Obwohl sich laut Expertenmeinung die Bärenpopulation in Deutschland auf einige Exemplare in diversen zoologischen Einrichtungen beschränkt, erfreut sich doch in Mainbernheim ein ganzes Rudel dieser Tiere ihrer Freiheit. Wer jetzt schon die heimische Schützengesellschaft mit Gewehr zur Ortsverteidigung auf Bärenjagd sieht, wird sich in Mainbernheim wundern. Die Bären und die Schützen gehen nämlich Hand in Hand, natürlich nur bildlich gesprochen. Gemeinsam stemmen die beiden Gruppierungen die Mainbernheimer Kirchweih.
Im Jahre 2007 gründete sich der Verein "Banamer Bären", dessen Mitglieder allerdings keine echten Bären, sondern junge Mainbernheimer in Bärenkostümen sind. Ein paar Jahre mehr haben da die Mainbernheimer Schützen auf dem Buckel. Jene gründeten sich bereits 1382. "Seit 1770 richten die Schützen nachweislich den Schützenmittwoch aus", erklärt Wolfgang Poser, der Mainbernheimer Schützenmeister. Jener Mittwoch gilt in der Stadt als "Nationalfeiertag" und wird auch genau so betitelt.

Bürgerschießen an der Kirchweih


Die Mainbernheimer Kirchweih wird traditionell am letzten Augustwochenende gefeiert und hatte streng genommen eigentlich mit dem Schützenmittwoch nichts zu tun. Während Sonntag und Montag Kirchweih gefeiert wurde, blieb der Dienstag zu, um das weltliche von dem kirchlichen Fest zu trennen. Neben verschiedenen Kirchweihtänzen in den Mainbernheimer Gaststätten spielte sich mit dem Rummel dennoch ein großer Teil des Festes am Schützenplatz, beziehungsweise ab 1978 am neu gebauten Schützenhaus ab. Außerdem wurde am Kirchweihwochenende seit 1942 auch das Bürgerschießen veranstaltet, was die beiden Feste weiter miteinander verknüpfte.
Nachdem die Kirchweih in den 1990er und in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends am Einschlafen war, versuchten die Schützen dem Fest durch verschiedene Abendveranstaltungen im Festzelt wieder mehr Leben einzuhauchen. Für die Schützengesellschaft war dies allerdings alleine nicht zu stemmen. Und hier kommen nun die Bären ins Spiel. Die Jugend des Ortes, damals in der W.T.E. organisiert, hatte bereits mit der Veranstaltung der überaus erfolgreichen "Xxxxx 2-Party" das richtige Know-How in der Durchführung von Festen und suchte nach einer neuen Aufgabe. Um die Mainbernheimer Tradition aufrecht zu erhalten, erklärten sich die Bären dazu bereit, gemeinsam mit den Schützen das Fest auch an den Tagen vor dem Schützenumzug zu einem Publikumsmagneten zu machen. Zu diesem Zweck wurde 2007 schließlich der Verein "Banamer Bären e.V." gegründet.

Rund 80 Mitglieder


Das Amt des präsidialen Oberbären hält Michael Gebert in seinen Händen, oder um es bärisch ausdrücken, in seinen Tatzen. Er ist der Präsident von rund 80 Mitgliedern, wobei sich zirka 30 Leute aktiv engagieren. "Wir konnten unsere Kirchweih immer besser etablieren", zieht Michael Gebert als Resümee aus den vergangenen Jahren. Bereits vier Jahre vor der Gründung war das Festzelt zur Kirchweih hinzugekommen, eine Tradition, die die Bären fortführten. In den letzten Jahren kam zudem der Biergarten neben dem Schützenhaus als Schauplatz hinzu. Hier wird, als Ergänzung zum Betrieb im Schützenhaus, unter freiem Himmel bewirtet.

Neue Akzente setzen


"Wir versuchen das aktuelle Niveau unserer Kirchweih zu erhalten, da eine Vergrößerung kaum noch möglich ist", erklärt Michael Gebert. Gerade am Samstag und Sonntag muss man schon für zusätzliche Sitzplätze sorgen. Allerdings wollen die Bären in jedem Jahr neue Akzente setzen. So wurde heuer zum ersten Mal schon freitags ein Hasenpfefferessen veranstaltet. Den zusätzlichen Kirchweihtag will der gemeinnützige Verein auch in den nächsten Jahren etablieren. Und auch beim Essen wird immer etwas Neues präsentiert. Als neue Idee sei eventuell die Durchführung eines Biathlons angedacht, bei dem nach einem Lauf als zusätzliche Disziplin geschossen werden muss. Dies ist allerdings noch Zukunftsmusik.
Die Kirchweiheröffnung fand allerdings, trotz der Einführung des Kirchweihfreitages, traditionell am Samstag im Biergarten statt. Neben dem Schützenmeister Wolfgang Poser und dem Bärenpräsidenten Michael Gebert waren auch Bürgermeister Karl Wolf (FW) und Peter-Michael Himmel, Juniorchef der Privatbrauerei Kesselring, zugegen, die nun bereits im dritten Jahr das Kirchweihbier braut und zur Eröffnung 30 Liter Freibier spendet, mit auf der Bühne. Die Ehre, das Fass anzuzapfen, wurde dem Bürgermeister zuteil.
Gleich nach der Kirchweih wurde dann das Bürgerschießen im Schützenhaus eröffnet, welches Samstag und Sonntag stattfand und mit der Proklamation des Bürgerkönigs am Schützenmittwoch seinen Höhepunkt findet. Außerdem sorgten am Samstagabend Donny Vox und am Sonntagabend die Band "Sunset After Noon" für die richtige Stimmung im Festzelt.

"Nationalfeiertag" am Mittwoch


Heute und morgen wird ab 15 Uhr mit Kaffee und Kuchen und ab 18 Uhr mit Abendessen gefeiert. Der Schützenmittwoch beginnt dann bereits um 6 Uhr morgens mit dem Weckruf. Um 8 Uhr wird dem neuen Schützenkönig seine Kette übergeben. Nach der Fähnchenausgabe um 10 Uhr und dem Schoßmeister essen bahnt sich schließlich ab 13.30 Uhr der Festzug seinen Weg durch Mainbernheim. Bereits ab 13 Uhr ist Festbetrieb im Stadtgraben.
Im Anschluss an den Festzug erfolgen die Proklamation des Schützenkönigs und die Preisverleihung des Schießens. Ab 18 Uhr wird dann der Bürgerkönig proklamiert. Hier wird es auch für die Bären spannend, denn der Präsident hat mit den Schützen eine Wette laufen. Sollte er einmal Bürgerkönig werden, tritt er auch der Schützengesellschaft bei. Ein schießender Bär wäre in Mainbernheim schließlich auch kein Widerspruch, sondern völlig normal. Dies beweist die hervorragende Zusammenarbeit der beiden Vereine in den vergangenen Jahren.