstill in der Kirche wurde. Wer vom Weihnachtsstress geplagt ist, der kam hier zur Ruhe.

Anton Böhm, Leiter der Schrollamusikanten, brachte witzige bis geistreiche Gschichtli und Anekdoten mit ein. Er beschwor den fränkischen Dialekt als die „Volksspraach, die aus dem Herzen kümmt“ und artikulierte dabei keinen typisch mittelfränkischen „Slang“, wie dieser vielleicht von den Franken-Kabarettisten bekannt ist, sondern in durchaus seiner typischen Färbung aus dem Werntal. Und erinnerte daran, dass zwischen Geschenken und gutem Essen das in der Jugend lieb gewonnene Christkind mittlerweile auf der Strecke geblieben sei.

Pfarrer Gerhard Glemser aus Hohlweiler, der den theologischen Teil der Fränkischen Weihnacht übernommen hatte, überraschte am Ende mit einigen Ernüchterungen: Dass wir um den 25. Dezember unser Weihnachtsfest feiern liegt daran, dass die christlichen Missionare den Termin auf das heidnische Julfest gelegt haben. Und ob Jesus wirklich in Bethlehem in einer Krippe geboren wurde? Vielleicht alles nur Fantasie. „Entscheidend ist aber nicht das Wie, sondern dass Jesus auf die Welt gekommen ist“, sagte Glemser versöhnlich.

Der Mönchsondheimer Posaunenchor trug ebenfalls mit konzertanten Einlagen zum Gelingen der Veranstaltung bei. Er begleitete die Gemeinde bei den die Fränkische Weihnachten umrahmenden Choräle „Macht hoch die Tür“ und „O du fröhliche“.

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