Kitzingen

Bahnhof ist ganz weit weg von barrierefrei

Nicht nur am Kitzinger Bahnhof muss noch viel passieren, damit Horst Seehofer sein Anfangsversprechen vom barrierefreien Bayern einhalten kann. Wo es da hakt, hat die Kitzinger SPD festgestellt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Nicht nur für Fahrradfahrer eine Hürde: Die Sozialdemokraten machten auf die Probleme von Gehbehinderten im Kitzinger Bahnhof aufmerksam. Von links: Manfred Paul, Bernd Moser, Ewald Greif, Elvira Kahnt, Robert Finster, Martin Burkert, Astrid Glos und Volkmar Halbleib.
+1 Bild

Nicht nur am Kitzinger Bahnhof muss noch viel passieren, damit Horst Seehofer sein Anfangsversprechen einhalten kann. Bis 2023 sollte ganz Bayern barrierefrei sein. Inzwischen hat der Ministerpräsident das auf alle staatlichen Einrichtungen reduziert. Davon ist Bayern noch weit entfernt und – wenn man die Deutsche Bahn in den Blick nimmt – der Kitzinger Bahnhof, wie die SPD meint.

Gegen die dortigen Missstände riefen Stadtratsfraktion und Ortsverein am Freitag zu einem Protest auf.

Ein offenes Ohr für die Kritik und die Vorschläge der Ortsgruppe hatten die eingeladenen Verantwortlichen, darunter Bundestagsabgeordneter Martin Burkert vom Ausschuss für Verkehr und Digitales und Landtagsabgeordneter Volkmar Halbleib vom Ausschuss für Staatshaushalt und Finanzfragen. Beide machen sich aktuell ein Bild vom Zustand und dem Verbesserungsbedarf der Bahnhöfe in der Region.

Dabei ist Kitzingen ein Negativbeispiel. Barrierefrei ist hier ein Fremdwort. Aktuell können Reisende mit Gepäck, Fahrradfahrer, Rollstuhlfahrer, Senioren mit Rollatoren oder Mütter mit Kinderwagen nur mit größter Anstrengung die Bahnsteige 2 und 3 erreichen. Ohne fremde Hilfe ist das unmöglich. Bei einem behindertengerechten Umbau müsste beispielsweise die Höhe der Bahngleise auf 76 Zentimeter angehoben werden, um den Ausstieg zu erleichtern. Auch der Einbau von Aufzügen könnte den Zugang barrierefrei machen.

Mit dem Anschluss des Landkreises an den Verkehrsverbund Nürnberg (VGN) ist das Thema aktueller denn je. „Ich hoffe, dass wir gemeinsam daran arbeiten können, das möglichst kurzfristig zu schaffen,“ sagte Halbleib. Von einem barrierefreien Umbau ist Bayern laut Burkert aber noch ein ganzes Stück entfernt. „Bei 1010 Bahnhöfen, die von der Deutschen Bahn genutzt werden, sind zwei Drittel noch nicht barrierefrei“, erklärte er.

995 Millionen Euro will das Bundesverkehrsministerium in naher Zukunft in Bahnprojekte stecken, so der Bundestagsabgeordnete. In Bayern soll das kleineren Bahnhöfen zu Gute kommen. „Ich werde Herrn Dobrindt bitten, auch Kitzingen zu prüfen damit wir in Kitzingen auch in das Sonderprogramm Barrierefreiheit bekommen“, erklärte Burkert weiter. Das Bayerische Programm zur Barrierefreiheit sei bis 2023 ausgelegt.

An der aktuellen Situation muss sich schneller etwas ändern, meinen die Kitzinger Sozialdemokraten. „Uns ist es wichtig, jetzt schon etwas zu tun – nicht erst im Jahre 2023“, betonte Stadträtin Elvira Kahnt. Aktuell verweist ein winziger Vermerk am Bahnsteig gehbehinderte Menschen nach Würzburg: „In diesem Bahnhof ist keine Hilfeleistung verfügbar“, ist dort zu lesen. Da muss laut SPD unbedingt gehandelt werden. Weil es bis zum Umbau dauern könnte, kommt aus dem Ortsverein ein Vorstoß: Ehrenamtliche Helfer könnten per Telefonanruf gebeten werden, Gehbehinderten über die Treppenhindernisse zu bringen.

„Man muss gerade für die Menschen, die keine Chance haben, hier mitzukommen, etwas tun“, sagte Burkert. Der Bahnhof in Kitzingen gehöre deshalb seiner Meinung nach in das geplante Umbauprogramm.



Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.