KITZINGEN

Ballonfahren: Fuchsjagd in der Luft

Der Neu-Kitzinger Adolf Kohl und seine Liebe zum Heißluftballon. Wie ein Mann seine Berufung fand und wiederholt deutscher Vizemeister wurde.
Artikel drucken Artikel einbetten
Luftiger Wettkampf: Adolf Kohl (unterer Ballon) bei den Schweizer Meisterschaften vor zwei Wochen. Foto: Foto: Kohl
+1 Bild

Am Anfang war ein Geschenk. Mitte der 90er Jahre stand Adolf Kohl mit einem Gutschein vor einem Heißluftballon und war aufgeregt. Der damals 35-Jährige konnte da noch nicht ahnen, dass die nächsten Minuten sein Leben grundlegend verändern sollten. Der Mann, der bisher in der IT-Branche unterwegs war, fing sich einen „Ballonvirus“ ein.

Seine Luftfahrtkarriere startete Adolf Kohl dann 1998: Er machte den Pilotenschein. Eine kostspielige Angelegenheit: Die theoretische Ausbildung umfasst unter anderem Luftrecht, Meteorologie, Navigation, Ballontechnik und Verhaltenstechniken in besonderen Fällen. Mit bestandener Ausbildung schloss er sich dem Würzburger Ballonfahrer-Verein an und charterte die Ballons zunächst. 2002 schließlich wurde der erste eigene Ballon gekauft.

Aus dem Hobby war inzwischen auch ein Beruf geworden: Der heute 54-Jährige bot bald schon Passagierfahrten an, heute betreibt er mit seinem Kompagnon Gerhard Weber in Würzburg die Firma „AG Ballon“ und geht bis zu 70 Mal im Jahr in die Luft.

„Luft ist ähnlich wie Wasser – nur dünner!“
Adolf Kohl, Deutscher Vize-Meister

Dass hier zusammengefunden hatte, was zusammen gehört, zeigte sich schnell auch bei diversen Wettkämpfen, die der Ballon-Fan vier- bis fünfmal pro Jahr mit wachsender Begeisterung besuchte. Was ebenfalls wuchs, war der Erfolg. Kohl erzielte hervorragende Ergebnisse in der deutschen Wettkampfszene und schaffte es 2003 ins Nationalteam.

Der Neu-Kitzinger – vor einem Jahr verschlug es ihn und seine Familie aus der Spessart-Stadt Arnstein in die Große Kreisstadt – heimst seither immer wieder Titel ein. So wie zuletzt im Mai, als er in der Steiermark nach 2012 zum zweiten Mal deutscher Vizemeister im Ballonfahren wurde.

Dabei ist Können und Geschick gefragt, eine Meisterschaft beinhaltet bis zu 30 Aufgaben. Beispielsweise die Fuchsjagd: Ein Ballon gibt das Ziel für die anderen vor. Oder das Fly-In: Ein Kreuz am Boden markiert das Ziel, zu dem es alle Ballonfahrer hinzieht – wenn sie den richtigen Wind finden, um am Ende zum Zielkreuz herabzusinken und zentimetergenau einen Marker abwerfen zu können, einen kleinen Sandsack mit Stoff-Fahne. Wer am nähesten am Kreuz ist, hat gewonnen.

Was für den Piloten Stress bedeutet. Alles eine Sache der Konzentration. Man versucht, die Windrichtung abzuschätzen, um die richtige Route zu finden. Dann ist es gut, „wenn man Karten lesen kann“. Und ein spezielles Gefühl für die Luft zu haben, kann auch nichts schaden. Adolf Kohl beschreibt das so: „Luft ist ähnlich wie Wasser – nur dünner!“

Um die großartige Landschaft zu bewundern – dafür ist bei Wettkämpfen kaum Zeit. Der Genuss kommt dann eher bei den privaten Fahrten: Wenn man das unbeschreibliche Gefühl erleben darf, wenn die Erde im Zeitlupentempo unter den Füßen vorbeizieht. Mehrere Alpenüberquerungen hat Kohl schon hinter sich – wohl das Spektakulärste, was ein Ballonfahrer erleben kann.

Als nächstes stehen jedoch erst einmal wieder Wettbewerbe an: Die thüringische Meisterschaft findet quasi um die Ecke statt, dann folgt in Warstein die Montgolfiade. Die Qualifikation zur Weltmeisterschaft hat sich der Neu-Kitzinger auch erworben – witzigerweise ist das Austragungsland Brasilien. Genau da liegt aber das Problem: Mit einer Tonne Gewicht sprengen allein die Flugkosten jeden Rahmen. Deshalb geht die WM diesmal ohne ihn über die Bühne. Aber der Mann kann warten. Die nächste WM kommt bestimmt.

Naheliegender ist da schon der Wunsch, dass es eines Tages vielleicht auch wieder in Kitzingen einen Ballon-Startplatz gibt. Damit sich auch in seiner neuen Heimatstadt der Ballonvirus ungehemmt verbreiten kann.

Weitere Infos im Internet: www.ag-ballon.de

Ballonfahren

So funktioniert's: Ein Heißluftballon ist wie ein Beutel mit warmer Luft, der in der kühleren Luft des Himmels aufsteigt, weil er leichter ist.

Mehr als ein Ballon: Ein Heißluftballon besteht aus Ballonhülle, dem Korb, Brenner und Gasflaschen. Die Hülle ist aus Kunststoff. Das Feuer des Brenners heizt die Luft im Ballon auf. Flott unterwegs: Die Geschwindigkeit liegt zwischen fünf und 50 Stundenkilometern. Die Höhe variiert zwischen 150 und 3000 Metern. So wird gesteuert: Der Pilot lässt den Ballon steigen oder sinken, damit er den richtigen Wind erwischt. Wird die Luft im Ballon angeheizt, geht's nach oben. Wird heiße Luft aus dem Ballon gelassen, sinkt der Ballon. fw

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.